Vor einem Jahr übernahm ein Finanzinvestor den alteingesessenen Familienbetrieb
Investor mit kühlem Kopf

Geschäftsführer Axel Scherrieble ist stolz auf die hochmodernen Fertigungsautomaten. An der Dr.-Aigner-Straße zählt die Amberger Kühltechnik (AKÜ) insgesamt rund 8000 Quadratmeter Produktions-, Büro- und Lagerfläche.
 
Bei den sogenannten Reinraum-Spinden handelt es sich um eine Sonderanfertigung für die Firma Bionorica in Neumarkt. Bilder: Fütterer (2)

Auf dem Münchener Oktoberfest fließt das Bier in den meisten Wiesn-Zelten aus Amberger Zapfhähnen. Die Kühl-Tresen und Schankanlagen aus der Vilsstadt finden sich in der Allianz-Arena ebenso wie in der Regensburger Continental-Arena. Vor einem Jahr übernahm ein Finanzinvestor den alteingesessenen Familienbetrieb Amberger Kühltechnik. Was ist daraus unternehmerisch geworden?

Die Fakten vorher und nachher sprechen für sich. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von knapp 110 auf 120; die Auftragsbücher sind gut gefüllt; die bisherigen Investitionen belaufen sich auf eine "hohe sechsstellige Summe". "Wir wollen wachsen", betont Geschäftsführer Axel Scherrieble. Dazu gehört der deutschlandweite Ausbau des Service-Netzes, das derzeit vor allem in Süddeutschland konzentriert ist.

Die Industrie-Kapital-Gesellschaft Von der Heydt (München) kaufte im März 2015 den fast 100 Jahre alten, in dritter Generation geführten Traditionsbetrieb. Nach eigenem Bekunden engagiert sich die Investmentbank "langfristig" bei mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Im Gegensatz zu anderen Beispielen von Kapitalinvestitionen in der Region wird hier die übernommene Firma nicht finanziell ausgeweidet und filetiert. "Die Profit-Erwartungen decken sich mit der früheren Inhaber-Familie Schmid", versichert Geschäftsführer Scherrieble. Also dürften sich die Überweisungen nach München dem Vernehmen nach zwischen acht und zehn Prozent des Jahresgewinns bewegen. "Unsere Geschäftspolitik ist konservativ und seriös aufgestellt."

Deutscher Marktführer


Wie ein Blick in den Bundesanzeiger zeigt, ist die Amberger Kühltechnik auch ganz ordentlich mit Eigenkapital ausgestattet. "Unsere zum Teil seit 30 Jahren beschäftigten Mitarbeiter sind der Value des Unternehmens. Wir wollen mit dem Familien-Spirit weitermachen", unterstreicht Scherrieble. Der 44-Jährige kommt aus der Branche, war 20 Jahre lang als Kälte-Anlagenbauer tätig, zuletzt in Asien in Führungsverantwortung.

Dem Betriebswirtschaftler (Abschluss MBA) liegt viel am "nachhaltigen Wirtschaften" und an "Energie-Optimierung". So arbeiten die Großkühlanlagen mit einer Leistung zwischen 500 und 2000 Kilowattstunden mit den "naturnahen" Kältemitteln Kohlenstoffdioxid und Ammoniak. Die AKÜ gilt aufgrund der Effizienz ihrer Anlagen für die riesigen Distributionszentren der Lebensmitteldiscounter, für Schlachthöfe oder Ölindustrie als einer der Marktführer in Deutschland. Neben der Kühltechnik für die Industrie sind Kühl-Tresen und Schankanlagen für Gastronomie und Gewerbe das zweite Standbein der Amberger Kühltechnik: Inklusive einer Möbelschreinerei, die Spezial-Anfertigungen - beispielsweise für Labore oder Kioske von Kliniken - herstellt. Auch das Mobiliar für das Schwurgericht am Landgericht Amberg stammt von AKÜ.

Facharbeiter-Mangel


"Große Wachstumschancen" sieht Scherrieble beim dritten Geschäftsfeld Service, das derzeit etwa zehn Prozent zum Umsatz beisteuert. Bis Ende 2017 kündigt der Geschäftsführer "den Aufbau von Service-Stützpunkten in ganz Deutschland" an.

Axel Scherrieble verhehlt nicht, dass der Facharbeiter-Mangel zunehmend sein Unternehmen trifft: trotz eines Dutzends eigener Auszubildender als Kälteanlagen-Mechatroniker, Elektriker oder Schreiner. Eine Reihe von offenen Stellen kann nicht besetzt werden.

Die Amberger Kühltechnik ist ein unternehmerischer Diamant, der in Zukunft noch stärker strahlen wird.Axel Scherrieble, Geschäftsführer Amberger Kühltechnik (AKÜ)
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