Ammerthaler zu Besuch in Israel
Modiin gehört längst zur Familie

Die Klagemauer in Jerusalem war ein Ziel der Ammerthaler. Manche nutzten die Gelegenheit, um zu beten und einen Wunschzettel in die Ritzen des berühmten Bauwerks zu stecken. Bilder: oe (2)
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Ammerthal
08.06.2016
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Rektorin Elvira Rückerl (rechts) ließ sich den Unterricht mit modernen Medien erklären.

In Tel Aviv wird gefeiert, in Jerusalem wird gebetet und in Haifa wird gearbeitet: Dass diese Redensart nicht nur so dahingesagt ist, erlebten elf Ammerthaler bei ihrem Besuch in der Partnergemeinde Hevel Modiin in Israel.

Sie hatte die Ammerthaler ins Heilige Land eingeladen und dafür ein beeindruckendes Programm auf die Beine gestellt. In einem Kibbuz wurden die Ammerthaler in Jiddisch-Daitsch mit "kommste rein" begrüßt. An jedem Abend gab es private Einladungen und man traf viele Freunde, darunter auch einige, die selbst schon vor mehr als zwei Jahrzehnten in Ammerthal waren.

"Das ist gelebte Partnerschaft", sagte Gerhard Doerfler vom Modiin-Verein, als er einen jungen Israeli traf: Der war vor sieben Jahren selbst in einem Jugendaustausch in Ammerthal und empfing die Gruppe nun auf fast Bayrisch - mit Servus, Prost, Hosenträger und Fichtenhof. Bürgermeister Shimon Susan (Hevel Modiin) betonte: "Wir sind nicht nur Partner, inzwischen sind wir eine Familie." Israel und Deutschland pflegten viele Partnerschaften, merkte Gerhard Doerfler vom Ammerthaler Modiin-Verein an: "Unsere Partnerschaft, die Jahr für Jahr aktiv ist, zählt mit zu den älteren - und steht nicht nur auf dem Papier." Tatsächlich besuchen sich Modiiner und Ammerthaler seit Jahren auch privat, sei es zu Hochzeiten, Weihnachten oder im Urlaub. Besonders beeindruckte die Oberpfälzer der Besuch am Gazastreifen. Nah an der Grenze leben viele Israelis. Für uns nicht vorstellbar: Alle Gebäude haben einen Bunker. Bei Alarm haben die Bürger 15 Sekunden Zeit, sich zu schützen. In Kindergärten und Schulen wird das laufend geübt. In der Hauptstraße Haifas, der drittgrößten Stadt Israels, prägen viele typisch deutsche Häuser das Bild. Im 19. Jahrhundert hatten sich hier die aus Württemberg kommenden Templer angesiedelt.

Tel Aviv und Jerusalem durften ebenfalls nicht fehlen. Die Führung in Yad Vashem, der bedeutendsten Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und diese auch wissenschaftlich dokumentiert, stimmte alle nachdenklich und traurig. An der Klagemauer steckten die Ammerthaler Zettel mit Wünschen und Gebeten in die Ritzen. Am Toten Meer konnten sie sich überzeugen, dass man hier aufgrund des hohen Salzgehalts tatsächlich auf dem Wasser liegen kann.

Einblicke ins israelische SchulsystemAuf Wunsch des Modiin-Vereins besuchten die Ammerthaler zur Freude der Ammerthaler Rektorin Elvira Rückerl auch Schulen in Israel - eine Regel- und eine Waldorfschule sowie eine Schule zur Lebenshilfe.

Besonders beeindruckt waren die Oberpfälzer vom effizienten Unterricht mit hochmodernen Medien wie Laptops für jeden Schüler mit Computerprogrammen zur individuellen Förderung. Differenzierung wird groß geschrieben: In jeder Klasse unterrichten zwei Lehrer, unterstützt von einem Systemmanager. Auch in den Ferien stehen alle Schüler über eine mediale Plattform mit dem Lehrer in Verbindung und erhalten bei Förderbedarf Anregungen zur Übung. In der Schule für Lebenshilfe überzeugte die persönliche Hinwendung zu den Schülern und deren Vorbereitung auf ein eigenständiges Leben, und, wenn möglich, auch auf den Beruf. (oe)
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