Nach zwölf Jahren Leerstand
"Neue Münze" wird neues Forum

So soll es aussehen, das Forum der Zukunft. Den Stuttgarter Architekten aus dem Büro Wittfoht war es wichtig, eine moderne Fassade zu entwerfen, die sich nahtlos in die denkmalgeschützte Nachbarschaft (rechts) einfügt. Bild: Wittfoht Architekten Stuttgart

Auf diesen Tag hat Amberg seit zehn Jahren gewartet. Am Donnerstag präsentierten Vertreter der Stadt eine fast fertige Planung für die künftige Gestaltung und Nutzung des ehemaligen Kaufhauses Forum. Auf sechs Etagen soll wieder Leben in den prominentesten Leerstand einziehen. Der Zeitplan ist ehrgeizig.

Lange war es ruhig um das Vorhaben geworden, zusammen mit der Gewerbebau und Eigentümer Manfred Reichholf ein Konzept entwickeln zu wollen. OB Michael Cerny war die Erleichterung sichtlich anzumerken, fast zwölf Jahre nach der Forum-Insolvenz und zehn Jahre nach der Versteigerung Ergebnisse präsentieren zu können. Noch heuer (spätestens aber im ersten Quartal 2017) soll an der Bahnhofstraße mit dem Teilabriss begonnen werden; beendet sein soll das Großvorhaben, dessen Kosten Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik auf über 20 Millionen Euro schätzt, im ersten Halbjahr 2019.

Baureferent Markus Kühne ist davon überzeugt, dass es jetzt relativ schnell geht. Der Bauantrag soll im zweiten Quartal 2016 gestellt werden, die Genehmigung noch vor Herbst vorliegen. Dann könnte begonnen werden, das umzusetzen, was die Architekten vom Büro Wittfoht (Stuttgart) in ein Modell gegossen haben: Tiefgaragen-Parkplätze im Untergeschoss, Handel im Parterre, darüber Läden und Dienstleister, in der 2. Etage weitere Büroflächen, bevor im 3. und 4. Stockwerk Wohnungen folgen. Hinzu kommt ein neuer und überdachter Innenhof, der von weiteren Läden flankiert und mit einer gastronomischen Nutzung aufgewertet wird. Vorgesehen sind laut Brandelik 4200 Quadratmeter für Einzelhändler, 1800 für Dienstleister und 1200 für Wohnen der exklusiven Art.

Bauamt als Mieter möglich


Noch ist laut Gewerbebau-Chef nicht klar, welche Mieter in die Immobilie ziehen werden, die den Arbeitstitel "Neue Münze" trägt, aber: "Ab dem heutigen Tag sind wir in der Lage, die Akquise voranzutreiben." Abgesehen von einer möglichen Ausnahme im 2. Obergeschoss, wie OB Cerny wissen ließ: "Wenn wir keinen anderen Dienstleister unterzubringen haben, wäre die Stadt bereit, selbst diese Lücke zu füllen." Mit anderen Worten: Das an seine räumlichen Grenzen gestoßene Baureferat würde einziehen. Damit könnte das Areal zwischen dem bisherigen Domizil in der Steinhofgasse und der Neustift ebenfalls überplant werden. Doch das sei noch Zukunftsmusik.

Cerny, Brandelik und Kühne war gleichermaßen der Hinweis wichtig, nach Jahren des Wartens ein entscheidendes Signal geben zu können. "Wenn wir es jetzt noch schaffen, Frequenzbringer anzusiedeln, haben wir viel erreicht", machte der OB Hoffnung, während Brandelik von einer einmaligen Chance sprach, die es nun zu nutzen gelte. Dabei wolle die Gewerbebau nichts dem Zufall überlassen. Sprich: Spekulanten bleiben außen vor, Kommando und Verantwortung liegen in Amberger Händen. Der Gewerbebau-Chef wörtlich: "An allererster Stelle stehen die Ziele der Stadtentwicklung und nicht Investoren- oder Rendite-Gedanken."

Fokus auf Neuansiedlungen


So sei es auch gewollt, nicht innerhalb der Innenstadt eine Umzugswelle in Richtung "Neue Münze" in Gang zu bringen, sondern auf Neuansiedlungen zu setzen - um die Attraktivität der Altstadt wieder zu steigern. Brandelik: "Wir wollen keinen Verschiebebahnhof." Ob die Stadt oder ihre Tochtergesellschaft das Anwesen gekauft hat, blieb zunächst offen. Cerny sagte nur so viel: "Am Ende der Entwicklung sollte alles in einer Hand sein. Und das sollte die Gewerbebau sein."
2 Kommentare
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Christian Schöls aus Amberg in der Oberpfalz | 04.02.2016 | 19:20  
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Markus Ritter aus Amberg in der Oberpfalz | 05.02.2016 | 08:35  
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