Kükenaufzucht statt Kükenschredder
Nicht ohne meinen Bruder

Das Ehepaar Walz füttert Hühner auf der Wiese vor dem Stall. Auf dem Bio-Hof laufen die Tiere frei herum. Bild: Huber

Die Brüder der künftigen Legehennen werden keinen Tag alt: Sie legen keine Eier und liefern nicht viel Fleisch. Eine Aufzucht lohnt sich nicht. Deshalb töten Zuchtbetriebe die männlichen Küken kurz nach dem Schlüpfen im Schredder. Ein Bauernhof im Stadtgebiet geht bewusst einen anderen Weg.

Schäflohe. Michaela und Andreas Walz haben in Schäflohe einen Lebensraum für Tiere geschaffen. Neben freilaufenden Kühen gibt es auch 300 Hühner. 1994 hat Walz den Hof übernommen. Seit 2000 setzt er auf ökologische Landwirtschaft und hält zwei verschiedene Hühnerrassen. Das Ehepaar züchtet einerseits reine Legehennen, die anderen Tiere sind für die Mischnutzung bestimmt. Das heißt: Sie legen Eier, sind aber auch für die Mast geeignet. Das Masthuhn ist wesentlich schwerer als die Legehenne, legt aber deutlich weniger Eier. Alle Hühner laufen zusammen auf dem Hof herum.

Mastgockel leben länger


In der konventionellen Landwirtschaft werden die Brüder der künftigen Legehennen schon am ersten Tag ihres Lebens getötet. Der Schredder macht kurzen Prozess mit den Eintagsküken. Auf dem Hof von Michaela und Andreas Walz passiert das nicht. Sie sind die Ausnahme und ziehen die Tiere groß. "Erst kommen sie unter die Wärmelampe und mit drei Wochen in den Stall", sagt der Vollerwerbslandwirt. Das ist nicht billig. Familie Walz droht durch die Aufzucht die finanzielle Schieflage: Die Brudertiere der Legehennen bringen kaum Einnahmen. Die Gockel nehmen weder besonders gut Gewicht zu, noch legen sie Eier. Die Kosten dafür kommen aber über den Hofverkauf wieder herein. "Das Ei muss ein Zehnerl mehr kosten", gibt Walz zu verstehen. Die Eier der Legehennen bezahlen also die Aufzucht der Brüder. Walz betont aber: "Sterben müssen sie bei uns auch. Aber das Leben hat einen Sinn gehabt." Etwa drei bis fünf Monate werden die Gockel auf dem Hof gehalten. Dann kommen sie in den Schlachthof.

Auch die Masttiere dürfen hier etwas länger leben. In der herkömmlichen Landwirtschaft würden die Hühner und Gockel meist nur 30 Tage alt, erklärt Andreas Walz, denn: "Das müssen schnell wachsende Rassen sein." Je mehr Tiere man in kürzerer Zeit züchten kann, desto höher ist der Gewinn. Walz sagt, dass man die Mastgockel zu Brathähnchen machen kann. Die Brudertiere der Legehennen eignen sich dagegen nur als Suppenhuhn oder als Wurst. Alles werde auch hier auf dem Hof in Schäflohe verkauft.

Alternativen ausprobieren


"Die Großen verdienen richtig Geld. Bei uns passt's, sag' ich. Bei uns ist es eigentlich auch eine wirtschaftliche Frage, aber die Kleinen haben oft mehr Sinn für Verantwortung", sagt Walz. Die Großen setzten sich mit der ökologischen Landwirtschaft nicht richtig auseinander, findet er. Der Biohof Walz will eine Alternative aufzeigen, wie es auch gehen kann. Wenn das funktioniert, sei viel gewonnen: "Es geht darum, es mal zu probieren." (Angemerkt/Seite 37)
Sterben müssen sie bei uns auch, aber das Leben hat einen Sinn gehabt.Bio-Landwirt Andreas Walz
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