Wirtschaftliche Lage der Luitpoldhütte
"Talsohle durchschritten"

Wir sind eigentlich eine tolle und gute Gießerei, sagen unsere Kunden. Aber der Wettbewerb hat sich verschärft.

"Wir haben von Dezember bis März besser gewirtschaftet, als zu befürchten war", schildert Christiane Berger die aktuelle Lage der Luitpoldhütte (LH). Die Arbeitsdirektorin setzt den Wermutstropfen aber gleich hinzu, wenn sie darauf verweist, dass die Kurzarbeit das Unternehmen wohl das Jahr über weiter begleitet.

Für die Belegschaft ist die aktuelle Lage inzwischen Alltag, geprägt eben davon, dass für den Großteil seit Ende 2014 nicht mehr die Fünf-Tage-Woche zählt, sondern kürzergetreten wird. Darüber, wie es in den zurückliegenden Monaten gelaufen ist, und was in der nächsten Zukunft ins Haus steht, wurde unlängst in einer "informatorischen Betriebsversammlung" unterrichtet, bestätigte Berger auf Nachfrage.

Für Kunden eine Rolle

Und die Arbeitsdirektorin ergänzte, was sie auch vor den Beschäftigten verdeutlicht hatte: "Wir sind eigentlich eine tolle und gute Gießerei, sagen unsere Kunden. Aber der Wettbewerb hat sich verschärft." Diese zwei Sätze beschreiben auch, worum es für das Unternehmen momentan geht. Da sind zum einen die geringer gewordenen Kundennachfragen aus Übersee - nicht zuletzt deshalb, weil die LH-Konzernmutter JSC Cheboksary Aggregate Works in Russland zu Hause ist. "Für Kunden in den USA spielt die Frage der Eigentümer schon eine Rolle", verdeutlichte Berger und verweist auf die anhaltende Ukraine-Krisen mit ihren Auswirkungen auch auf die deutsche Wirtschaft.

Warten auf Aufschwung

Zum anderen habe sich der Wettbewerb gerade im Sektor Eisenguss "massiv verschärft". Neben Konkurrenz beispielsweise in China dränge immer stärker auch eine Gießerei in der Türkei mit potenten Kapitalgebern in Skandinavien ins Geschehen hinein. Dessen ungeachtet bleibe das Management an der Sulzbacher Straße nicht untätig. Und hier gebe der europäische Binnenmarkt durchaus Anlass, positiv nach vorne zu schauen: "Wir haben die Talsohle wohl durchlaufen", war sich Christiane Berger sicher. Zugleich aber schränkte sie ein: "Ein echter Aufschwung lässt noch auf sich warten."

Vor diesem Hintergrund seien auch die Gespräche zu sehen, die derzeit mit der IG Metall geführt würden, um zu prüfen, ob die eine oder andere Abweichung vom Tarifvertrag machbar sei. Ursprünglich wollte die LH die Krise nutzen, um in die Produktionstechnik zu investieren. Doch die rückläufigen Umsätze könnten für diese Pläne mitunter hinderlich sein. "Dennoch gibt es einige Sachen, die gemacht werden müssen", beschreibt die Arbeitsdirektorin die Lage.

Dies alles im Kontext betrachtet, gelte es derzeit halt zu prüfen, ob die Luitpoldhütte für die Zukunft besser daran täte, zu expandieren, sich zu verkleinern oder aber den Status quo beizubehalten. Um dies alles hinreichend untersuchen und danach daraus die richtigen Schlüsse ziehen zu können, ist laut Berger daran gedacht, einen externen Berater ins Haus zu holen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.