WeltmarktPlayer aus Amberg
Deprag erfolgreich wie nie zuvor

Einst klobig, schwer und damit unhandlich, sind pneumatisch betriebene Schraub- und Bohrwerkzeuge (im Vordergrund) heute von elektrischen kaum mehr zu unterscheiden. Arbeits- und Sozialministerin Emilia Müller (Dritte von links) bei der Deprag (von links): Dr. Erik Hallmann, Ingrid Schulz-Hallmann, Bürgermeister Martin Preuß, Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger und Dr.-Ing. Rolf Pfeiffer. Bild: Steinbacher

Gewehrfabrik (1801-1918), das ist lange her. Die Produktion erforderte jedoch schon damals ein hohes Maß an Genauigkeit in der Metallverarbeitung. Als Deprag wurde daraus die Kernkompetenz eines mittelständischen Familienunternehmens, das 2015 so erfolgreich war, wie noch nie.

Erst der dritte Anlauf klappte. Wenn auch die Flüchtlings-Unterbringung Emilia Müller (CSU) als Ministerin derzeit hauptsächlich fordert, so spielt die Wirtschaft in ihrem Ressort Arbeit, Soziales, Familie und Integration eine nicht minder wichtige Rolle. "Made in Amberg", sprich die Förderung der lokalen und regionalen Wirtschaft, stehe bei ihr als Oberpfälzerin ganz weit oben auf der Agenda, versicherte Müller am Montag bei der Deprag (Deutsche Präzisionswerkzeuge AG).

Ist ein Ministerbesuch selbst für diesen weltweit agierenden Mittelständler nicht unbedingt Alltagsroutine, so hatte es auch die CSU-Politikerin mit einem heute nicht mehr allzu weit verbreiteten Umstand zu tun: Sie wurde von der dreiköpfigen Firmenspitze und damit den Unternehmenseignern empfangen. Dr. Erik Hallmann, seine Ehefrau Ingrid Schulz-Hallmann und Dr.-Ing. Rolf Pfeiffer haben zudem das "bisher erfolgreichste Geschäftsjahr unserer Geschichte" (Hallmann) erwirtschaftet. Vor diesem Hintergrund habe sich Großbritannien als "mit Abstand umsatzstärkster Partner" erwiesen. Auch China sei so gut gelaufen, wie noch nie, erläuterte Hallmann Kernpunkte dieses Erfolgs.

Weltweit im Geschäft


An ihrem Stammsitz Amberg, in Tschechien und in China ist die Deprag mit Produktionsstätten vertreten, in den USA, Frankreich, Großbritannien und Schweden betreibt das Unternehmen eigene Vertriebs- und Serviceformen. Vertretungen gibt es darüber hinaus praktisch in jedem Land mit einer nennenswerten Industrieproduktion. Weltweit beschäftigt der Metallbetrieb rund 600 Menschen, in Amberg sind es 333. Das Umsatzplus allein in China (Produktionsstandort für Sondermaschinenbau) habe 2015 bei rund 20 Prozent gelegen, ließ Hallmann einfließen.

Die Produktpalette stellte der Ministerin skizzenhaft Pfeiffer bei einem Firmen-Rundgang vor. Demnach hat sich aus den einstigen Schwerpunkten luftbetriebene Werkzeuge und Schraubtechnik zusätzlich das Geschäftsfeld des Sondermaschinenbaus in diesem Umfeld entwickelt. Es gibt wohl kein namhaftes produzierendes Unternehmen, das in seiner Fertigung kein Deprag-Gerät oder -Werkzeug einsetzt.

Eindrucksvoll lässt sich das im Foyer des Stammhauses an einer Wand mit den Logos all dieser Kunden ablesen. Während Müller in diesem Zusammenhang betonte, es sei ein schon lange überholtes Vorurteil, dass die Oberpfalz eher Rückständigkeit statt Innovationskraft präge ("Wir sind eine der innovationsfreudigsten Regionen Bayerns"), präzisierte Pfeiffer diese Auffassung. "Man kann mit Sicherheit sagen, dass sich in Amberg eine Art Automations-Cluster herausgebildet hat. Warum auch immer." Die Deprag schiebt außerdem an, wenn es um neue Ideen geht. Sie ist unter anderem Partner der OTH Amberg-Weiden (Nutzung von Restenergie per Miniatur-Turbinengenerator) und reicht, so Schulz-Hallmann, vier Deutschland-Stipendien für ingenieurwissenschaftliche Studienfächer aus. Zudem liegt die Ausbildungsquote im Schnitt bei zehn Prozent der Beschäftigten.

Kein Selbstläufer


"Deutsche Unternehmen punkten mit Qualität", weniger mit dem Preis, beschrieb Hallmann eine unverzichtbare Stärke des von ihm mitgeführten Betriebs. "Unser typischer Kunde ist zudem weltweit tätig." Ein bloßer Selbstläufer sei das aber nicht, ließ Pfeiffer anklingen und schnitt gegenüber Müller Zeitarbeit und Werkverträge als zwei Themenbereiche an, bei denen die klein- und mittelständische Wirtschaft auf politische Unterstützung baue. Diese Gespräche fanden hinter verschlossenen Türen statt.
Wir sind eine der innovationsfreudigsten Regionen Bayerns.Staatsministerin Emilia Müller
Man kann mit Sicherheit sagen, dass sich in Amberg eine Art Automations-Cluster herausgebildet hat. Warum auch immer.Dr.-Ing Rolf Pfeiffer
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