Lackierermeister als Werbekünstler
Was die Farbe hergibt

Der Truck-Treff in Kaunitz bei Bielefeld feierte 2015 sein 30-jähriges Bestehen. Organisiert wird er von einem mittelständischen Unternehmen. Zum Jubiläum beauftragte es Airbrush-Fieber aus Amberg mit der Gestaltung eines besonderen Lkw. Bild: Konrad
 
Seit mehreren Jahren sprayt Rüdiger Fieber (rechts) Trucks um. Zum ersten Mal dabei ist die Firma Meixner. Im Bild die Brüder und Geschäftsführer Roland (unten) und Matthias Meixner. Sie haben den Truck für ihre Spedition erworben und ihn von Fieber umsprühen lassen. Bild: Konrad

Er hat fünf Angestellte und bekommt Aufträge aus ganz Deutschland. Lackierermeister Rüdiger Fieber hat sich spezialisiert. Er bringt die Unternehmen der Truck-Branche zusammen. Diese schicken Mechaniker, die kostenlos für ihn arbeiten.

"Das ist so verrückt!" - Rüdiger Fieber steht in seiner Lackiererei. Er grinst. "Die Firmen zahlen dafür, ihre Sachen anbringen zu dürfen." Den meisten Platz in der Halle besetzt ein Lkw. An ihm werkeln Mechaniker verschiedener Unternehmen. Sie bauen die Achsen, Reifen und Stoßstangen aus und montieren den Fahrersitz ab. Auch die Beleuchtung entfernen sie. Dann kommt die Ausrüstung der Sponsoren an den Lkw: Zierleisten, verchromte Reifen, ein Sitz, Achsen, Stoßstangen und Beleuchtung. "Das ist ein nigelnagelneuer Lkw. Ein Kühlauflieger für über 200 000 Euro", erklärt Fieber. Er findet es faszinierend, dass die Unternehmen den neuen Truck zerlegen, um ihre eigenen Bauteile anzubringen.

Werbung per Lkw


"Das verrückte an der Sache ist ja, wenn du nicht das Netzwerk hast...", sagt Fieber und beginnt zu erzählen: Seit mehreren Jahren gestaltet er Lastwägen um. "Dein Unternehmen muss verrückt sein, wenn du das machst: Ich habe zwei Amerikaner, die bei mir lackieren, einen Grafiker und zwei Monteure - und einen freiberuflichen Airbrushkünstler." Etwa vier Lkw sprayt Fieber im Jahr mit seiner mittelständischen Firma. "Zehn Wochen brauchen wir für so was", erklärt er. "Im Moment haben wir zwölf Vorbestellungen."

Bevor ein Truck umgesprüht werden kann, muss der Lackierermeister viel organisieren: Bei dem, der heute in seiner Werkstatt umgebaut wird, fing alles mit einem Anruf der ostwestfälischen Firma Truck-Store Niebel aus Kaunitz an. Die feierte das dreißigjährige Jubiläum ihres Truck-Treffs. Die Idee war, einen Brummi durch Airbrush umgestalten zu lassen. "Wenn der Jubiläumstruck herumfahren würde, hätten wir einen riesen Imagegewinn", habe die Firma gesagt. Doch sie hatte weder viel Geld, noch einen eigenen Lkw.

Also fing Fieber an, zu telefonieren: Er fand eine Spedition, die extra einen neuen Lkw kaufte. Auch Sponsoren gewann er und verewigte sie mit seiner Sprühtechnik auf dem Truck: Den Achsen- und Radmacher, ein Unternehmen für Chromverzierungen, einen Sitz-Hersteller, ein Trucker-Magazin und die Spedition selbst. Einziger Zweck: Vermarktung. "Andere Transportunternehmen sollen darauf aufmerksam werden: Das sieht super aus, das ist technisch klasse, das sollten wir für unsere Flotte ordern", erklärt Fieber.

Vermarktung als Geschäft


Seit 33 Jahren ist der Lackierer selbstständig. Die Werkstatt gegenüber des Drahthammer Schlöß'ls in Amberg führt er seit 25 Jahren. Gelernt hat Fieber sein Handwerk bei dem Design-Lackierer Walter Maurer in München. "Wir haben in den 70er Jahren die Rennwägen für BMW gestaltet", erzählt er. Dort habe er gelernt, was Vermarktung bedeute: "Versuche, für dein Projekt die Öffentlichkeit in den Bann zu ziehen. Bleib' transparent, erkläre dein Geschäft. Dann kommen auch die großen Unternehmen, weil sie denken, der kann was, der hat was drauf." Im mittelständischen Unternehmen werde das Marketing oft der Frau oder der Tochter aufs Auge gedrückt. "Ich lebe Marketing", sagt der Lackierer. Fieber will zeigen, dass es möglich ist, sich zu spezialisieren, und Aufträge aus Kaiserslautern, Bremen, Hamburg, Bielefeld und München zu bekommen. Auch in der Kleinstadt Amberg. "Das bringt was: Du hast keinen Preisdruck. Die erfolgreiche Strategie bringt dir die Aufträge." Selten habe mit ihm jemand über den Preis verhandelt.
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