Sitter-Czarnec jetzt richtig sauer

Nicht alle Anwohner des Schulsportplatzes haben etwas gegen den Lärm, den Kinder dort nachmittags verursachen könnten: Einer hat dagegen zwar Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht, zwei andere aber teilten Bürgermeisterin Alexandra Sitter-Czarnec mit, sie hätten noch nie Probleme mit den spielenden Kindern gehabt. Bild: hl
Lokales
Ammerthal
23.04.2015
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Schwer enttäuscht ist Bürgermeisterin Alexandra Sitter-Czarnec über das Landratsamt. Das hatte den Antrag abgelehnt, den Schulsportplatz durch die Allgemeinheit nutzen zu lassen. Fast noch mehr ärgerte die Bürgermeisterin aber eine Rechnung über 49,90 Euro.

"Der Titel 'Landratsamt moniert Lautstärke' ist in diesem Fall noch jovial ausgedrückt", bemerkte die Bürgermeisterin zu unserer Berichterstattung, als sie am Mittwoch im Gemeinderat nochmals auf das Thema einging. Die Gemeinde hatte eine Nutzungsänderung für den Schulsportplatz beantragt: In Zukunft sollte die Öffentlichkeit werktags zwischen 14 und 19 Uhr auf das Gelände können - und zwar ohne Altersbeschränkung. Das Landratsamt lehnte das ab.

Genehmigt wurde lediglich eine erweiterte Nutzung durch die Mittagsbetreuung der Grundschule, also für Kinder zwischen sechs und elf Jahren: Die dürfen jetzt mit offiziellem Segen den Platz wochentags zwischen 13 Uhr und 16.30 Uhr nutzen. "Für mich ist der Bescheid des Landratsamtes eine sehr traurige Nachricht, vor allem eben zu Zeiten, in denen allerorten die Bewegung von Kindern propagiert wird", bemerkte Alexandra Sitter-Czarnec zu der am 16. April vom Landratsamt versandten Entscheidung. Kinder, so sagte sie, dürfe man ja noch als Inbegriff von Bewegungsfreude sehen. Bewegungsmangel von Kindern bedeute ihrer Meinung nach in Zukunft für die gesamte Gesellschaft höhere Kosten durch Krankheit.

"Aber offensichtlich zahlt man im Landratsamt Amberg-Sulzbach lieber und nimmt diese Kosten in Kauf, anstatt dass man Kindern und Jugendlichen im Dorfzentrum und frei Haus Fuß- oder andere Ballspiele in einer Gemeinschaft mit allen Altersgruppen erlaubt", hielt Sitter-Czarnec der Behörde vor. Für sie sei die negative Entscheidung des Landratsamtes in keiner Weise nachvollziehbar. "Warum ziehen denn Eltern mit ihren Kindern noch aufs Land?", fragte sie. Man erhoffe sich doch für die komplette Familie und insbesondere für die Kinder und Jugendlichen unbelastete Bewegungsmöglichkeiten.

Der zulässige Immissionsrichtwert für die Tageszeit von 55 Dezibel und ein Beurteilungspegel von 61,5 Dezibel für das nächste Wohnhaus seien errechnet worden, habe es vonseiten des Landratsamtes geheißen. "Über diese Messmodalitäten bin ich einigermaßen irritiert", übte die Bürgermeisterin Kritik. Denn: "Eine Messung ist ja im für mich herkömmlichen Sinne nie erfolgt." Die in der Zeitung veröffentlichten Dezibelwerte basierten "lediglich auf Schätzungen, nur auf Richtwerten". Da habe das Landratsamt es sich anscheinend recht leicht gemacht.

Was der Bürgermeisterin so "richtig sauer aufstößt" war, "dass wir dann für diesen Bescheid noch eine Gebühr von 49,90 Euro zahlen sollen". Im Gegenzug erinnerte sie an die reichliche Kreisumlage der Gemeinde Ammerthal von rund 50 000 Euro im Monat.

Nun könne man gegen diesen Bescheid des Landratsamtes binnen eines Monats Klage beim Verwaltungsgericht in Regensburg einreichen. "Da liegt bereits eine Klage vor, allerdings nicht von der Gemeinde", bemerkte Alexandra Sitter-Czarnec dazu. Bereits bei der Bürgerversammlung hatte sie darauf hingewiesen, dass ein Nachbar, der sich vom Gebolze auf dem Platz gestört fühle, vor das Verwaltungsgericht gezogen war.

Nicht alle Anwohner des Schulsportplatzes fühlen sich aber offenbar vom angeblichen "Lärmpegel unzumutbar belästigt oder gestört", hielt die Bürgermeisterin fest. Zwei direkte Anwohner hätten sie nämlich gebeten, dafür Sorge zu tragen, "dass ihre an den Schulsportplatz angrenzenden Häuser im Zusammenhang mit der Thematik nicht mehr in der Zeitung erscheinen". Sie hätten noch nie ein Problem mit den spielenden Kindern und Jugendlichen gehabt - "ganz im Gegenteil".

Die Gemeinde versucht derweil laut Sitter-Czarnec alles, um Kindern und Jugendlichen die nötigen Bewegungs- und Spielmöglichkeiten zu schaffen: "Ich darf versichern, dass die Gemeinde Ammerthal derzeit mit Hochdruck an einer Aufwertung des Bolzplatzes arbeitet."
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