Entspannter Franke Stefan Eichner bringt in Michelfeld den Pfarrsaal zum Brodeln
„Leg dich nicht mit einem Komiker an“

So geht das mit dem Handheben. Der Kulmbacher Komiker Stefan Eichner fühlte sich in Michelfeld gleich heimisch, weil die Oberpfälzer es ebenso wenig wie die Franken schafften, auf die Fragen, wer schon ein Eich-Programm gesehen habe und wer noch nicht, eine auch nur halbwegs anständige Meldequote hinzubekommen. Leichte Angstzustände löst der bekennende Grillhaxn-Fan mit der Vision aus, eines Tages werde man, wenn ein Veganer das Wirtshaus betrete, als Schafkopfer nicht einmal mehr ein Sauspiel machen dürfe

Michelfeld. Das Eich hat "entspannter Franke" nicht nur auf dem T-Shirt stehen, der Bursche ist tatsächlich so. Das wissen jetzt alle Michelfelder, die den Kulmbacher am Samstag bei der Veranstaltung des Fördervereins Pfarrzentrum St. Otto im vollen Pfarrsaal erlebten. Spätestens seit das Eich die Grundregeln des Abends erklärte: Alles ist erlaubt, sogar das Handy anzulassen. Eine klitzekleine Bedingung verband Stefan Eichner aber damit: "Wenn es klingelt, gehe ich ran."

Rippchen vom Schweinswal


Wer da noch überlegte, ob man das riskieren könnte, war drei Stunden später schlauer: Es ist besser, Eichners Parole "Leg dich nicht mit einem Komiker an" zu beherzigen. Ruck-zuck bist du Teil des Programms. Wie die niedersächsische Familie, die es nicht unterlassen konnte, ihre Kinder Herakles und Aphrodite zu nennen, und die dann auf der Fähre nach Spiekeroog auch noch mit dem langhaarigen Franken aneinandergeriet. Zu allem Überfluss fragt Vater Gunnar abends im Restaurant, von welchem Fisch wohl die Spareribs stammen. "Schweinswal wahrscheinlich", donnerte das Eich durchs Lokal und war sich in diesem Moment sicher, dass auch für sein viertes Programm "Jetzt Eicht's" kein Mangel an Geschichten aus dem wirklichen Leben herrschen wird. Denn merke: "Die Welt wird immer blöder."

Das hat für den 40-Jährigen freilich einen großen Vorteil: "Blödsinn hält jung." Deshalb wird er, wenn er vom Auftritt nach Hause fährt und sich an der Tankstelle ein Feierabendbier kauft, schon mal von der Frau an der Kasse gefragt, ob er bereits volljährig ist. Seine Gegenfrage: Ob sie glaube, dass er die 96 Liter Diesel in den Tank seines Mofas reingepresst habe.

Gelegentlich verirrt sich der entspannte Franke (alias Pornodarsteller Rudi Riemen) auch schon mal unter die Gürtellinie, manövriert sich aber immer charmant wieder raus - genau wie sein bestes Stück aus dem tiefergehängten Handtrockner, als im Klo die Beleuchtung ausgefallen war. Flachwitze dagegen lehnt der Berufskomiker grundsätzlich ab. Eine Auswahl serviert er trotzdem, weil sie bei den Michelfeldern so gut ankommen. Wie der: "Sagt der große Stift zum kleinen Stift: Wachs mal, Stift!"

Mit La Ola vom Klo zurück


Wer während der Show zur Toilette geht, muss damit rechnen, dass er bei der Rückkehr vom Eich mit dem Spruch "Jetzt haben Sie aber einen Kracher verpasst" begrüßt wird - inklusive Wiederholung. Wer vor der Zugabe noch schnell raus muss, wird, wenn er zurückkommt, mit La Ola empfangen und von einem grinsenden Eich auf seinem Stuhl.

Apropos Zugabe: Die ist mehr eine "Zuruf-gabe". Auch das Michelfelder Publikum wünscht sich den Eich-Klassiker "Fragen über Fragen". Es darf sich auf dem Heimweg Gedanken darüber machen, warum Todesspritzenspitzen steril sind, warum Nasen laufen und Füße riechen, warum auch im Netto-Markt alle Preise in brutto angegeben sind. Und was passiert, wenn man sich zweimal halbtot lacht. Obwohl: Das wissen jetzt eigentlich alle, die dort waren.
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