OTH Amberg-Weiden auf dem Weg zum Weiterbildungsinstitut
Offen nicht nur für Abiturienten

Auch das Literaturstudium in der Hochschulbibliothek hilft manchmal bei dem Projekt "OTH mind" weiter. Susanne Herdegen und Bernhard Gschrey arbeiten in Weiden an diesem Projekt. Bild: sbü

Die Zeiten sind vorbei, in denen Hochschulen ausschließlich für die akademische Ausbildung von Abiturienten offen waren. Das Bildungssystem ist längst so durchlässig, dass man auch mit anderen Abschlüssen, zum Beispiel mit dem Meisterbrief, studieren kann. Die OTH Amberg-Weiden will sich jetzt noch weiter öffnen.

Amberg/Weiden. Wissenschaftler haben oftmals die lobenswerte Eigenschaft, lieber später als zu früh an die Öffentlichkeit zu treten. Auch an der Hochschule Amberg-Weiden ist es schon vorgekommen, dass über ein Projekt erst dann gesprochen wurde, als ein Ergebnis präsentiert werden konnte. Der Hybrid-OP im Bereich der Medizintechnik war ein solches Beispiel.

Vor einiger Zeit hat an der OTH Amberg-Weiden und Regensburg allerdings ein gemeinschaftliches Großprojekt begonnen, mit dem die Hochschule massiv an die Öffentlichkeit geht. Es trägt den Namen "OTH mind". Sein Ziel ist, die OTH Amberg-Weiden und die OTH Regensburg für neue Studierende zu erschließen und so einen weiteren Schritt zur "offenen Hochschule" zu gehen. Vier Personengruppen stehen dabei im Fokus: Akademiker, die sich weiterbilden wollen, Studienabbrecher, qualifizierte Beschäftigte, die sich für ein Studium interessieren könnten und Erwerbsunterbrecher. Dabei geht es auch um die Durchlässigkeit der Bildungssysteme.

Umfrage bei Betrieben


Weil die Ziele von "OTH mind" sehr anspruchsvoll sind, ist auch die Projektorganisation entsprechend groß. So arbeiten allein in Weiden sechs wissenschaftliche Mitarbeiter an dem Vorhaben. In Regensburg sind vier Mitarbeiter und eine Projektreferentin mit dem Thema befasst. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei der Politikwissenschaftlerin und Soziologin Professor Clarissa Rudolph. Der Startschuss für die Arbeiten fiel bereits am 1. August 2014. Abschlusstermin für das gemeinsame Projekt der beiden Hochschulen ist der 31. Januar 2018.

"Wir wollen ein Konzept erstellen, das vor allem die Idee einer offenen Hochschule umsetzen will", sagt Projektleiter Marco Häusler. Ganz am Ende der Arbeiten soll dann ein hochschuleigenes Weiterbildungsinstitut stehen. Sehr wichtig ist für Häusler auch der Satz "Regensburg und Amberg-Weiden arbeiten gemeinschaftlich im Verbund". Der erste Schritt sei eine Bedarfsanalyse gewesen. Behörden, Verbände und Unternehmen wurden eingebunden und befragt. 10 000 Betriebe, vor allem Klein- und Mittelbetriebe und rund 3500 Beschäftigte wurden angeschrieben. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit der IHK und den Arbeitsagenturen. "Jetzt geht es an die Analyse der Befragungen", erklärt Häusler. Susanne Herdegen und Bernhard Gschrey sind in Weiden Mitarbeiter im Projektteam. Beide erläutern die weiteren Details des Konzepts: Derzeit liege der Schwerpunkt der Arbeiten auf ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studienfächern. Auch sollen neue Lernformen wie "Blended-Learning" oder "E-Learning" entwickelt werden. Die Angebote sollen modularen Charakter bekommen. Und Querschnittsthemen wie Beratung und Betreuungstrukturen, Gender Mainstreaming und Diversity Management gehören zum Projekt dazu. Eine sogenannte Kohortenuntersuchung soll Aufschluss über den weiteren beruflichen Weg der Studienabbrecher ermöglichen.

Mathematik ist gefragt


Insgesamt steht in der jetzigen Projektphase eine zentrale Frage im Mittelpunkt: "Welche Weiterbildungsinhalte brauchen beruflich qualifizierte Arbeitnehmer?" Eine Antwort darauf geben Herdegen und Gschrey bereits jetzt. Sie heißt: Mathematik. OTH-Präsidentin Andrea Klug sieht das große Ganze: Mit dem Projekt werde ein Beitrag geleistet, "die Oberpfalz im Zuge des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels wettbewerbsfähig zu halten".
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