Studie der OTH Amberg-Weiden
Jeder zweite Student bricht ab

Erster Tag des neuen Wintersemesters an der Hochschule Amberg-Weiden: Orientierung ist angesagt bei den Erstsemestern. Leider werden viele junge Menschen ihr Studium wieder abbrechen. Bild: Bühner

Amberg/Weiden. Auf bis zu 60 Prozent werden überregional in Medienberichten die Abbrecherquoten bei ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen geschätzt. Für die OTH Amberg-Weiden untersuchen Wissenschaftler systematisch dieses Thema: Nur jeder zweite Studienanfänger der Jahre 2003 bis 2010 schloss an der OTH Amberg-Weiden das Studium in den Fächern Maschinenbau und Medienproduktion und -Technik erfolgreich ab. Exakt liegen die Erfolgsquoten bei 54 beziehungsweise 56 Prozent. Im Fach Umwelttechnik sogar nur bei 45 Prozent.

Zu diesen Feststellungen kamen die Wissenschaftler Bernd Rager und Professor Dr. Horst Rottmann in ihren Untersuchungen. Die Ursachen, warum das Studium abgebrochen wurde, gliedern die Wissenschaftler in zwei Obergruppen: "Objektive Gründe durch nicht bestandene Prüfungsleistung" sowie "sonstiger Schwund". Zum "sonstigen Schwund" gehören Studienfachwechsel, persönliche Lebensumstände wie zum Beispiel finanzielle Probleme oder Schwangerschaften.

Abiturnote mitentscheidend


In allen drei untersuchten Studienrichtungen überwiegt die Gruppe "sonstiger Schwund" deutlich gegenüber der Gruppe nicht bestandener Prüfungen. Anteilig sind es in den einzelnen Studienrichtungen 25 bis 35 Prozent, die aus überwiegend persönlichen Gründen das Studium aufgeben. Nur bei 13 bis 21 Prozent musste das Studium wegen nicht bestandener Prüfungen aufgegeben werden. Das heißt, Eignungsgründe oder hohe Anforderungen sind seltener als andere Umstände für einen Studienabbruch oder Wechsel des Studienfaches ursächlich.

Ein weiteres zentrales Ergebnis ist bei allen untersuchten Studienrichtungen der eindeutige Zusammenhang zwischen Abiturnote und Studienerfolg. Schon in der ersten Untersuchung war zum Beispiel festgestellt worden, dass im Fach Maschinenbau die Erfolgsquote bei einer Abiturnote von 4,0 nur noch bei 27 Prozent liegt, dagegen bei der Note 2,0 bei 80 Prozent. Die Fortsetzung der Untersuchung bestätigt diesen Zusammenhang erneut.

Frauenquote höher


Auch eine andere damalige Feststellung fand erneut ihre Bestätigung: Je höher das Alter bei Studienbeginn, desto größer wird auch das Abbruchrisiko. Mit steigendem Alter bei Studienbeginn sinken die Erfolgsquoten um 5 Prozent pro Jahr, errechneten die Wissenschaftler. "Sowohl Abiturnote als auch das Alter bei Studienbeginn erweisen sich in allen drei Studiengängen als signifikante Einflussfaktoren." Für FOS-Absolventen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung gleiche "sich die Erfolgswahrscheinlichkeit wieder der Gruppe der Gymnasiasten an". "Bemerkenswert" finden die Untersuchungsführer, dass es "Hochschulwechslern" von anderen Studienorten "etwas besser gelingt, den Abschluss an der OTH zu erreichen". Und schließlich stellen sie fest, dass Frauen im Vergleich zu den Männern, eine, zum Beispiel im Studienfach Medienproduktion- und Technik um 8 Prozentpunkte," signifikant niedrigere Erfolgswahrscheinlichkeit aufweisen". Einbezogen waren insgesamt in die Untersuchung 696 Studienanfänger im Fach Maschinenbau, 651 bei Medientechnik und 530 bei Umwelttechnik.

Dr. Wolfgang Weber, Leiter des OTH-Bereichs Hochschulentwicklung, bestätigte, dass auch eine bisher nicht veröffentlichte Untersuchung für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen ähnliche Ergebnisse brachte. "Wir tun alles, um den Studienerfolg zu sichern", betont Weber und verweist auf den Qualitätspakt Lehre, Tutorenkurse, Schreibwerkstatt und andere Hilfestellungen. In einer "Kohortenanalyse" soll jetzt genau festgestellt werden, "aus welchen Gründen Handlungsbedarf besteht" und wie viele ganz aus dem Studium ausscheiden.


Angemerkt

Mehr Beratung notwendig

Von Siegfried Bühner

Das Handwerk sucht händeringend nach Auszubildenden, und an den Hochschulen bricht in Bayern mindestens jeder dritte Student ein einmal begonnenes Studium ab. Diese Situation darf auf Dauer nicht toleriert werden. Zwar wissen wir nicht, wie viele nach einem Studienwechsel doch noch einen akademischen Abschluss erwerben. Trotzdem bestätigt die Studie eindringlich den Handlungsbedarf: Trotz des Verständnisses für junge Menschen, die sich mit oftmals gerade 18 Jahren in der Orientierungsphase ihres Lebens befinden.

Gefordert sind vorrangig Schulen, Hochschulen und alle Institutionen, die Berufsorientierung betreiben. Noch ist offen, wie viele ganz aus dem Studium ausscheiden. Hochschulen stehen vor einem Dilemma: Sollen sie durch einen schärferen Numerus Clausus vielleicht die Abbrecherquoten senken und einen deutlichen Rückgang der Studentenzahlen in Kauf nehmen? Haushaltspolitiker dürfen nicht gleich mit dem Rotstift kommen, wenn Studentenzahlen sinken. Auch in die Qualität der Hochschulen zu investieren, lohnt sich für unsere Gesellschaft.

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