In Degelsdorf treiben sit Jahren auch Musiker ihren Schabernack
Nicht nur Hexen haben Töne

Peter Nittmann und sein Frau Hedwig, sowie eine Menge freiwilliger Helfer organisieren das Walpurgisfest seit zehn Jahren, heuer wird das Musikantentreffen erstmals am 7. Mai stattfinden - und wohl auch zum letzten Mal.
 
Richard Ziegler (von links) zupft als ältester Teilnehmer die Teufelsgeige, daneben Peter Nittmann mit der Steirischen, er ist der Initiator der Musikantennacht. Bilder: swt (2)

Wenn der 1. Mai naht, dann ist die Walpurgisnacht nicht weit. Da treiben die Hexen so allerlei Schabernack. Auch in Degelsdorf hat sich seit Jahren eine Tradition eingenistet, allerdings hexen und zaubern die dortigen Akteure auf andere Art.

Degelsdorf. Musikanten sind es, die sich am Abend im Schützenheim ein Stelldichein geben, und auf ihren Instrumenten so manches Volksgut hervorzaubern. Heuer müssen sie ihre Nacht allerdings um eine Woche verschieben. Die Flut an Veranstaltungen macht es notwendig. So zaubern und hexen die Liebhaber zünftiger Musi nun erst am Samstag, 7. Mai, aber das wird der Hingabe und zauberhaften Atmosphäre keinen Abbruch tun. Da ist die Teufelsgeige ebenso dabei, wie die Steirische, werden gesangliche Einlagen von ernst bis lustig geboten und fast 30 Notenkünstler sorgen mittlerweile für einen gelungenen Abend.

Vor zehn Jahren


Begonnen hatte alles bei Peter Nittmann und seiner Frau Hedwig. Als Vorsitzender des Schützenvereines Eichenlaub Degelsdorf hat der 60-Jährige immer wieder nach Ideen für Veranstaltungen gesucht. Was lag da für den passionierten Musiker näher, als ein Fest für Musikanten zu planen. Zehn Jahre ist es her, dass zum ersten Mal ein Treffen stattfand. Acht Musiker folgten damals der Einladung von Nittmann. Sie kamen erstmals Ende April zum gemeinsamen Musizieren im gemütlichen Rahmen zusammen. Schon damals war der Gastraum im Schützenheim rappelvoll.

Mittlerweile hat sich das Treffen aber soweit herumgesprochen, dass auch der Raum, in dem sonst der Schießstand aufgebaut ist, mit einbezogen wurde. Auf einer kleinen Bühne dürfen rund 30 Akteure ihre Kunst zum Besten geben. Sie kommen aus Grafenwöhr, Sulzbach-Rosenberg, Mitterteich, Nürnberg oder Waldsassen.

Akkordeon, Steirische, Blechblasinstrumente, Teufelsgeigen, aber auch Gesang erfüllen die Räume, Volkslieder, Schnaderhüpfl und auch ernste Lieder runden das Programm ab. Nittmann ließ sich bei jedem Termin die Adressen geben, die teils einfach so erschienen waren. Jedes Jahr informiert er sie über die Veranstaltung und lädt sie ein. Dabei sind stets auch neue Gesichter, die jüngsten sind neun und zwölf, der älteste Teilnehmer knapp 85 Jahre alt: Richard Ziegler zupft die Teufelsgeige.

Geld war knapp


Seit seinem achten Lebensjahr macht Peter Nittmann Musik. Gelernt hat der gebürtige Hannesgrüner, der in Bernreuth aufwuchs, das Akkordeonspielen bei Uschi Sertl. Als er älter wurde, wünschte er sich ein neues Instrument, das der Vater ihm aber nicht kaufen konnte. Das Geld war knapp, auch in die Knabenkapelle konnte der Bub damals nicht: "Das musste man ja alles bezahlen."

Als Teenager unterbrach er das Musizieren, weil ihm das geeignete Instrument fehlte. Erst als der junge Mann in die Ausbildung ging, verdiente er ein bisschen was und kaufte sich dann 1976 ein gebrauchtes Instrument. Die damalige Wirtin des Kreuzbräu bot ihr Akkordeon an und der 18-Jährige schlug zu. Damit war eine lange Laufbahn vorgegeben.

Eine Kapelle wollte Nittmann gründen, dazu fuhr er schon mal mit einem Kumpel nach Schwandorf, um dort ein gebrauchtes Schlagzeug zu erwerben. Er spielte in Gasthäusern, spontan bei Wanderungen oder Familienfeiern. Später lernte er die Steirische zu spielen. Erst mit 40 Jahren begann Nittmann damit, verzweifelte fast: "Ich begreif das nicht!" Die Steirische nach Noten zu spielen ist enorm schwer, erst als sich der vierfache Familienvater über die Griffschrift an das schöne Instrument wagte, gelang ihm auch dies. In der Zwischenzeit lernten seine Kinder verschiedene Instrumente: Tochter Sabrina spielt Klavier und Flöte, die Zwillinge Heiko und Mirko Akkordeon, Tochter Theresa machte das Hobby gar zum Beruf, studierte Klavier und Gesang für den Musikunterricht an Grundschulen.

In der Zwischenzeit begann Peter Nittmann Instrumente zu sammeln. Gitarren, Klaviere, sogar eine Kirchenorgel aus amerikanischem Bestand erstand er einmal. Im Nittmannschen Haus musiziert Peter gerne und oft, vor allem Sonntag vormittags weckte er damit auch die Kinder auf. Seit einiger Zeit besitzt er ein Gartenhäuschen, in dem er nun jeden Sonntag spielt und Gäste zum gemeinsamen Musizieren einlädt.

Schon Tradition


Das Walpurgisfest ist nur eine logische Folge seiner Stammtische, die er unter anderem in Steinamwasser ins Leben rief und die mittlerweile Tradition sind. Bei einem richtigen Fest darf natürlich das Kulinarische nicht zu kurz kommen. Dafür ist Hedwig Nittmann zuständig. Mit ihren Helfern kreiert sie Schmankerl wie einen deftigen Hexenkessel, saftige Sulzen oder süße Nachtischträume. Dazu gibt es eine Auswahl an Weinen oder anderen Getränken.

Rund 100 bis 120 Gäste darf das Team bewirten, die Musiker geben jeder in zwei Durchgängen je drei Kostproben ihres Könnens, danach wird gemeinsam spontan musiziert. Die Gäste sind ab 19.30 Uhr willkommen und dürfen sich auf eine launige Musiknacht im Mai freuen.
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