Ministerpräsidenten im Siemens-Werk Amberg
Seehofer fährt auf die digitale Schiene ab

Bild: Steinbacher
 
Bild: Steinbacher

Jede Sekunde ein Produkt, eine Fehlerquote von weniger als 0,01 Prozent. Maschinen, die von ihren Produkten erfahren, was sie herstellen sollen. Diese Fabrik der Zukunft macht neugierig. Nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Horst Seehofer.

Wenn der Nachbar zu Besuch kommt, dann zeigt man sein Zuhause von der besten Seite. Die leichteste Übung also für Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), den tschechischen Regierungschef Bohuslav Sobotka nach Amberg einzuladen. Denn dort steht das Vorzeigewerk von Siemens. Dort kann der Christsoziale Seehofer dem Sozialdemokraten Sobotka zeigen, wie moderne Industrieproduktion funktioniert – Amberg ist auf diesem Gebiet heute schon in der Zukunft angekommen

Als Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser am Mittwochabend den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und den Gast aus Prag durch das Elektronik-Werk (EWA) führte, nahmen sie fast die gleiche Route, auf der vor einem Jahr Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) marschierte. Danach waren beide sichtlich beeindruckt. "Das Werk ist ein Ort, an dem die Zukunft entsteht", erklärte Sobota. Gerade Bayern sei ein Land, das die Digitalisierung vorantreibe. Davon möchte auch sein Land profitieren. Er wünschte sich von Kaeser, dass Siemens auch in seinem Land Werke digitalisiere. Das Engagement des deutschen Konzerns im Nachbarland nütze auch Bayern, erklärte Horst Seehofer. Er bezeichnete das EWA als "Flaggschiff Siemens' in Bayern". "Hier wird Weltstandard produziert." Am meisten beeindruckte ihn offenbar die geringe Fehlerquote des Werkes: "Die Politik macht etwas mehr Fehler als hier passieren", erklärte er grinsend vor Journalisten bei einer Pressekonferenz inmitten der Automaten. Die Digitalisierung ist nicht nur in den Augen Seehofers die Zukunft. Industrie, Medizin und Bildung würden auf IT-gestützte Systeme umgestellt. Industrie 4.0 sei für Mittelstand, Handwerk und Handel ebenfalls wichtig. Seehofer selbst ist übrigens "total digital", zumindest was seine Modellbahn angeht. Dort programmiere er die digtitalen Steuerungen sogar eigenhändig, verriet er.

Siemens-Chef Kaeser lobte die seit 125 Jahren sehr engen, freundschaftlichen Beziehungen zu Tschechien und die Aufgeschlossenheit Bayerns gegenüber moderner Technik. "Das Land Bayern ist führend", betonte Kaeser. Lob auch für die Siemens-Mitarbeiter: "Unser Unternehmen wird von euch, den Mitarbeitern, getragen."

Seit 1989 produziert Siemens in Amberg speicherprogrammierbare Steuerungen vom Typ Simatic. Mit ihnen lassen sich Maschinen und Anlagen automatisieren. Unternehmen sparen dadurch Zeit und Kosten und können gleichzeitig die Produktqualität erhöhen. Simatic-Teile sind nach Konzernangaben in Bordsystemen von Kreuzfahrtschiffen ebenso zu finden wie in Skiliften oder in industriellen Fertigungsprozessen, zum Beispiel in der Automobilindustrie.

Industrie 4.0Industrie 4.0 – das ist die vierte industrielle Revolution nach der Dampfmaschine, der Einführung der Massenfertigung am Fließband und der digitalen Revolution mit dem Einsatz von Informationstechnologie. Der Begriff entstand als Zukunftsprojekt der Bundesregierung, die die Digitalisierung der Fertigungstechnik vorantreiben will. Laut Forschungsministerium soll Industrie 4.0 die deutsche Industrie zukunftssicher machen. Ziel ist eine starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten (Großserien-) Produktion, die weitgehende Integration von Kunden und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse.


Siemens in AmbergSiemens betreibt in Amberg einen seiner größten Standorte in Bayern. Der Münchener Großkonzern beschäftigt an der Vils nach eigenen Angaben mehr als 5000 Mitarbeiter, 1200 davon im Elektronikwerk, den Rest im Gerätewerk auf dem selben Gelände. Gegründet wurde der Amberger Standort, im Jahr 1948. Mehrfach bekam er Auszeichnungen wie „Fabrik des Jahres“ und „Beste Fabrik Europas“.
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