Luxemburgische Holding kauft finanziell angeschlagene Gießerei
Luitpoldhütte in neuen Händen

Bild: Hartl
 
Dr. Hubert Ampferl, Insolvenzverwalter LH. Bild: Hartl

Die Luitpoldhütte (LH) ist in neuen Händen. Am Dienstag wurde in Nürnberg der Notarsvertrag mit der in Luxemburg ansässigen Ogepar-Gruppe unterzeichnet. Die Holding stellte eine neue Führungsspitze und will die in Insolvenz geratene Gießerei mit der verbliebenen Belegschaft von circa 360 Beschäftigten weiterlaufen lassen.

Bis in der Noris alles unter Dach und Fach war, vergingen etliche Stunden: "Sie müssen sich vorstellen, das sind Verträge dick wie Telefonbücher. Und die Inhalte müssen verlesen werden", erläuterte der Mitarbeiter einer Kölner Agentur, Sprachrohr von Insolvenzverwalter Dr. Hubert Ampferl (Nürnberg).

Am frühen Abend kam dann die Vollzugsmeldung: "Die Luitpoldhütte ist gerettet", ließ Ampferl verlauten. Demnach will Ogepar den Standort an der Sulzbacher Straße nicht nur erhalten, sondern ausbauen. Die Gruppe habe sich verpflichtet, in den nächsten fünf Jahren 15 Millionen Euro in die Gießerei zu investieren - allein 3,2 Millionen bereits 2016.

"Die Ogepar-Gruppe ist der ideale Partner für die Luitpoldhütte", schätzte Insolvenzverwalter Ampferl die neue Situation am Dienstag ein. Und nach der Unterzeichnung des Vertrages mit den neuen Eignern war er sich sicher: "Die Luitpoldhütte wird Teil eines hervorragend aufgestellten, finanzstarken und international tätigen Konzerns und erhält damit wieder eine langfristige Perspektive."

Bereits 2016 werde Ogepar größere Gießereiaufträge, die bisher an anderen Standorten produziert werden, zur Sicherung der geplanten Mengen nach Amberg verlagern. Ergänzend dazu sei ein umfangreicher Know-how-Transfer in Vorbereitung, um die LH wettbewerbsfähiger zu machen. Der Betriebsübergang sei zum 1. Januar geplant, wird Ampferl zitiert. Der Gläubigerausschuss habe dem Kaufvertrag bereits zugestimmt. Über die Höhe des Kaufpreises sei Stillschweigen vereinbart worden.

Der Insolvenzverwalter lobte nach dem Zustandekommen der Übernahme ausdrücklich die Haltung und Einstellung der LH-Beschäftigten: "Die Belegschaft hat einen beträchtlichen Anteil an der erfolgreichen Sanierung." (Ogepar-Gruppe)

Ogepar-GruppeDie Ogepar-Gruppe wurde 1980 aus der Taufe gehoben. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Unternehmen unter das Dach der Holding, die ihren Hauptsitz in Luxemburg hat. Deren Hauptproduktionsstätten liegen in Belgien, voran die Anglo Belgian Corporation (ABC) in Gent. Diese Firma liefert mittelschnelllaufende Diesel-, Schweröl- und Dual-Fuel-Motoren- und Stromaggregate in über 100 Länder. ABC hat sich zum Ziel gesetzt, weiterhin effizientere und leistungsstärkere Motoren mit niedrigerem Kraftstoffverbrauch sowie bedeutend weniger Schadstoffemissionen zu entwickeln.

Zu Ogepar zählen auch Gießereien in Frankreich. Unter dem Namen Focast gibt es eine Niederlassung nahe Paris und eine weitere bei Chateaubriant. Dort werden Gehäuse für Motoren, Getriebe und Kompressoren hergestellt. Seit 1999 findet sich die Kompressorenbau Bannewitz GmbH (KBB) - neun Kilometer südlich von Dresden - im Besitz der Holding. Das Werk in Sachsen baut Abgasturbolader für Schiffs- und Lokomotivmotoren sowie Generatoranlagen. (ben)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.