Professor Franz Seitz ist Experte für den Zahlungsverkehr
Plädoyer für das Bargeld

Professor Franz Seitz. Bild: Hartl

Amberg/Weiden. EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hat das Ende von Bargeldzahlungen angekündigt. "Bargeld stirbt aus, wir werden mit der Apple-Watch oder dem Smartphone bezahlen", sagte er auf einer Veranstaltung in Stuttgart. OTH-Professor Franz Seitz befasst sich seit 20 Jahren wissenschaftlich mit dem Thema barer und unbarer Zahlungsverkehr.

Warum diskutieren wir eigentlich überhaupt so viel über die Abschaffung des Bargeldes?

Professor Franz Seitz: Wenn ständig in fast allen Lebensbereichen von einer zunehmenden Digitalisierung gesprochen wird, dann bleibt auch der Zahlungsverkehr von dieser Diskussion nicht ausgenommen. Offensichtlich ist aber auch, dass Banken und die Kartenunternehmen ein eigenes Interesse an dieser Diskussion haben. Neu ist, dass das Thema durch die drohenden Negativzinsen zusätzlich aufgerührt wurde.

Gibt es aus Ihrer Sicht ernst zu nehmende Argumente für die Abschaffung des Bargeldes?

Nein. Alle Gründe die gebetsmühlenhaft angeführt werden, sind leicht zu widerlegen. Nehmen Sie doch einmal das Beispiel Schattenwirtschaft. Die meisten illegalen Geldtransfers sind unbar. Man müsste schon weltweit das Bargeld abschaffen, aber das ist nicht realistisch. Zudem ist der Großteil der Bartransaktionen legaler Natur und kriminelle Aktivitäten lassen sich nicht durch eine Bargeldabschaffung eliminieren. Auch, dass bargeldlos bezahlen an der Kasse schneller sei, ist im Regelfall nicht richtig. Denken Sie doch nur an die Kasse im Supermarkt.

Kann man dennoch von einem schleichenden Trend zum digitalen Bargeldverkehr sprechen?

Auch hier sage ich eindeutig Nein. Ich sehe keinen Trend zur bargeldlosen Gesellschaft. Alle verfügbaren Daten zeigen: Die Geldmenge insgesamt geht in Europa nach oben. Das Bargeld hat dabei sogar die höchsten Wachstumsraten. Allenfalls im Einzelhandel geht der Barzahlungsanteil langsam zurück. Es gibt einen ganz einfachen Grund gegen Bargeldabschaffung: die Menschen wollen das nicht. Schon wenn das Wort Obergrenze fällt, kommt es zum Aufschrei. Kinder lernen zum Beispiel den Umgang mit Geld über Bargeld. Die Menschen brauchen etwas zum Anfassen.

Was wären aus Ihrer Sicht die gravierendsten Nachteile der Bargeldabschaffung?

Jeder Deutsche kommt im Durchschnitt auf gut 400 Bartransaktionen im Jahr. Müsste alles elektronisch erledigt werden, droht der gläserne Bürger. Bargeld ist einfach, bequem und schnell. Die Zahlung ist definitiv, anonym und kann nicht rückgängig gemacht werden. Ein elektronisches Zahlungsmittel, das alle diese Eigenschaften besitzt, gibt es derzeit nicht und wäre ein Traum für Kriminelle und Terroristen.
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