Umweltverbände und Unternehmen kritisieren EEG
Energie-Rochaden

An der Sonne liegt's nicht, dass die Energiewende nicht schneller vorankommt - ein Projekt der Grammer Solar GmbH aus Amberg. Bild: privat
 
"Dass Kohle- oder Atomstrom billig sind, ist eine Mär." Zitat: Siegfried Schröpf, Grammer Solar

Und wieder ist das EEG um eine Reform reicher: Am Freitag beschloss der Bundestag zehn neue Deckel, um den Siegeszug der Erneuerbaren auszubremsen - das sagen die Umweltverbände. Windstille und Sonnenfinsternis statt Energiewende aus Rücksicht auf die Konzerne.

Amberg/Berlin. "Niemand in der Welt versteht, warum die deutsche Bundesregierung genau jetzt, da Photovoltaik und Wind immer günstiger werden und erneuerbare Energien weltweit boomen, das Ausbautempo im Heimatland der Energiewende abschwächen will", kritisiert Hermann Falk, Geschäftsführer Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Neben einem Deckel für den Gesamtausbau, der den Anteil der erneuerbaren Energien auf 45 Prozent bis 2025 und 55 Prozent bis 2035 am Bruttostromverbrauch begrenze, seien weitere vier Höchstgrenzen für die Windkraft, drei für die Photovoltaik und zwei für die Biomasse im Gesetzentwurf enthalten.

Arbeitsplatzvernichtung


Sowohl der 52-Gigawatt-Deckel für die Solarförderung, die Obergrenze von 2,5 Gigawatt neu installierte Photovoltaik-Leistung jährlich, als auch ein Maximum von 600 Megawatt jährlich für Photovoltaik-Großanlagen ab 750 Kilowatt Leistung verdunkeln die Perspektive der Sonnenkraft. "Wir dürfen bei der Windenergie nicht denselben Fehler wiederholen, den die damalige Bundesregierung bei der Photovoltaik gemacht hat", ist der Jurist Falk alarmiert. "Dort gingen durch falsche politische Rahmenbedingungen in kurzer Zeit 73 000 Arbeitsplätze verloren."

In Amberg muss sich Grammer Solar zur Decke strecken, um die politische Vollbremsung auszubalancieren. Der deutsche Solarmarkt ist im Vergleich zu 2012 um 90 Prozent eingebrochen und heute nur noch halb so groß. Das Kapital des regionalen Anbieters: Vertrauen. "Unsere Aktion mit dem Landratsamt und der Klimamanagerin des Landkreises hat bis Mitte Juni Zuwächse im Einfamilienhausbereich gebracht."

An Interessenten habe es nie gemangelt, doch potenzielle PV-Bauherren seien verunsichert: "Das ständige Hü und Hott der Politik führt dazu, dass die Leute den Eindruck haben, der Aufwand rentiert sich nicht mehr und Zusagen können jederzeit rückgängig gemacht werden." Dem Aktionsbündnis sei es gelungen, Bedenken zu zerstreuen: "Man kann heute mit einem Speicher Zweidrittel der eigenen Stromversorgung mit einer Durchschnittsanlage zu einem wirtschaftlich vertretbaren Preis erzeugen", sagt Siegfried Schröpf. von Grammer Solar. Dabei nehme die Weiterentwicklung der Speichertechnologie jetzt erst Fahrt auf: "In fünf Jahren hat sich die Kilowattstunde Speicherkapazität im Preis halbiert - und da geht's erst los." Ein solar-autarkes Haus sei in zehn Jahren wirtschaftlich machbar. Und wenn auch noch das E-Mobil mit der eigenen PV-Anlage betrieben werde, sei das nicht nur ein gewaltiges Sparpotenzial, sondern auch ein beträchtlicher Beitrag zum Klimaschutz.

Bad Bank für Atomkosten


Die Befürworter der Erneuerbaren Energien werden nicht müde zu betonen, dass Solar- und Windstrom schon jetzt günstiger produziert werden als konventioneller Strom aus der Steckdose. "Dass Kohle- oder Atomstrom billig sind, ist eine Mär", wiederholt der Amberger Unternehmer. "Er kann lediglich günstiger angeboten werden, weil die Folgekosten nicht eingepreist sind - die zahlen die Steuerzahler."

Die Rechnung scheint so beängstigend zu sein, dass die großen Stromkonzerne ihre konventionellen Sparten schleunigst ausgliedern wollen - in eine "Bad Bank" für Atom- und Kohle-Altlasten. Dazu kommt: "Mit einer dezentralen Energieversorgung über Sonne, Wind und Biogas sind wir unabhängig von Gas aus Russland und Öl aus den OPEC-Staaten", versteht Schröpf den Widerstand der Politik gegen die erfolgreich eingeleitete Energiewende nicht.

Dass Kohle- oder Atomstrom billig sind, ist eine Mär.Siegfried Schröpf, Grammer Solar
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6 Kommentare
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 11.07.2016 | 23:09  
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Stefan Kaminsky aus Vohenstrauß | 12.07.2016 | 15:08  
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 13.07.2016 | 01:20  
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Autor EY aus Amberg in der Oberpfalz | 13.07.2016 | 16:13  
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Hilde Lindner-Hausner aus Kohlberg | 14.07.2016 | 09:23  
48
Maria Estl aus Pullenreuth | 14.07.2016 | 10:45  
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