Völkerwanderungen gab es schon immer: Meist mit Vorteilen für die Zielländer
Ohne Immigration keine USA

Es gab sie wohl zu jeder Zeit: Kleine und größere Völkerwanderungen, meist wirtschaftlichen Notlagen geschuldet. Ob steinzeitliche Jäger, irische Bauern oder deutsche Arbeitslose, sie hatten alle ähnliche Ziele: sich eine Existenz aufzubauen.

"Platt gesagt", kommentiert Volkswirtschaftsprofessor Horst Rottmann von der OTH Amberg-Weiden, "ohne die Einwanderungswellen gäbe es heute keine USA." Was auf der einen Seite selbstredend ist, hat auch noch eine wirtschaftliche Komponente: "Ohne die hoch motivierten Einwanderer aus aller Welt wären die Vereinigten Staaten nicht die führende Industrienation der letzten 200 Jahre geworden."

Mit anderen Worten: Die Immigranten bauten den Wohlstand ihrer Zielländer mit auf, so wie auch deutsche Siedler in Böhmen, dem Banat oder in Russland die Landwirtschaft modernisierten und neue Städte gründeten. Umgekehrt profitierte Nachkriegsdeutschland vom Aufbauwillen der Flüchtlinge aus dem Osten wie später von den Leistungen der sogenannten Gastarbeiter.

Ambergs IHK-Chef Johann Schmalzl berichtet in der aktuellen Situation von den positiven Erfahrungen der Unternehmer im Raum Amberg-Sulzbach, wo das Erwerbspersonenpotenzial in den nächsten 15 Jahren ohne Zuwanderung um rund 10 000 Personen sinke: "Regionale Unternehmen, die Flüchtlinge beschäftigen, stellen eine große Leistungsbereitschaft fest." Die Zuwanderer kämen quer durch alle Qualifikationsschichten nach Deutschland.

Umso unverständlicher, wenn bürokratische Hürden diese Motivation ausbremsen: "Eine Neumarkter Firma hat einen jungen Mann aus Togo angestellt", erzählt Winfried Mellar, IHK-Geschäftsführer Fachkräfte. "Weil er ohne Papiere sein Geburtsdatum nicht nachweisen kann, rieten Behörden, die Firma solle sich Ärger ersparen und den Mann entlassen."
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