Wie sich Bauern besser vermarkten
Landwirt braucht Stadtmensch

Was sich zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft ändern sollte - darüber sprach Sepp Kellerer (links), Chefredakteur des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts, auf Einladung des Bauernverbandes. Bild: hfz

Das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung ist nicht immer einfach. Warum sich gerade die Bauern etwas schwer tun, erläuterte Sepp Kellerer, Chefredakteur des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblattes.

Fichtenhof. Kellerer war auf Einladung des Bauernverbandes zur Mitgliederversammlung in die Gaststätte Erras nach Fichtenhof gekommen. Da es immer wieder Irritationen zwischen Landwirten und Bürgern gebe, ist es für Kellerer unabdingbar, als Funktionär dazu beizutragen, das Verhältnis zu verbessern. Denn letztendlich sei beiden Seiten klar, dass man sich gegenseitig braucht.

Sinkende Akzeptanz


Landwirtschaft und Verbraucher sollen eine tragfähige Koexistenz bilden. Das bedeute für die Bauern, dass sie wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückkehren müssen. Die schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung sei bedenklich. Die Globalisierung mache eben auch nicht vor der Landwirtschaft halt. Die Bevölkerung konzentriere ihre Interessen immer mehr auf die Städte. Das Land sei allenfalls Kulisse für Freizeitaktivitäten. Der Bezug zur Landwirtschaft existiere nicht mehr.

Die Bauern leisten laut Kellerer Gigantisches. Ein Landwirt alleine ernähre heute rund 140 Menschen. Diese wiederum ernährten aber kaum noch einen Landwirt. Die Preispolitik mache den Hofbesitzern zu schaffen. Obwohl die Weltbevölkerung in den vergangenen 20 Jahren um 2,2 Milliarden gewachsen ist, habe der Hunger abgenommen. Was der Landwirtschaft zu verdanken sei. Dennoch hätten weltweit rund 750 Millionen Menschen nichts zu essen.

Wichtig sei der Einzug der Technik. Moderne Mähdrescher und Schlepper seien gleichzusetzen mit modernen Arbeitsplätzen. Diese wiederum würden Anreize für die Jugend schaffen, einen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft in Betracht zu ziehen.

Kinder nicht vergessen


Es gehe darum, die Arbeit und den Berufsstand des Land- und Forstwirts dem Verbraucher näherzubringen. Das funktioniere über die Nahrungsmittel, könne aber auch über die sichtbare Kulturlandschaft erfolgen. Tiere würden dabei eine besondere Rolle spielen - vor allem mit Blick auf die Kinder, die so wieder einen Bezug zur Landwirtschaft bekämen. Sepp Kellerer gab die Richtung vor, wie das Zusammenspiel besser werden kann: gegenseitige Rücksichtnahme und sich Wissen aneignen, wie Landwirtschaft funktioniert. Dazu gehöre auch, Gülle in der Nähe von Wohngebieten nicht unbedingt an Wochenenden auszubringen, wenn der gestresste Stadtmensch seine Freizeit genießen möchte.

"Qualität hat ihren Preis"


Die Landwirte müssten auch interne Probleme unter sich aussprechen, aber mit einer Stimme an die Öffentlichkeit gehen: "Nach kontroversen Diskussionen müssen Ergebnisse gemeinsam getragen werden." Die Landwirtschaft sollte kampagnenfähig werden und den Wert der erzeugten Produkte klarer bekanntmachen. Sie sollte den Kunden verdeutlichen, dass Qualität eben ihren Preis hat.

Existenz der Familienbetriebe sichernNach dem Vortrag von Sepp Kellerer (siehe oben) erläuterte Bezirkspräsident Franz Kustner für den Bauernverband den Forderungskatalog der Landwirte. Der Inhalt: Existenzsicherung der Familienbetriebe. Die Land- und Forstwirtschaft sei eine Schlüsselbranche, die sich dem Ressourcenschutz sowie der Wahrung von Heimat und Lebensqualität verschrieben habe.

Es gelte, mit Gesellschaft und Politik Maßnahmen zu ergreifen und nicht nur zuzusehen. Vor allem sei die Politik in München, Berlin und Brüssel gefragt. So müssten Existenzsicherungs-Programme für die bäuerlichen Familienbetriebe geschaffen werden. Entlastungen bei der Sozialversicherung und ein steuerliches Entlastungspaket gehören laut Kustner ebenfalls dazu. Es dürfe kein Machtkampf der Lebensmittelhändler auf dem Rücken der Bauern stattfinden.

Weitere Forderungen waren: Abbau der Auswirkungen des Russland-Embargos und wirksame Initiativen zur Absatzförderung durch das Ministerium und die EU.
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