IG Metall kündigt erste Warnstreiks an
"Bis jetzt hat man uns nur verarscht"

"Wir für mehr": Sollten sich die Arbeitgeber bis 13. Mai nicht bewegen, drohen sogar Tagesstreiks. Das unterstrichen der 1. und der 2. Bevollmächtige der IG Metall Amberg, Horst Ott und Udo Fechtner (von links), am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Bild: Steinbacher

Fünf Prozent mehr Geld für zwölf Monate. "Wir waren eigentlich der Meinung, dass das eine sehr moderate Forderung ist, angesichts der wirtschaftlichen Situation in den Betrieben", sagte am Mittwoch Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg. Die Arbeitgeberseite bot in der laufenden Tarifrunde lediglich 0,9 Prozent und "irgendwelche Einmalzahlungen", mit denen man bei 1,2 Prozent landen würde. Ott war das ein drastisches Urteil wert: "Bis jetzt hat man uns nur verarscht."

Lohnerhöhungen hätten auch etwas mit Wertschätzung zu tun, merkte Ott dazu an. Insofern sei die Offerte "eine Frechheit". Die IG Metall werde sich deshalb mit den Mitteln des Arbeitskampfes wehren. Wenn sich an diesem Donnerstag in der dritten Tarifverhandlung in Augsburg nichts bewegt - wovon Ott ausgeht -, ruft die IG Metall in der Nacht zum Freitag zu 0-Uhr-Aktionen in drei Betrieben auf: Siemens in Amberg und Kemnath, Faurecia in Trabitz. "Als politisches Signal", wie der IGM-Chef betonte. Dauern werde das alles eine Stunde.

In der ersten Warnstreik-Phase will die Gewerkschaft in sechs Unternehmen mindestens 4000 Leute mobilisieren. Am Montag, 2. Mai, soll die Grammer AG an allen vier Standorten an der Reihe sein. Phase zwei sieht 23 Betriebe und um die 7000 Beschäftigte vor. Minimum. "Ich glaube, es wird höher liegen", sagte Ott, der in diesem Zusammenhang von einem "Warmlaufen" sprach.

Komme von den Arbeitgebern bis Freitag, 13. Mai, weiterhin nichts Akzeptables, werde die IG Metall zu einem Instrument greifen, das "wir bislang noch nie hatten": den Tagesstreik. Die Gewerkschaftsmitglieder, die sich daran beteiligen, würden dann von der IGM finanziell entschädigt. Ott ist sich bewusst: Mit einem Tagesstreik "erzeugen wir wirtschaftlichen Schaden". "Wir werden mindestens vier Betriebe in diese Auseinandersetzung schicken", das ist der Plan. In der Summe seien das mindestens 4000 Menschen.

Wut in den Betrieben


Seit dem 0,9-Prozent-Angebot sei es um die Stimmung in den Unternehmen nicht mehr so gut bestellt, meinte Horst Ott abschließend: "Es ist eine ziemliche Wut in den Mannschaften."

Wechsler kommtBei der Maikundgebung am Sonntag auf dem Schrannenplatz spricht Jürgen Wechsler. Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern ist der Verhandlungsführer der Gewerkschaft in der laufenden Tarifrunde. Laut Horst Ott war vor drei Jahren vereinbart worden, dass Wechsler 2016 nach Amberg kommt. Damals habe man ja nicht gedacht, dass das in einer so heißen Phase sein wird. "Das hat schon einen besonderen Charakter für uns", betonte der hiesige Bevollmächtigte. (kan)
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