Post-Streik hält weiterhin an
Stimmung ungebrochen

"Streik-Stammtisch" der Postbediensteten: Rund 150 in den Ausstand getretene Frauen und Männer waren gekommen. Bild: Steinbacher

Sie sprechen schon von einem "Stammtisch" und wollen sich wöchentlich treffen. Das lässt als Kunde im anhaltenden Post-Streik nichts Gutes erahnen. Die in den Ausstand getretenen Beschäftigten sind derweil bester Dinge.

Vor fast vier Wochen haben sie mit ihrem unbefristeten Ausstand begonnen. Das ist rekordverdächtig, und die Arbeitskampf-Lust scheint ungebrochen. Rund 150 Frauen und Männer zeigten am Dienstagvormittag im Vereinsheim des Inter Bergsteig keinerlei Ermüdungserscheinungen. Verdi hatte dorthin zu einem "Streik-Stammtisch" eingeladen. Nicht nur, um nötige Formalitäten zur Auszahlung des Streikgeldes zu erledigen, sondern auch um eine Zwischenbilanz des Arbeitskampfes zu ziehen.

Siegfried Failner, Betriebsratsvorsitzender im Dienstbezirk Bayreuth und Verdi-Betriebsgruppen-Vorsitzender, sieht einen ersten Erfolg. "Am Freitag und Samstag wird wieder verhandelt." Nach Wochen der Sprachlosigkeit in diesem Tarifkonflikt mag das durchaus ein minimaler Etappensieg sein. Der Gewerkschafter zielt aber auf etwas anderes ab: Angesichts der Geschlossenheit und Beharrlichkeit der in den Ausstand Getretenen gehe Verdi "gestärkt" in die neuen Gespräche mit der Arbeitgeberseite. Dafür gibt es lautstarken Szenenapplaus.

Keine Ausreißer

Failner zieht als Verdi-Funktionär und Betriebsratsvorsitzender eine durchweg positive Zwischenbilanz. Immer mehr Dienststellen des Bayreuther Bezirks seien einbezogen und alle Unternehmensbereiche. Das bedeute, dass sich die Verteilerzentren ebenso im Ausstand befänden wie die Zusteller der Brief- und Paket-Post. Als jüngsten Zuwachs der Streikfront in der Region begrüßte der Gewerkschafter unter dem Beifall der Versammlung am Dienstag Dienststellen in Dietfurt bei Neumarkt und Sulzbach-Rosenberg.

Der Verdi-Mann appellierte an seine Kollegen, sich durch von der Unternehmensführung versandte Anschreiben nicht verunsichern zu lassen. So mache derzeit (falls zugestellt) ein zweiter Brief die Runde, der darauf verweise, dass die Streikenden bei einem Ausstand von mehr als einem Monat Teile ihrer Ansprüche auf das Weihnachtsgeld riskieren würden und sich Lohneinbußen auf die künftigen Rentenbezüge negativ auswirken könnten. "Lasst euch davon nicht verunsichern", wandte sich Failner an die Runde.

Nicht nur mit der Konzernführung, auch mit dem Freistaat ging der Gewerkschafter ins Gericht. Nach Verdi-Schätzungen hat die einmalige Sonntags-Zustellung wohl bis zu zehn Millionen Euro gekostet. Das Gewerbeamt Regensburg habe auf Nachfrage bestätigt, dass diese Sonntagsarbeit weder beantragt noch genehmigt worden sei. Das für eine möglich Sanktionierung zuständige Ministerium habe aber eine entsprechende Beschwerde zurückgewiesen. Andere Bundesländer sähen das völlig anders, weshalb Verdi jetzt eine Petition initiiere. Failner ist sich angesichts der bevorstehenden neuen Gespräche sicher: "Wir sind inzwischen auf der Zielgeraden angelangt. Aber es dauert noch ein paar Tage."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.