Weihnachtsgeschäft kommt zögerlich in Gang
Einzelhandel bisher noch nicht zufrieden

Später Nachmittag am Montag: Solche Kundenfrequenzen sind keineswegs üblich. Bild: Steinbacher
 
Attraktionen wie diese machen den Weihnachtsmarkt zu etwas Besonderen. Als die Oberpfälzer Schlossteufel aus Regensburg am frühen Sonntagabend vor der Basilika St. Martin auftraten, gab es außerhalb der Absperrungen kaum ein Durchkommen. Bild: Hartl

Zögerlich, schleppend ist das Vorweihnachtsgeschäft angelaufen, bilanziert der Amberger Einzelhandel bisher. Das milde Wetter machen die meisten dafür verantwortlich. Bei einigen klingen aber noch ganz andere Gründe an.

Einmal die Georgenstraße rauf und runter, seit die Innenstadt eine neue Winter- und Weihnachtsbeleuchtung hat, bewegen sich die Einkaufsflaneure der Adventswochen in einem atmosphärisch deutlich angenehmeren Licht. Einmal stichprobenartig die Georgenstraße rauf und runter telefoniert, ist der Einzelhandel jedoch noch nicht so recht in Adventsstimmung gekommen. Ähnlich wie die Kundschaft, resümieren die Geschäfte ohne Unterschied.

Jetzt angelaufen


Doch einige der Inhaber oder Filialleiter haben plötzlich am Montagvormittag keine Zeit mehr und wollen das Gespräch schnell beenden. "Ich muss jetzt, vielleicht hören Sie es ja im Hintergrund", heißt es dann doch einmal. Als sei ein Schalter umgelegt worden, beschrieb Susanne Moedel am Montagvormittag eine plötzliche Trendwende im bisherigen Geschäftsverlauf. In dem alteingesessenen, namhaften Spielwarengeschäft gebe es jetzt plötzlich "super gut zu tun". Damit bestätigt sich aus ihrer Sicht eine Beobachtung, die sie schon lange macht.

Das Weihnachtsgeschäft habe in der Spielzeugbranche früher mehr oder minder schon im Oktober eingesetzt, blickt sie auf 27 Jahre einschlägige Erfahrungen zurück. Jetzt werde es immer später, selbst innerhalb der Adventswochen. Und heuer vielleicht noch später, weil der Heilige Abend erst auf den Donnerstag nach dem 4. Advent falle, ließ Moedel anklingen. Schräg gegenüber, ein paar Meter die Georgenstraße Richtung Malteserplatz hinauf, liegt der große Bekleidungsfilialist C&A.

Parkplätze, Parkplätze, Parkplätze.Gülcan Karayigit, C&A, über ein von der Kundschaft moniertes Manko


Neben dem milden Wetter, das den vorweihnachtlichen Umsatz nicht so recht in Schwung bringe, spricht die Filialleiterin Gülcan Karayigit ein nicht minder bekanntes Argument an. "Parkplätze, Parkplätze, Parkplätze." Seit Jahren würden ihre Kunden diese Kritik anbringen. Allerdings sei sicherlich "nicht messbar", inwieweit sich dieses Problem konkret auf den Geschäftsverlauf auswirke. "Ich höre das nur seit Jahren von unseren Kunden", sagt Karayigit.

Wir können überhaupt nicht meckern.Julia Piater, Buchhandlung Rupprecht

Ewiger Klassiker


Wenige Schritte weiter wird von einem "sehr lebhaften" Verlauf gesprochen. Julia Piater leitet die Filiale der Buchhandlung Rupprecht und hat damit viele, viele Geschenkklassiker in den Regalen. "Wir können überhaupt nicht meckern", blickt sie auf die zurückliegenden Adventswochen zurück, konstatierte aber am Montag ebenso, dass die Kundenfrequenz noch einmal spürbar angestiegen ist.

Was Piater ganz persönlich zu freuen scheint, sind nicht die reinen Umsatzzahlen. Als Buchhändlerin konstatiert sie eine ungebrochene Nachfrage nach dem gedruckten Buch und kann aus dem Stand eine ganze Reihe von Titeln nennen, die gerade reißend über die Ladentheke gehen.

Außer KonkurrenzDie mit einer Einkaufsnacht bis 22 Uhr verbundene Anschalt-Party für die neue Winter- und Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt litt deutlich unter dem kurz zuvor einsetzenden Regen. Damit war es auch für Andreas Raab, Vorsitzender der Park- und Werbegemeinschaft (PWG), wahrlich kein Bilderbuchstart in die umsatzstarken Adventswochen.

Er und sein Verband hatten sich über Jahre hinweg für eine zeitgemäßere Illumination der Innenstadt stark gemacht. Das allseitige Lob, dass sie gelungen sei, freute Raab und seine Mitstreiter umso mehr. Wenn er vom Weihnachtsgeschäft in der Amberger Innenstadt redet, dann konzentriert sich sein Blick jedoch auf das eigentliche Marktgeschehen in, rund um und zwischen den Buden auf dem Marktplatz.

Der verregnete Auftakt ist vergessen und spätestens seit Montag macht sich der Ehrgeiz breit, das Rekordjahr 2014 zu überflügeln. "Gestern, am Sonntag, konnte man zeitweise auf dem Markt und drumherum nicht mehr umfallen", ist nun auch für die Fieranten offenbar das Geschäft mit dem dritten Adventswochenende richtig in Schwung gekommen. Das kann Raab inzwischen sogar trotz des nicht gerade winterlichen Wetters sagen, wenn auch die milden Temperaturen und die regnerische Nässe der Vortage durchaus einen eher schleppenden Geschäftsverlauf mit sich gebracht hatten. Doch das ist seit dem zurückliegenden Wochenende alles Vergangenheit.

Einen grundlegenden Umschwung der Witterung bis Weihnachten stellen die Meteorologen allerdings auch nicht in Aussicht. Doch aus der Sicht von Raab ist, was der Weihnachtsmarkt betrifft, das Eis der Zurückhaltung bei den Besuchern gebrochen.


Noch nicht nachgefragt
Speziell der Park- und Werbegemeinschaft (PWG), aber auch dem Stadtmarketing-Verein war die neue Winter- und Weihnachtsbeleuchtung in der Haupteinkaufsachse der Innenstadt ein Anliegen. Ein Resümee, ob sich dieses Aufhübschen auch positiv auf den Umsatz des Einzelhandels ausgewirkt haben könnte, wollen beide Verbände erst nach dem Weihnachtsgeschäft ziehen. Aktuell, so Melanie Gruber (Stadtmarketing) und auch Andreas Raab (PWG), sei noch kein gezieltes Feedback bei dem Innenstadt-Geschäftsinhabern und -betreibern eingeholt werden.
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