Zentrale Pflegeschule für Krankenhaus und Altenheim in Amberg
Die Pflege braucht selber eine

Reine Harmonie herrschte nicht beim Ortstermin im Wallmenichhaus (von links): Oberin Brigitte Wedemeyer, SPD-Vorsitzende Hannelore Zapf, Bürgermeisterin Brigitte Netta, Tatjana Richter, MdL Kathrin Sonnenholzner, Birgit Hübner, Kerstin Wittmann, MdL Reinhold Strobl und Claudia Staudinger. Bild: Hartl

Früher lagen an Montagen immer sehr viele Fußballer mit kaputtem Kreuzband in der Unfallchirurgie. Heute sind es vor allem alte Menschen, die gestürzt sind und deshalb behandelt werden. Und die gepflegt werden müssen.

Die Pflege soll generalisiert werden. Künftig soll es gleichgültig sein, ob jemand später einmal in einem Krankenhaus oder Altersheim arbeitet - die Ausbildung findet an einer zentralen Pflegeschule gemeinsam statt. Eine Generalisierung, die auch von der Schwesternschaft Wallmenich-Haus begrüßt wird, die in der Stadt sowohl ein eigenes Altenheim betreibt, aber auch für die Krankenpflege am Klinikum und die entsprechende Ausbildung des Nachwuchses zuständig ist.

Reihe von Problemen

Eine ideale Situation für die SPD- Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner, zugleich Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pflege, die sich am Freitag im Wallmenich-Haus viel Zeit nahm, um mit den Pflegeexpertinnen um Oberin Brigitte Wedemeyer über die drängendsten Probleme zu sprechen - und das sind nicht wenige.

Das fängt an in der künftigen Ausbildung, wo die Kinderkrankenpflege nach Ansicht von Claudia Staudinger, der Leiterin der Krankenpflegeschule, im Vergleich zu den anderen Bereichen viel zu kurz kommt. "Es geht einfach in die Richtung, dass die Altenpflege bevorzugt wird", sagte sie. Sie fordert eine Professionalisierung der Ausbildung, eine frühzeitige Fort- und Weiterbildung sowie eine angemessene Bezahlung auch der Lehrkräfte. "Bei uns existiert tariflich immer noch die Unterrichtsschwester, die es überhaupt nicht mehr gibt."

Kerstin Wittmann, die Pflegedirektorin des Klinikums, verlangte vehement die Einführung einer eigenen Pflegekammer. Es sei ein Unding, dass das Fachpersonal in den entsprechenden Gremien allenfalls ein Anhörungs-, keineswegs aber ein Mitspracherecht besitze. Eine Forderung gar nicht nach dem Geschmack von Kathrin Sonnenholzner. Sie kenne nämlich auch sehr viele Menschen, die sich gegen eine "Zwangsverkammerung" stellen würden.

Keinen Gefallen tut dem Berufsbild nach Kerstin Wittmanns Ansicht die bundesweite Initiative "Pflege am Boden". "Wir müssen uns ein positives Image verschaffen", meinte sie. Einig war sich Wittmann mit Kathrin Sonnenholzner, dass eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte und eine bessere Personalausstattung der Häuser nicht ohne eine Anhebung des Beitragssatzes für die Krankenkasse zu machen sind.

Pflege-TÜV abschaffen

Ein weiterer Hemmschuh für die Pflegekräfe ist nicht nur nach Ansicht von Tatjana Richter, der Leiterin des Wallmenich-Altenheims, die Dokumentationspflicht, die große Teile der Arbeitszeit koste und in den meisten Fällen gar nichts bringe. Oft gehe sie mit einer Flut von häufig unsinnigen Bestimmungen einher: "Wir verbringen Tage und Wochen damit, den Abstand zum Toilettenpapierhalter zu messen", klagte sie und plädierte für die Abschaffung des Pflege-TÜV. Der sei überflüssig, da er nicht die Heime, sondern die Dokumentationen prüfe und ohnehin nur sehr gute Noten herauskämen.

Letzte im Bunde war dann noch Birgit Hübner, die Pflegedienstleiterin der Sozialstation. "Wir sind der Willkür der Pflegekassen ausgesetzt", sagte sie und garnierte das mit einigen besonders "gelungenen" Beispielen wie fehlenden Abrechnungswochen, wenn der Monat mitten in einer Woche anfange.
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