Regierungspräsident besucht Preh-IMA
Globalisierung made in Amberg

Regierungspräsident Axel Bartelt (Dritter von links) besuchte die Firma Preh-IMA im Industriegebiet Nord. Sie sei ein positives Beispiel dafür, wie sich ein bayerisches Unternehmen der Globalisierung stellt. Bild: Steinbacher

Tack, tack, tack: Die Maschine steckte im Eiltempo hauchdünne Borsten in einen Zahnbürstenkopf. Bei 500 Taktungen pro Minute wurde den Zuschauern fast schwindlig. Konsumgüter sind nur ein Industriezweig, den Preh-IMA (PIA) bedient. Die Wandlung vom Kleinbetrieb in ein weltweit agierendes Unternehmen faszinierte Axel Bartelt.

Der Regierungspräsident war am Mittwoch zu Gast in Amberg. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Cerny, Vertretern der Gewerbebau und der Stadtverwaltung ließ er sich von Preh-IMA-Geschäftsführer Frank Gollwitzer und Montage-Leiter Alexander Pösl durch den Betrieb im Industriegebiet Nord führen. Mit der Übernahme durch den Automobilzulieferer Preh im Jahr 2014, der wiederum ein Tochterunternehmen der Joyson-Gruppe aus China ist, entwickelte sich die einstige IMA zum Zulieferer des "Who is who" der deutschen Industrie. "Wenn das Geschäft so weitergeht, werden wir die Produktionsflächen verdoppeln", blickte Gollwitzer in die Zukunft des derzeit 306 Mitarbeiter starken Unternehmens. Erst im Mai diesen Jahres wurde eine Niederlassung in Evansville (USA) eröffnet, daneben gibt es Standorte in Ningbo (China) und Bad Neustadt an der Saale (Hauptsitz). 2012 wurden 20 Millionen Euro Umsatz gemacht. "2016 sind es 51 Millionen Euro", informierte der Geschäftsführer.

Die "übergestülpte" Globalisierung binnen kürzester Zeit sei eine große Herausforderung für die Kollegen gewesen. Die Joyson-Gruppe habe sich indirekt das Know-how aus 40 Jahren Maschinenbau gekauft, betonte der Geschäftsführer und lobte die Mitarbeiter: "Sie sind unser Kapital." Regierungspräsident Bartelt fand die Geschichte von der Manufaktur, die aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde, "faszinierend". "Gibt es etwas, was wir an den Rahmenbedingungen ändern müssten?", wollte Bartelt von Frank Gollwitzer wissen. "Nö", antwortete dieser in Oberpfälzer Bescheidenheit, "da sind wir zufrieden". Wichtig sei, dass es genügend Fachkräfte gebe. Denn mit der Verdoppelung würden auch ein bis zwei Drittel mehr Arbeitsplätze entstehen.

OB Cerny besuchte mit Bartelt am Nachmittag die Prechtl-Ausstellung und das Luftmuseum. Zwischen 2012 und 2014 seien 64,7 Millionen Euro Fördergelder nach Amberg geflossen, informierte der Regierungspräsident.

Es ist faszinierend. Diese Firma ist der Prototyp eines bayerischen Unternehmens, das sich der Globalisierung stellen muss.Regierungspräsident Axel Bartelt über Preh-IMA

Amberg vorbildlich in Flüchtlingsarbeit


Beim Besuch von Regierungspräsident Axel Bartelt am Mittwoch lobte dieser auch die Arbeit der Stadtverwaltung: "Danke für die schwierige Zeit. Der Zustrom der Asylbewerber wurde hier vorbildlich behandelt. Ohne diese Unterstützung hätten wir das nicht geschafft", sagte Bartelt beim Pressegespräch im Amberger Kongresszentrum.

"Das Thema hat uns unendlich viel Kraft gekostet", gab der Regierungspräsident zu. Jetzt müssten neben der Arbeit an der Integration wieder Zukunftsthemen in den Mittelpunkt rücken. Eines davon sei das Digitale Gründerzentrum, ein Förderprogramm der Staatsregierung, das die Vernetzung und Existenzgründung in der Region Weiden, Amberg und Regensburg zum Ziel hat.

Die Stille der Motoren - Angemerkt von Andrea MußemannWas macht einen Global Player aus? Internationalität, Innovation, Selbstständigkeit. Was macht einen Oberpfälzer aus? Sie gelten als bodenständig, wortkarg und bescheiden.

Kann also ein Oberpfälzer ein Global Player sein? Wie viel Regionalität verträgt Internationalität? Wie viel Bescheidenheit steht einem Marktführer? Wie viel Wortkargheit macht sich in einem Verhandlungsgespräch mit Partnern aus aller Welt gut?

Es gibt sicher einfachere Dinge für einen Oberpfälzer, als ein Global Player zu sein. Aber es gibt zig Beispiele aus der Amberger Wirtschaft, die die Globalisierung beispielhaft praktizieren - und wenig Worte darüber verlieren. Amberg sei das Zentrum der Region in Bezug auf Industrie 4.0, meinte OB Michael Cerny, selbst Informatiker, beim Besuch von Regierungspräsident Axel Bartelt. "Amberg gehört zu den wirtschaftlichen Motoren der Oberpfalz", setzte Bartelt noch eins drauf.

Vielleicht müsste man einfach marktschreierischer sein, meinte Cerny. Marktschreier? Man stelle sich vor, Amberger würden sich auf einen Marktplatz stellen und lauthals ihre Vorzüge anpreisen. Schon allein das wäre undenkbar. Dabei gäbe es Themen genug: Sie reichen von Technik, Automation, Produktion bis hin zu Bildung, Breitband oder Forschung. Es ist ein gutes Gefühl, dass aus Amberger Betrieben weltweit agiert wird. Das schafften die Mitarbeiter sicher nicht durch marktschreierische Tätigkeiten, sondern durch Qualität, Verlässlichkeit und vielleicht auch einer Spur Bodenständigkeit. Es ist gut, so wie es ist.
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