Nachfrage nach E-Autos steigt langsam
Prämie macht neugierig

Die Anzeigetafel eines E-Autos. Es kann mit dieser Akku-Ladung noch 143 Kilometer zurücklegen. Und in 90 Minuten wäre das E-Mobil wieder vollständig aufgeladen. Der ECO-Modus reduziert die Leistung von Motor und Klimaanlage zugunsten der Reichweite. Bild: Steinbacher
 
"Bei den neuen Dienstwagen werden wir weiter mit E-Autos aufrüsten, weil wir das für sehr zukunftsträchtig halten." Zitat: Günter Koller, Caritas Amberg
 
Manfred Lehner 2009 in seinem CityEL. Archivbild: Unger

"Der große Run? Nein, der ist nicht gekommen, das muss man ehrlicherweise sagen." Für Katharina List, Klimaschutzkoordinatorin des Landkreises, hat die Kaufprämie für E-Autos nicht zu mehr Anfragen von Interessenten geführt. Ein Silberstreif am Horizont könnte sie dennoch sein.

Für Horst Hoffmann, den Geschäftsführer von Fischer Automobile in Amberg, bringt dieser Staats-Zuschuss das Interesse an E-Autos oder Hybridfahrzeugen jetzt auf ein ernsthaftes und ansprechendes Niveau. Man weise auch vonseiten des Autohauses auf die neue Prämie hin und ernte dabei meist positive Resonanz. "Das hat das bereits existierende Interesse auf jeden Fall nachhaltig gestärkt. Was dann an Verkaufszahlen rauskommt, muss man aber erst noch sehen."

Eine unmittelbar steigende Nachfrage schreibt Michael Hofmann (Autohaus Bücherl) der Kaufprämie zu: "Am Montag waren gleich vier oder fünf Kunden da, die sich informiert haben." Dass sie aber "gleich der große Reißer" wird, glaubt er nicht. Dafür sei noch zu viel unausgegoren. So kämen zum Beispiel bisher Kommunen nicht in den Genuss der Förderung. Beim Nissan Leaf, dem weltweit meistverkauften Elektrofahrzeug, habe man zwar auch in der Region einen guten Absatz, aber im vergleich mit Verbrennungsmotoren sei er bisher letztlich doch schleppend.

Gleich zwölf E-Autos


Ein Großabnehmer für den Nissan Leaf waren die (Caritas-)Sozialstationen. Die vier in der Region haben in ihrem rund 80 Wagen zählenden Fuhrpark 12 E-Autos. Der Amberger Caritas-Geschäftsführer Günter Koller hat auf die Ökumenische Sozialstation in Sulzbach-Rosenberg nach dem Bezug der E-Autos sogar PV-Anlagen bauen lassen. "Und einen Speicher haben wir auch, damit wir die Autos nachts hinhängen können." 100 Kilometer lege man unter diesen Voraussetzungen für vier Euro zurück, sagt Koller.

Er lobt die E-Autos als sehr pflegeleicht, "die brauchen fast keine Wartung". Auch mit der Reichweite habe man nie schlechte Erfahrungen gemacht, wobei man sie nicht für die langen Touren einsetze. "Da nehmen wir die Benziner." Sollten die Akkus der E-Mobile noch leistungsstärker werden, sagt Koller ihnen eine weite Verbreitung voraus. Die Caritas jedenfalls wolle bei der Ersatzbeschaffung von Dienstwagen im E-Bereich weiter aufrüsten - aus ökologischen Gründen und "weil wir das für sehr zukunftsträchtig halten". Dabei werde man nach Möglichkeit auch die Kaufprämie nutzen. Für ein Elektrofahrzeug, das der Caritas-Verband Aachen speziell auf die Nutzung durch ambulante Pflegedienste zugeschnitten entwickeln lässt, haben die vier Sozialstationen bereits ernsthaftes Interesse signalisiert.

ZEN informiert neutral


Aber was macht nun der Privatmann, der neutral über die verschiedenen E-Auto-Modelle informiert werden möchte? Es gibt ja einige davon. Das Branchenmagazin "Auto, Motor und Sport" zählt bei den in Deutschland verfügbaren Modellen 17 Stück auf. Die dürften auch alle in der Übersicht vorhanden sein, die das Zentrum für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) in Ensdorf "in mühevoller Kleinrecherche" zusammengestellt hat, wie Katharina List erzählt. Die Liste wird ab September, wenn die neue Homepage des ZEN in Betrieb geht, für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Wer sie vorher möchte, kann sie auf Nachfrage zugeschickt bekommen, sagt die Klimaschutzkoordinatorin.

Sie bietet zudem an, Probefahrten mit den beiden E-Dienstwagen des ZEN (ein Nissan Leaf und ein Mitsubishi i-MiEV) zu unternehmen. "Man muss nur einen Termin mit uns ausmachen, wir fahren dann gerne mit und erklären alles." Eine größere Palette an Modellen stehe den Interessenten beim Tag der Elektromobilität am 10. September zur Verfügung. Eine vollständige Liste der E-Tankstellen im Landkreis gebe es noch nicht, das ZEN arbeite aber gerade daran. Überregionale Verzeichnisse existierten mehrere, aber keines sei lückenlos.

Bis die eigene Liste der E-Autos öffentlich zugänglich ist, empfiehlt das ZEN die Übersicht unter folgendem Link:
http://www.greenfinder.de/e-autos/modelle/

Die (für den Landkreis nicht vollständigen) gängigen Verzeichnisse von E-Tankstellen sind laut Katharina List:
https://de.chargemap.com/
https://e-tankstellen-finder.com/at/de/elektrotank...
https://www.goingelectric.de/stromtankstellen/
http://www.lemnet.org/de

Weitere Informationen zum Tag der Elektromobilität finden sich unter:
http://www.zen-ensdorf.de/projekte/tag-der-e-mobil...





