Abschied mit Tränen

So hatte sich Robert Ziegler (links) sein letztes Spiel nicht vorgestellt. Statt mit den Spielern den Klassenerhalt zu feiern, musste er sie (im Bild Marcel Fürsattel) nach dem Abstieg in die Landesliga trösten. Bild: Ziegler
Lokales
Ammerthal
01.06.2015
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Für Robert Ziegler ist es eine Herzensangelegenheit, ein Freundschaftsdienst - doch die Rückkehr zum Fußball-Bayernligisten DJK Ammerthal endet mit einer "fürchterlichen Enttäuschung".

(frü) In fast 40 Jahren als Spieler und Trainer war es der erste Abstieg für Robert Ziegler, eine Erfahrung, auf die er liebend gerne verzichtet hätte. Seine Entscheidung von Mitte März, aus der "Trainer-Rente" zurückzukehren und nach der Entlassung von Markus Mühling bei der DJK Ammerthal auszuhelfen, bereut der 45-Jährige allerdings nicht.

Abstieg in die Landesliga. Wie sehr knabbert das an Ihnen?

Robert Ziegler: Es ist eine ganz bittere Situation, die einen schon beschäftigt. So etwas verdaut man nicht, wahrscheinlich nie.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum gegen den ASV Burglengenfeld zweimal verloren wurde?

Ziegler: Da gibt es natürlich viele Gründe. Zentrales Thema war aber, dass es die Mannschaft aus der Bayernliga nicht gewohnt war, gegen einen so tiefstehenden Gegner zu spielen. Wir hatten einfach nicht die Mittel und die Erfahrung, die Angelegenheit in 180 Minuten für uns zu regeln.

Machen Sie Ihrer Mannschaft einen Vorwurf?

Ziegler: Was ich ihr auf keinen Fall absprechen möchte, ist der Wille. Der ein oder andere hat es sich vielleicht ein bisschen leichter vorgestellt nach dem relativ guten Ende in der Bayernliga. Für den ein oder anderen war es sicherlich auch überraschend, wie kompakt und aggressiv Burglengenfeld zu Werke gegangen ist. Aber spätestens beim Anpfiff des Rückspiels war das jedem klar - und entsprechend haben wir auch gespielt.

Und trotzdem reichte es nicht...

Ziegler: In Burglengenfeld haben wir in den ersten zehn Minuten drei Möglichkeiten. Gehen wir da in Führung, dann wäre es vielleicht anders gelaufen. Aber hätte, wäre, könnte - es ist, wie's ist. Wir sind runtergegangen - und das auch nicht unverdient.

Als Absteiger zählt Ammerthal in der neuen Saison sicherlich zu den Titelkandidaten. Für Sie auch?

Ziegler: Die Mannschaft hat Qualität, muss aber noch reifen, sich festigen. Wobei ich schon glaube, dass in der Landesliga auch andere Dinge gefragt sein werden.

Zum Beispiel?

Ziegler: Das, was Burglengenfeld gezeigt hat - das meine ich jetzt nicht despektierlich - hat mit Bayernliga-Fußball nichts zu tun. Dass man sich so wenig am Spiel beteiligt, reinen Konterfußball, das erlebt man in der Bayernliga eher weniger. Ammerthal wird in der nächsten Saison sehr, sehr oft auf solche Teams treffen. Ich denke, die Verantwortlichen wissen aber, was da zu tun ist. Und ich kann nur von Herzen wünschen, dass sie ein gutes Händchen haben, Geduld beweisen, um den Verein wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört - nämlich in die Bayernliga.

Bereuen Sie es eigentlich, noch einmal nach Ammerthal gegangen zu sein?

Ziegler: Überhaupt nicht! Aber es wäre mir natürlich wahnsinnig lieb gewesen, wenn wir einen erfolgreichen Abschluss gehabt hätten.

Sie waren der dritte Trainer, kamen im März, in der laufenden Runde. Zuvor wurde fast das komplette Team ausgewechselt. Auch ein Grund für das Scheitern?

Ziegler: Was ich vorgefunden habe, war eine Ansammlung von Einzelspielern. Sie waren weder körperlich, noch taktisch, noch spieltechnisch in einem akzeptablen Zustand. Die Arbeit, die davor in der achtwöchigen Wintervorbereitung geleistet wurde, war einfach nicht ausreichend, um einen verschworenen Haufen auf dem Platz zu haben. Das hat uns Burglengenfeld voraus gehabt.

Sie hatten von Anfang an gesagt, dass nach der Saison Schluss ist und es den Trainer Robert Ziegler nicht mehr geben wird. Bleibt es dabei?

Ziegler: Was will einer wie ich noch erreichen? Ich kann maximal Bayernliga trainieren, weil ich berufstätig bin. Ich habe in Ammerthal und beim SC Feucht und davor als Spieler alles erlebt, was man erleben kann. Und jetzt, auch wenn das ironisch ist, zum krönenden Abschluss auch einen Abstieg...

Und wenn eines Tages Ammerthal anruft...?

Ziegler: Dann freue ich mich, wenn sich ein Freund meldet und wir uns zum Essen treffen. Aber nicht noch einmal für die Trainerbank.
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