Gemeinderat moderater
Normalität kehrt ein

Vermischtes
Ammerthal
26.02.2016
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In nahezu jeder Verkehrsschau mit Vertretern der Verkehrspolizei (...) wurde die Beschilderung ganz Ammerthals mit "Tempo 30" als nicht rechtlich haltbar bezeichnet.

Die Entscheidungen der neuen Mehrheiten im Gemeinderat passen natürlich nicht jedem Ammerthaler. Die Sorgen sind jedoch viel alltäglicher und der Ton deutlich moderater geworden.

Vergessen sind all die Wunden, die der erbitterte Trinkwasser-Streit in dem Dorf gerissen hat, sicher nicht. Doch es kehrt so etwas wie lokalpolitischer Alltag ein. Das machte die Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Schulsporthalle deutlich. Das Rathaus und der Gemeinderat sind um Sachlichkeit und Transparenz bemüht. Eine Stunde lang referierte Dr. Heinrich Schulte vom gleichnamigen Veitshöchheimer Kommunalberatungs-Dienstleister zur Berechnung neuer Beitrags- und Gebührensätze der kommunalen Wasserver- sowie Abwasserentsorgung.

Hintergrund sind entsprechende sogenannte Globalberechnungen, die das Büro im Auftrag des Gemeinderates erstellt. Seit 1. Januar gelten neue Gebühren, geänderte Verbesserungs- sowie Herstellungsbeiträge werden folgen. Ausgangspunkt sind der Anschluss der Trinkwasserversorgung an Amberg und die bevorstehende Verbesserung der Abwasserentsorgung in Fichtenhof. Schulte erläuterte ausführlich die gesetzlichen Grundlagen und legte detailliert dar, weshalb die Überprüfung von aktuellen Grundstücks- und Gebäudegeschossflächen notwendig ist. So hätten Erfahrungswerte ergeben, dass - aus welchen Gründen auch immer - lediglich sieben Prozent der den Kommunen vorliegenden Planunterlagen mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmen würden.

Weiterhin umstritten


Zuvor hatte Bürgermeisterin Alexandra Sitter ihren Bericht erstattet und unter anderem betont, dass "in nahezu jeder Verkehrsschau mit Vertretern der Verkehrspolizei (...) die Beschilderung ganz Ammerthals mit 'Tempo 30' als nicht rechtlich haltbar bezeichnet" wurde. Das ist den Wortmeldungen nach derzeit der einzige Aufreger im Ort. Der Gemeinderat hatte über Monate hinweg ein neues innerörtliches Verkehrskonzept kontrovers diskutiert und in einer Kampfabstimmung durchgesetzt.

Klare Verhältnisse


Vor 25, 30 Jahren nahezu wegweisend, war das gesamte Dorf bisher als Tempo-30-Zone ausgewiesen worden. Eine straßenverkehrsrechtliche Grundlage gibt es dafür nicht. In Abstimmung mit der Polizei wurde deshalb beschlossen, auf den Durchgangsstraßen innerorts übliche 50 Stundenkilometer zuzulassen, parallel aber die Vorfahrtsregel Rechts-vor-links in Kraft zu setzen. Das werde gleichfalls die gewünschte Tempo-Reduzierung gewährleisten, argumentierten die Befürworter.

Das sehen nicht alle Ammerthaler so. Besonders stört sie aber, dass zugleich einige Straßen durch Wohngebiete auf Fahrzeuge mit maximal 7,5 Tonnen beschränkt wurden. Das beeinträchtige den landwirtschaftlichen Verkehr, sagen die Kritiker. In vertretbarem Maß, wird ihnen entgegengehalten. Denn hier sollen Schleichwege für den Schwerlastverkehr unterbunden werden.
In nahezu jeder Verkehrsschau mit Vertretern der Verkehrspolizei (...) wurde die Beschilderung ganz Ammerthals mit "Tempo 30" als nicht rechtlich haltbar bezeichnet.Alexandra Sitter, Bürgermeisterin

Einwohner

Ammerthal hat derzeit 2111 Einwohner (Erstwohnsitz). 2015 gab es 17 Geburten und 13 Sterbefälle, 16 Prozent der Bürger sind über 65 Jahre alt. Die Gemeinde hat einen dreigruppigen Kindergarten samt Krippe und eine Grundschule mit 78 Kindern in vier Klassen. Die Mittagsbetreuung besuchen rund 70 Kinder. Seit November vergangenen Jahres leben in dem Ort rund 20 Flüchtlinge (auch Familien) als Asylbewerber, im nächsten Monat sollen 25 weitere hinzukommen.

Finanzen

Gemeindekämmerer Michael Herdegen bezifferte den Schuldenstand zum Jahreswechsel 2015/16 auf 2,6 Millionen Euro (Vorjahr 2,1). Die Pro-Kopf-Verschuldung stieg damit auf 1250 Euro (999), im Landkreisdurchschnitt liegt sie bei 1505 Euro. Das Haushaltsvolumen betrug 2015 insgesamt rund 4,8 Millionen Euro.

Die größten Projekte

Der Trinkwasser-Anschluss an Amberg schlug 2015 noch mit 288 000 Euro zu Buche. In einem zweiten, erfolgreichen Anlauf wurde die (kleine) Dorferneuerung von Viehberg in Angriff genommen, die nötige Kläranlagen-Sanierung (Rückbau, Anschluss an Zweckverband Amberg-Kümmersbruck) ist auf rund 690 000 Euro veranschlagt.
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