Bei den neuen Dienstwagen werden wir weiter mit E-Autos aufrüsten, weil wir das für sehr zukunftsträchtig halten.Günter Koller, Caritas Amberg


Die Öko-Bilanz

Warum heißt es eigentlich immer, so richtig sinnvoll sei ein Elektroauto nur, wenn man es mit Strom von einer Photovoltaik-Anlage auflädt?


Diese Frage kommt Hans-Jürgen Frey, dem Vorsitzenden des Solarenergiefördervereins Amberg, gerade recht. Diese Aussage kennzeichne ja nur die optimale Variante des umweltfreundlichen Fahrens, sagt er. Aber selbst das Laden mit dem schlechtesten herkömmlichen Strom, der bei der Herstellung 500 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilowattstunde produziere, sei umweltfreundlicher als die Fahrt mit einem Benziner, auch wenn man oft das Gegenteil höre. "Ich habe mir das im Vergleich von Golf und VW e-Up ausgerechnet."

Der Hauptgrund für diese eindeutige Öko-Bilanz ist laut Frey, dass der Benziner erst nach der Warmlaufphase optimale Abgaswerte erreiche, also erst wenn die Betriebstemperatur bei etwa 60 Grad liege. "Da fahre ich aber 10 bis 15 Kilometer, und bis dahin ist der Benziner eine Dreckschleuder. Im Winter ist das besonders schlimm." Diese Warmlaufphase falle beim E-Auto komplett weg. Deshalb hole es gerade im innerstädtischen Verkehr, für den es prädestiniert sei, einen großen Vorsprung vor dem Verbrennungsmotor heraus: "Wenn ich mit dem Benziner die paar Kilometer zum Real fahre, reicht das dem noch nicht mal, um warm zu werden."

Ein großer Vorteil der PV-Anlage als Ladestelle ist in Freys Augen, dass diese Direkteinspeisung das Stromnetz entlastet. Und weil gerade im ländlichen Bereich die PV-Anlagen und die Notwendigkeit eines Zweitwagens gehäuft auftreten, ist das für ihn die ideale Kombination: Mit dem E-Auto den Nachwuchs zum Kindergarten bringen oder zum Einkaufen fahren und es danach wieder an die Ladestation hängen, die Energie von Dach liefert.

Diese Eigenstrom-Nutzung sei dann gleich ein geldwerter Vorteil, weil es mit dem neuen EEG ökonomisch sinnvoll sei, möglichst viel PV-Strom selbst zu nutzen. Für jede Kilowattstunde, die man an die Energieversorger verkaufe, bekomme man nämlich nur noch 12 Cent. Der Bezug koste aber im Durchschnitt um die 27 Cent. "Also spare ich 15 Cent pro eigenverbrauchter Kilowattstunde." Deshalb rentierten sich PV-Anlagen auch unter den Vorgaben des neuen EEG noch."

Vom Fahren her hat sich Hans-Jürgen Frey ausgerechnet, dass ihn die Kilowattstunde Strom 10 Cent kostet. "Dann fahre ich mit einem Euro 100 Kilometer." (ll)


Der Kopf spielt noch nicht mit - Angemerkt von Markus MüllerGünter Koller erzählt gerne die Geschichte, wie er seinen Mitarbeitern in der Ökumenischen Sozialstation in Sulzbach-Rosenberg verkündete, dass man jetzt E-Autos als Dienstwagen für die Fahrten zu den Patienten anschaffe. Mit der Reaktion hatte er nicht gerechnet: kompromissloser und aufgeregter Widerstand. "Mit so etwas fahren wir nicht. Kommt gar nicht in Frage."

Der Caritas-Geschäftsführer, wahrlich nicht auf den Mund gefallen, drang zunächst mit seinem Anliegen überhaupt nicht durch. Bis sich herausstellte, dass die Protestierer vom E-Auto ein anderes Bild im Kopf hatten als ihr Chef: Sie dachten dabei nur an den einsitzigen CityEL mit drei Rädern, mit dem VHS-Leiter Manfred Lehner oft durch die Stadt fuhr.

Auf einer anderen Ebene dürfte es genauso eine Änderung der Bilder in den Köpfen brauchen, um E-Autos auf deutschen Straßen (selbst unter den Vorzeichen der Kaufprämie) zu einem Massenphänomen zu machen: dass sie keine überteuerten und unbequemen Vehikel sind, in denen man ständig Angst haben muss, mitten in der Prärie stehenzubleiben, sondern dass man mit ihnen durchaus Fahrspaß erleben kann. Vielleicht weniger über den Rausch der Geschwindigkeit, dafür mehr über die Ruhe im Innenraum oder die unmittelbare Reaktion beim Tritt aufs Gaspedal. Aber es wird mehr als ein klärendes Gespräch brauchen, um das in die Köpfe der deutschen Autofahrer zu bringen.



Nachgefragt

Hybride derzeit noch der Favorit


In Amberg sind aktuell 29 reine E-Fahrzeuge und 98 Hybridfahrzeuge (mit ergänzendem Verbrennungsmotor) zugelassen. Das ergab eine Nachfrage bei der Stadt. Der Landkreis Amberg-Sulzbach verzeichnet 150 Hybridfahrzeuge und 76 E-Autos. Ende 2014 waren es erst 44 reine E-Autos. (ll)
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