Konzernzentrale sowie Forschungs- und Entwicklungszentrum nach Ursensollen
Grammer verlässt Amberg

Die Georg-Grammer-Straße bleibt Amberg erhalten, die Konzernzentrale des weltweit tätigen Unternehmens jedoch nicht. Das Gebäude gleich neben der Hochschule gehört der Gewerbebau. Sie muss nun zusehen, wie es wieder belegt werden kann, wenn Grammer ausgezogen ist. Bild: Hartl
 
Blick in den Entwicklungsbereich von Grammer. Die Mitarbeiter, die dort tätig sind, gehen wie die Kollegen aus der Forschung und der Amberger Konzernzentrale nach Ursensollen. Am neuen Standort werden voraussichtlich 500 bis 700 Beschäftigte arbeiten. Bild: hfz

Es sei keine Entscheidung gegen Amberg, wie Unternehmenssprecher Ralf Hoppe am AZ-Telefon betonte, sondern für Ursensollen. Das Konzept dieser Gemeinde sei am überzeugendsten gewesen. Und so verlegt die Grammer AG ihren Hauptsitz einige Kilometer vor die Stadttore.

Aber nicht nur: Auch das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum soll in Ursensollen entstehen. Dort werden laut Hoppe in einigen wenigen Jahren 500 bis 700 Mitarbeiter beschäftigt sein. Der grobe Zeitplan sehe vor, dass 2019 die ersten Umzüge an den neuen Standort über die Bühne gehen.

Beim Autohaus Fischer


Forschung und Entwicklung sind bisher in Immenstetten und Haselmühl zu Hause. Der Wechsel nach Ursensollen werde das Arbeitsumfeld der Beschäftigten enorm verbessern. Wie genau, müsse erst noch festgelegt werden. Eine detaillierte Planung gebe es noch nicht, sagte Hoppe, sie starte praktisch jetzt. Der neue Standort werde sich direkt neben der Autobahn befinden, im Gewerbepark, in unmittelbarer Nähe des Autohauses Fischer.

"Mit der Zusammenführung der Entwicklungsaktivitäten sowie der Konzernzentrale am gleichen Standort schafft Grammer ideale räumliche Voraussetzungen für eine optimale Zusammenarbeit, nutzt Synergien, vereinfacht die Kommunikation und erhöht die Effizienz der Prozesse", hatte das Unternehmen am Donnerstagvormittag via Pressemitteilung hervorgehoben. Der Entscheidung vorausgegangen sei ein "umfassenden Auswahlprozess".

Sechs Bewerber


Ralf Hoppe berichtete auf Nachfrage von sechs Kandidaten, die gebeten worden seien, Standortkonzepte vorzulegen. "Die Stadt Amberg war dabei", bestätigte der Konzernsprecher. Sie habe Grammer "auch viele Vorteile" aufzeigen können und attraktive Ideen unterbreitet. Am Ende aber machte Ursensollen das Rennen. Aus vielerlei Gründen, wie Hoppe erläuterte, der hier unter anderem die Nähe zu Amberg, die gute Infrastruktur und die Verkehrsanbindung nannte.

Zudem biete der neue Standort an der A 6 "größtmögliche Flexibilität" in Bezug auf die Bebauung. Erweiterungen seien dort jederzeit machbar.

Die Investitionsentscheidung für Ursensollen, so hielt die Grammer AG in ihrer Presse-Info fest, sei "ein klares Bekenntnis zu den Unternehmenswurzeln in der Region Amberg, aber auch grundsätzlich zum Standort Deutschland".

Reaktionen"Freude schaut anders aus": Ambergs OB Michael Cerny verhehlte seine Enttäuschung darüber nicht, dass Grammer Ursensollen ausgewählt hat. Zumal die Stadt dem Unternehmen ein "passgenaues Angebot" unterbreitet habe, das am derzeitigen Standort bei der OTH hätte realisiert werden können. Andererseits hätte Grammer natürlich auch nach Nürnberg oder in den Osten gehen können. Insofern sei es ein Erfolg, dass der Konzern in der Region bleibt. "Trotzdem ärgert's mich", fügte Cerny hinzu.

Ursensollen hat einen dicken Fisch an Land gezogen - gegen diese Formulierung hatte Bürgermeister Franz Mädler nichts einzuwenden. Komplimente bekamen von ihm seine Verwaltung und der Gemeinderat, die alle Anstrengungen unternommen und kräftig mit angeschoben hätten, um "einem Weltkonzern Ursensollen so schmackhaft zu machen". Mädler wörtlich: "Ich bin der Firma sehr dankbar, dass sie das Vertrauen in uns setzt." Man wolle und werde es rechtfertigen.

Der Chef der Gewerbebau Amberg, Karlheinz Brandelik , räumte ein, dass ihm die Nachricht vom Weggang der Grammer AG "auf die Stimmung geschlagen" habe. Das Haus, in dem die Konzernzentrale untergebracht ist, gehört der Gewerbebau. Wegen der großen Flächen, sagte Brandelik, werde die Nachbelegung sicherlich eine Herausforderung darstellen. Allerdings sei es auch ein "hochattraktiver Standort". Darum betrachte er die Entscheidung von Grammer für Ursensollen durchaus als Chance. (kan)
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