Welt-Energiespartag
Das Energie-Spar-Speicherhaus

"Schon unserem Enkel Josef zuliebe", finden Reinhold (links) und Gabi Riß "sollten wir auf unsere Umwelt achten und wertvolle Ressourcen nicht zum Schornstein rausblasen." Die Amberger tanken stattdessen mit ihrer PV-Anlage Strom direkt aus der Sonne und speichern deren Kraft für den Eigenverbrauch. Bilder: Herda (2)
 
Der Speicher ist ein Topmodell mit extrem hoher Zyklenfestigkeit.

"Der Wolfi überwacht das", lacht Gabi Riß, "der weiß genau, wann ich koche." Hier wird kein weiterer schwerer Verstoß gegen den Datenschutz verhandelt: Familie Riß vertraut Wolfgang Dotzler das fast Energie-autarke Haus an - passend zum Welt-Energie-Spartag

"Natürlich nur mit Freigabe der Besitzer", sagt der Geschäftsführer von Grammer Solar schmunzelnd. "Aufs Portal werden alle zehn Minuten Erzeugungs- und Verbrauchswerte übertragen - man sieht, ob etwas aus der Batterie entnommen wurde." Dadurch könne man ein Energiebewusstsein entwickeln und sein Verhalten so anpassen, dass man die Autarkierate noch erhöht. "Klar macht es Sinn, die Wasch- oder Spülmaschine anzuwerfen, wenn die Sonne scheint."

"Übers Jahr gerechnet erreichen wir mit dem Hauskraftwerk E3DC mit 6,4-KW-PV-Anlage eine Autarkierate von 80 Prozent", ist Reinhold Riß mit dem Ertrag völlig zufrieden. "Im Sommer können wir uns selbst versorgen, im Winter kaufen wir etwas Strom zu." Was auch dem Hobby des Paars geschuldet ist: "Wir saunen in der kalten Jahreszeit gerne", sagt seine Frau. Auch wenn das Schwitzen gehörig Strom zieht, kein Grund für ein schlechtes Gewissen: "Unsere Energie ist zum größten Teil ohne Nebenwirkungen selbst produziert."

Autark bis November


"Der Speicher S10 mit drei Batterien nimmt 12 KW auf", sagt der Industriemechaniker bei Deprag. "Damit überbrücken wir ohne Sauna einen Tag." Im vergangenen Jahr hätte die Familie erst im November zugezahlt. Zum Beweis zeigt der 57-Jährige den Speicherstand an diesem Februarabend: "Wir hatten heute am Nachmittag ein wenig Sonne, und schon ist er zu 89 Prozent aufgeladen."

Angst, dass es ihnen wie beim schnell schwächelnden Handy-Akku gehen könnte, brauchen die Rißens nicht zu haben: "Das ist ein Topmodell, das immer noch auf neuestem Stand ist", erklärt Dotzler. "Mit seiner extrem hohen Zyklenfestigkeit, kann es sehr oft speichern und entladen - es schafft gut doppelt so viele Zyklen, bis zu 7000, wie ein Durchschnittsgerät." Das bedeutet eine geschätzte Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren - bei nur 15 Prozent Mehrkosten. Und auch anschließend muss man das komplexe Gerät keinesfalls entsorgen: "Da hängt ja die Ladeelektronik, ein Wechselrichter, die Endsteuerung und das Batteriemanagementsystem dran, das dafür sorgt, dass bei Überschuss geladen wird und umgekehrt - es reicht, die Batterie zu wechseln."

Apropos Kosten: Das gute ökologische Gewissen ist für die jung gebliebenen Großeltern kein Draufzahlgeschäft. Im Gegenteil: "Ein Bausparer war fällig, eine Geldanlage ist zurzeit ja nicht rentabel, also wollten wir gleich was Sinnvolles damit anfangen." Trotz drastisch reduziertem Einspeisesatz hat sich die Stromrechnung erfreulich reduziert: "Früher haben wir im Monat 90 Euro an die Stadtwerke bezahlt, heute noch 7."

Billy Joel als Belohnung


Nach etwa acht Jahren amortisiere sich die Anlage : "Danach sparen wir in unsere eigene Tasche", freut sich die Gattin. Die gelernte Krankenschwester investiert jetzt in Gitarrenstunden: "Mit Billy Joel komme ich schon gut zurecht", sagt sie grinsend.
Der Speicher ist ein Topmodell mit extrem hoher Zyklenfestigkeit.Wolfgang Dotzler, Geschäftsführer Grammer Solar

Energie-Spartipps vom Solar-Ingenieur

Amberg. (jrh) Von der Politik fordert Wolfgang Dotzler, endlich die Elektromobilität zu forcieren, ein Förderprogramm für Speicher aufzulegen, das seinen Namen verdient und Planungssicherheit für die Produzenten Erneuerbarer Energien herzustellen. "Nur dann sind große Energieverbraucher wie gewerbliche Kunden bereit, sich diesem Thema zu öffnen."

Wer erneuerbare Energien herstellt, hat seinen Beitrag zur Energiewende eigentlich schon erbracht, oder? Der Geschäftsführer von Grammer Solar sieht das anders: "Energiesparen ist natürlich auch bei uns zu Hause ein Thema", sagt der Diplomingenieur. "Jedes KW, das ich nicht verbrauche, muss ich nicht erzeugen." Seine Tipps, um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern:

"Ich setze natürlich nach Möglichkeit energiesparende Geräte ein, auch wenn die gängigen Auszeichnungen der Elektromärkte eher ein Marketinggag sind." Das Problem dabei: "Man kann sich bei einem Gefrierschrank ein AAA mit aufwendiger Dämmung erkaufen, die andere Probleme mit sich bringen." Und daran, ob die Messungen recht viel ehrlicher abliefen, wie bei VW, habe er auch Zweifel.

Sein pragmatischer Ratschlag: "Man kann einfach sparen, indem man einen Gefrierschrank für 100 statt 200 Liter nimmt und ihn nicht da aufstellt, wo die Sonne reinscheint.

Seine Erfahrung: "Das Verhalten der Leute, die sich aktiv mit dem Thema beschäftigen, hat sich geändert - die Sinne sind geschärft, man schraubt die Energieverbräuche nach unten und ersetzt Energieschleudern.

Jeder kann was tun: "Inzwischen sind wir schon fünf E-Radfahrer in der Firma: "Dieses Jahr bin ich noch kein einziges Mal mit dem Auto gefahren." Ein Ansporn für alle.
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