Stadt Amberg fehlt ein Konzept für das Schmalzstadl
Ein schwieriges Kind

"Dieser Kasten und Keller ist gebaut worden anno 1526" lautet die Inschrift am Gebäude: Jetzt gehört der historische Komplex der Stadt Amberg. Über die künftige Nutzung darf spekuliert werden. Bild: Hartl

In den vergangenen Jahren hat er höchstens durch herabfallende Dachziegel auf sich aufmerksam gemacht. Der Schmalzstadl, erbaut 1526 am höchsten Punkt innerhalb der Stadtmauern, gehört nach einigen Eigentümerwechseln jetzt der Stadt Amberg. Aber er ist ein schwieriges Kind. Es fehlt ein Konzept.

Kaum hatte die Stadt das fast 500 Jahre alte Gebäude erworben, tat sich was in der Neustift - aber nur das Nötigste, um einen Einsturz zu verhindern. Von einer Renovierung oder gar einem künftigen Nutzungskonzept ist man noch weit entfernt. Stadt-Pressesprecherin Susanne Schwab: "Es wurde lediglich eine Notsicherung angebracht, um eine Gefahr für Passanten oder den Verkehr zu verhindern." Einen klar umrissenen Plan gibt es noch nicht, Vorschläge für den schlafenden Riesen dagegen schon viele. 2002 berichtete die AZ von der Idee, die vier Stockwerke zu Studentenwohnungen auszubauen. Der Keller mit dem rund 500 Quadratmeter großen Kreuztonnengewölbe beeindruckte damals auch einen Erlebnislokal-Investor, der sich darin eine Discothek hätte vorstellen können. 2003 erwarb der Ire Raymund Grassik den Schmalzstadl, mit dem Ziel, Appartements zu errichten. Sechs Jahre lang passierte daraufhin gar nichts.

Gut gerüstet

Schließlich kaufte Gerald Richthammer den Stadl - ohne eine konkrete Nutzung vor Augen zu haben. Kulturzentrum, Wohnungen oder Erlebnislokal waren im Gespräch, scheiterten jedoch an einem geeigneten Investor. Der alte Schmalzstadl blieb die nächsten Jahre über weitgehend sich selbst überlassen und entledigte sich allenfalls einiger Dachziegel - was wiederum die Behörde auf den Plan rief. Rundherum wurden ein Gerüst zur Sicherung angebracht und das Dach abgedeckt. Richthammer veräußerte das Gebäude wieder an einen Privatmann, bis Ende vergangenen Jahres die Stadt endgültig als Käuferin auftrat - allerdings ebenfalls ohne konkrete Pläne für die Zukunft. OB Michael Cerny sprach von einem Ideenwettbewerb oder der Möglichkeit, darin die militärhistorische Sammlung der Leopoldkaserne unterzubringen. "Das wäre durchaus interessant für uns", sagte Stabsfeldwebel Hubert Haas vom Förderverein Militärhistorische Sammlung Garnison Amberg.

Vorbild Schießl-Stadl?

Doch eine Realisierung dieser Pläne kann dauern. Zieht man zum Vergleich das ehemalige kurfürstliche Wagenhaus am Paulanerplatz heran, dann sprechen die Jahreszahlen für sich: 2007 wurde der Schießl-Stadl von der Stadt erworben, 2014 mit der Renovierung begonnen.
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