Ammerthal: Gemeinderat Koller schlägt Bürgern vor, sich beim Schulsportplatz ohne die Behörde ...
Das Landratsamt als Buhmann

Dass 18- oder 19-jährige Jungs zum Bolzen abends um 19 Uhr auch den Bolzplatz beim Stodlwirt nutzen sollten, da bin ich dabei.
Lokales
Ammerthal
27.04.2015
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Mit einem Kompromissvorschlag versucht Gemeinderat Stephan Koller (Bürgerforum Ammerthal) die Schärfe aus dem Streit um die Nutzung des Schulsportplatzes in Ammerthal zu nehmen. Seine Idee: Man solle die Jüngeren bis 18 Uhr dort spielen lassen, die Größeren könnten auch gut den Bolzplatz außerhalb der Ortschaft nutzen.

Nicht gut kommen in Kollers Schreiben an die Amberger Zeitung das Landratsamt und dessen Chef Richard Reisinger weg. Die Behörde hat vor wenigen Tagen eine von der Gemeinde beantragte Nutzungsänderung abgelehnt, die bedeutet hätte, dass auf dem Schulsportplatz werktags von 14 bis 19 Uhr ohne Altersbeschränkung gespielt werden darf. Nur eine erweiterte Nutzung durch die Mittagsbetreuung der Grundschule unter der Woche zwischen 13 und 16.30 Uhr wurde genehmigt.

"Dass aus dem Landratsamt nur sehr selten Schriftstücke kommen, die den vielen ... Ammerthalern besonders gut gefallen, ist seit Ende 2011 und dem Wasserstreit sehr gut bekannt", legt Koller den Finger in eine alte Wunde.

BR-Moderator Christoph Süß habe in seiner Sendung "quer" den Nagel auf den Kopf getroffen: Würden die Kinder auf der Straße Fußball spielen, würde der Lärm noch mehr sein und eine Nutzungsänderung sei dafür gar nicht erforderlich. Koller dazu: "Ich gehe sogar noch ein Stück weiter: Sind wir findig, dann organisieren wir eine Schulsportgruppe oder Arbeitsgruppe Schulfußball und die bestehende Nutzungsgenehmigung wird eingehalten."

Er könne die klagenden Anwohner schon auch ein Stück weit verstehen, schreibt Koller, er sei aber auch der Meinung, "dass Kinderlärm und Sport, körperliches Austoben durchaus auch in der Dorfmitte stattfinden können muss. Ein Kompromiss hätte erzielt werden müssen."

Anstatt "seitenlange Ablehnungsbescheide verfassen zu lassen", hätte nach Kollers Auffassung "der sonst so harmoniebedürftige Landrat Richard Reisinger" den Vermittler spielen können. "In Sachen Ammerthal ist aber seit Jahren das Abtauchen sein liebstes Motto und wahrscheinlich auch der Wahlkampfslogan. Nix sagen, dann verderbe ich es mir mit keiner der Parteien in Ammerthal, wird er sich vermutlich denken. Sein Handeln ist sicherlich so interpretierbar", meint Koller.

Seine Kompromissidee basiert darauf, dass auch die Gemeinde von ihrer Maximalforderung abrücken kann: "Dass 18- oder 19-jährige Jungs zum Bolzen abends um 19 Uhr auch den Bolzplatz beim Stodlwirt nutzen sollten, da bin ich dabei. Die haben lautstark und schussgewaltig andere Möglichkeiten, weiter entfernt vom nächsten Wohnhaus. Dass wir es aber den Kindern der Grundschule schon am Nachmittag verbieten und wir auch die elfjährigen Nachwuchskicker außerhalb des Orts verbannen, dafür fehlt mir das Verständnis."

Einen Kompromiss vorzuschlagen, wäre laut Koller auch Sache des Landratsamtes: "Warum messen sie nicht mal den Lärm in der Realität, sondern nehmen irgendwelche Werte anderer Orte und berechnen fiktive Lärmbelästigungen, die dann Grundlage für Bescheide in Ammerthal werden?"

Koller ruft die "lieben Anwohner des Schulsportplatzes" auf, mit dem Gemeinderat "und vielleicht auch dem Landratsamt" einen Kompromiss auszuhandeln. Der könnte zum Beispiel so aussehen: "Wir erlauben den Jungs und Mädels bis inklusive 13 Jahren die Nutzung des Schulsportplatzes täglich bis 18 Uhr zum Fußballspielen und für das gesunde Aufwachsen im Freien, nicht vor den TV-Geräten und Computern. PCs bedienen und davor sitzen, das müssen sie schon in der Schule die ganze Zeit; geben wir ihnen die Chance am Nachmittag zwei oder drei Stunden was anderes zu tun. Und, liebe Anwohner, vielleicht einigen wir uns auch ohne das Landratsamt. Dann sparen wir uns das Geld für einen erneuten Bescheid! Und dem Landrat ersparen wir die Lorbeeren."
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