Expertin plädiert für kindgerechte Gärten
Bewusst Steine in den Weg legen

Susanne Deutschländer. Bild: mof
Vermischtes
Ammerthal
22.02.2016
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Am Ende war jedem klar, wie wichtig ein kindgerechter Garten für alle ist: Der Kinder-Garten war Thema von Susanne Deutschländer, Diplom-Ingenieurin (FH) der Landespflege aus dem Landkreis Schwandorf, bei einem Vortrag beim Gartenbauverein in der Aula der Grundschule.

Ein kindgerechter Garten sollte die Bedürfnisse des Nachwuchses berücksichtigen: Nur selten deckten sich diese mit den Vorstellungen der Erwachsenen, betonte Deutschländer. Erschreckend seien Studien zur Folge von Bewegungsmangel bei Kindern: Krankheiten wie Osteoporose seien auf dem Vormarsch, Verhaltensauffälligkeiten entstünden, weil die Anspannung nicht herausgetobt wird, Radunfälle passieren immer öfter, weil der Gleichgewichtssinn nicht ausreicht. Ein Garten für Kinder muss laut Deutschländer Spiel- und Rückzugsraum sein. Durch selbstvergessenes Spiel ohne für Erwachsenen sichtbare Erfolge würden notwendige Kompetenzen erreicht - vom Greifen zum Begreifen. Mutproben seien ein Zeichen für den Drang der Kinder, Unbekanntes zu erforschen, Verbotenes zu tun. Dabei erfahren sie ihre Fähigkeiten, beweisen sich und anderen, was sie können und stärken ihr Selbstwertgefühl. Rennen, laufen, hüpfen, schaukeln, schwingen, rutschen, klettern und balancieren seien ihre emotionalen Grundbedürfnisse.

Kinder lieben laut Deutschländer Unfertiges. Spielgeräte beschäftigten sie nur kurz, gepflegte Rasenflächen böten wenige Interessantes. Sie wollen graben, einen Unterschlupf aus Brettern, Ästen, Moos bauen, auf Bäume klettern. Flieh- und Schwerkraft sowie andere physikalische Gesetzmäßigkeiten erlernten sie im hügeligen Gelände, beim Hang Runterpurzeln, Schaukeln, im Haselnussstrauch Wippen. Laubhaufen verleiten dazu, sich einzugraben, zu basteln, hineinzuspringen. Sand und Steine seien begehrtes Baumaterial. Spitzenreiter bei Kinderwünschen seien Wasser, Matsch und Pfützen.

Im eigenen Beet mit Kartoffeln, Erdbeeren oder Radieschen erfahren Kinder die Faszination der Entwicklung vom Samenkorn zur Pflanze, aber auch Ursache und Wirkung ihres Tuns durch Erfolg und Misserfolg. Kinder brauchten auch Rückzugsräume: Ihnen diese zuzugestehen, heiße, ihnen Vertrauen entgegenzubringen. Je natürlicher ein Garten ist, umso mehr gibt es für Kinder zu erforschen und entdecken: "Wir sollten den Kindern in unseren Gärten also bewusst Steine in den Weg legen - sie werden sie sicher nutzen", sagte Deutschländer.
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