Streik im öffentlichen Dienst auch in Amberg
"Miesestes Angebot seit Jahren"

Mit Fahnen, Bannern und Trillerpfeifen ausgestattet zogen rund 100 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes am Mittwochvormittag durch die Stadt. Sie untermauerten damit ihre Forderung nach besserer Bezahlung. Bild: Hartl

Etwa hundert Angestellte des öffentlichen Dienstes aus Amberg und Sulzbach-Rosenberg protestierten am Mittwoch gegen das Angebot der Arbeitgeber. Aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. Redner sprachen von "Frechheit", einem "lächerlichen Angebot" und dem Gefühl, von den Arbeitgebern hinters Licht geführt zu werden.

Ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert begleitete den Zug der Streikenden am Mittwoch. Von der Spitalkirche aus marschierten laut Polizei etwa 90 Demonstranten in Richtung Schrannenplatz. Die Veranstalter registrierten laut eigenen Angaben mehr als hundert Streikende. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu Warnstreiks aufgerufen. Die Angestellten des öffentlichen Dienstes schwenkten Fahnen und trugen Streikwesten mit der Aufschrift "Wir sind es wert". "Das ist das mieseste Angebot, das es seit Jahren gegeben hat", protestierte etwa Helga Schuler, Personalratsvorsitzende der Stadt Amberg. Auch DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Berndt zeigte sich solidarisch: Wir unterstützen die Aktion. Die Gewinne sprudeln. Die Leute brauchen mehr Geld."

Mit Zahlen getrickst


Grund für den Warnstreik war das vor einer Woche vorgelegte Angebot der Arbeitgeber. Vor dem Marsch durch die Innenstadt hatten die Gewerkschaftsvertreter bei der Kundgebung an der Spitalkirche ordentlich Stimmung gemacht: Verdi-Jugendsekretärin Kathrin Birner bezeichnete das Angebot der Gegenseite als "Frechheit". "Wir sind heute hier im Warnstreik, weil das eine Mogelpackung ist." Birner spielte damit auf eine medienwirksame Veröffentlichung der Arbeitgeber-Seite in der vergangenen Woche an. Diese hatten den Bediensteten eine Lohnerhöhung von drei Prozent in Aussicht gestellt. Verdi wiederum hatte im Laufe der Woche einige Rechentricks entlarvt: So sei eine Lohnerhöhung von einem Prozent für die Monate Juni bis Dezember 2016 als Erhöhung von einem Prozent für das gesamte Jahr ausgegeben worden. Birner sagte, der öffentliche Dienst sei es Wert, einen angemessenen Lohn zu bekommen: "Wenn uns die Arbeitgeber kein besseres Angebot vorlegen, kommen wir wieder."

Zum Streikauftakt waren am Mittwoch die Angestellten der Stadt Amberg und der Stadt Sulzbach-Rosenberg gekommen. Unter ihnen waren etwa Mitarbeiter der Stadtgärtnerei, der Friedhöfe und des Bauamts. Auch Streikende aus dem Bundeswehrdienstleistungszentrum und der Kläranlage Theuern waren dabei. Die Arbeitnehmer begleiteten die Reden mit Applaus und Trillerpfeifen.

Stellvertretender Verdi-Bezirksvorsitzender Stefan Dietl bezeichnete das Arbeitgeberangebot als Täuschungsmanöver und Betrug. Das Geld sei ja da, das hätte man aus den Medien erfahren können. Es liege beispielsweise in Panama. "In Bayern sind 1600 Stellen für Steuerprüfer nicht besetzt. Jährlich entgehen der bayerischen Staatsregierung 400 Millionen Euro", prangerte er an. Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner forderte, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen: "Die Arbeitgeber hoffen, dass keiner hingeht. Ich kann ihnen versprechen, die Streiks werden deutlich mehr werden!" Der Arbeitskampf sei bekanntlich das letzte Mittel der Gewerkschaften, um Augenhöhe mit den Arbeitgebern herzustellen. "Wir sind es, die produktiv sind und nicht die! Ich sage ,Pfui!' zu diesem Angebot!"

"Wie blind müssen die Arbeitgeber sein", leitete Gröbner die nächste Forderung ein: Sie verringerten die Attraktivität des öffentlichen Dienstes in Zeiten des Fachkräftemangels. "Wir müssen den Kampf mit der Wirtschaft aufnehmen. In manchen Kommunen gehen in den nächsten Jahren 20 Prozent der Belegschaft in Rente." Gröbner forderte, junge Arbeitskräfte zu fördern und die befristeten Anstellungsverhältnisse zu beenden.

Vom richtigen Zeitpunkt


Nach der Rede Gröbners setzte sich der Zug in Bewegung um kam nach einem Marsch durch die Innenstadt schließlich am Schrannenplatz wieder zum stehen. Dort übernahm Horst Ott, Bevollmächtigter der IG Metall für die nördliche Oberpfalz, das Mikro. Er sprach ein Grußwort aus der Metall- und Elektroindustrie: Auch seine Gewerkschaft befinde sich im Arbeitskampf. Die Arbeitgeber hätten gesagt, jetzt sei der falsche Zeitpunkt. Er frage sich, wann denn der richtige Zeitpunkt für eine Lohnerhöhung sei. Wenn es richtig gut gehe, ginge es laut Ansicht der Arbeitgeber bald wieder abwärts, wenn es abwärts gehe, sei kein Handlungsspielraum. "Wir müssen die Leute, die Verantwortung für unsere Gesellschaft übernehmen ordentlich bezahlen. Wir werden euch unterstützen", verkündete Ott.

InfoDie Klinikmitarbeiter des Krankenhaus Sankt Marien solidarisierten sich ebenfalls mit den Streikenden und demonstrierten mit einer "Aktiven Mittagspause" vor dem Klinikum für ein besseres Angebot.
Wir sind es, die produktiv sind und nicht die! Ich sage "Pfui!" zu diesem Angebot!Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner
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