Tag der offenen Tür bei den Stadtwerken
Im Modelldorf klappt die Energiewende

Zweimal fällt der Graph für den Stromverbrauch (hinten rechts) rapide ab. Die Strahler zeigen bei den kleinen Photovoltaik-Anlagen sofort ihre Wirkung. Bilder: inl (3)
 
Besucher Otto Mai auf dem Energiefahrrad. Im Kasten auf dem Lenker lassen sich verschiedene Stromverbraucher zuschalten. Als Peter Zahn (links) das mit der Waschmaschine macht, werden die Pedale schwer.

Zunächst funktionierten weder die Simulation noch der Beamer. Nach einem sanften Klaps auf die Geräte konnte der Tag der offenen Tür im Energiespardorf doch noch pünktlich beginnen. "Wir sind ja hier beim Energieversorger", scherzte Stadtwerke-Chef Stephan Prechtl. Da habe man einen guten Draht zu den Geräten.

Innerhalb der Klimawoche Bayern hatten die Besucher in der Gasfabrikstraße die Möglichkeit, sich über das Projekt des Bund Naturschutz (BUND) und der Stadtwerke zu informieren und auch selbst Szenarien durchzuspielen. Der Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach, Peter Zahn, und Thomas Großer, Energieberater bei den Stadtwerken, standen den Gästen fünf Stunden lang Rede und Antwort. Nur bei informativen Wortmassen blieb es jedoch nicht. Denn das Energiespardorf ist als Projekt vor allem zweierlei: anschaulich und interaktiv.

Tour dauert drei Stunden


Für einen Durchlauf arbeite er dabei mit einer Schulklasse etwa drei Stunden, erklärte Zahn. Zunächst werden die Kinder dabei an das Thema Energieverbrauch herangeführt. Mit dem Fahrrad vermittelt der Naturschützer den Aufwand bei der Energiegewinnung. Immer schwerer fällt dem Radler das Treten, je mehr Verbraucher angeschlossen werden. Auch messen die Kinder und Jugendlichen den Verbrauch verschiedener Elektrogeräte im Alltag. Im Vergleich zu den großen Stromschluckern wie Waschmaschine oder Wasserkocher verbraucht Unterhaltungselektronik nur wenige Watt. Wenn das Radio allerdings Tag und Nacht eingesteckt ist, "kommt man bei der Rechnung am Jahresende auch auf einen zweistelligen Betrag", erläuterte Zahn.

Auswertung in Echtzeit


Beim Experimentieren im Energiespardorf selbst geht es dann um die Versorgung und den Verbrauch einer ganzen Stadt. Auch den Gästen beim Tag der offenen Tür warf Thomas Großer dafür das Auswertungsprogramm an die Leinwand. In Echtzeit veranschaulichte dieses den Stromverbrauch des kleinen Holz-Dorfes. Nun waren die Besucher gefragt: Sie steckten verschiedene Verbraucher, von der Glühbirne bis zum Strombedarf für die Produktion in der Modellfabrik, in die Stecker, die sich unter den Häusern befinden. Prompt ging die Kurve für den Verbrauch nach oben. Montierten die Gäste dann die Solarzellen auf die Häuser, glich dies den Bedarf aus und die Kurve fiel. Natürlich erst, nachdem Peter Zahn die Sonne, simuliert durch zwei helle Lampen, scheinen ließ. Eine logische und einfache Veranschaulichung "der doch nicht ganz einfachen Technik", sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Prechtl.

Verantwortlicher Verbrauch


In einer fiktiven Stadtratssitzung seien die Kinder gefordert, ein Konzept für die Stromversorgung des Energiespardorfes zu erstellen. Keine leichte Aufgabe. Energieberater Thomas Großer wollte dabei auch wirtschaftliche Aspekte vermitteln. Muss denn noch eine Biogasanlage gebaut werden, wenn das Netz schon bei Null ist? Er meinte: "Viel bringt viel. Das kann nicht das Konzept bei der Energiewende sein." Beim Energiesparen jedoch könne jeder bei sich etwas bewirken, erklärte Peter Zahn.

Mit dem Modell könne er bestimmte Verhaltensweisen, sanften und unverantwortlichen Verbrauch simulieren. "Das Energiesparen zeigt sich zwar nicht sofort in einer Messgröße, aber am Ende als Gespartes auf der Stromrechnung des Bürgers", verdeutlichte der Naturschützer.

200 reale HaushalteDer Stromverbrauch im Holzmodell wird simuliert durch kleine elektrische Widerstände, die in die Module in den Häusern gesteckt werden. Ein Modellhaus entspricht 200 realen Haushalten. Wird dann ein Verbraucher eingesteckt, zeigt dieser also den durchschnittlichen Energiebedarf von 200 Geräten an. Dabei betrachtet man, je nachdem ob Glühbirne oder Fernseher, den durchschnittlichen Energieverbrauch pro Jahr. Der summierte Jahresverbrauch im Dorf: 14 Millionen Kilowattstunden.

Die Idee zum Energispardorf stammt von BUND-Mitglied und Diplom-Physiker Peter Satzger aus Landsberg. Den Großteil der Kosten für die Initiative übernahm das bayerische Wirtschaftsministerium. Die weitere Finanzierung für das Dorf in Amberg, eines von insgesamt vier, übernahmen die Stadtwerke Amberg für die BUND-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach. (inl)
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