Hans Walter Bottenbruch liest im Bürgerhaus
Zu Hause in zwei Welten

Hans Walter Bottenbruch, Physiotherapeut aus Leidenschaft, hat ursprünglich Schauspiel und Regie studiert. Er liest am Samstag, 23. April, aus literarischen Werken zum Thema "Lieben - Hassen, Hoffen - Zagen". Bild: swt

Samtweich die Stimme, imposant die Erscheinung. Seine Augen blitzen, wenn er den Harlekino aus der Oper Ariadne auf Naxos von Richard Strauß zitiert: Hans Walter Bottenbruch kennt das Gefühl, auf großen Bühnen zu stehen. Seine alltägliche Umgebung ist dagegen viel nüchterner.

Hans Walter Bottenbruch versteht es, den Zuhörer mit den Texten, die er intoniert, zu fesseln - und das auch in einer Physiotherapiepraxis. Die ist nämlich im bürgerlichen Leben sein täglicher Anlaufpunkt.

Der 59-Jährige Bottenbruch ist eigentlich gelernter Schauspieler, Regisseur, Rezitator, Sänger. Die Liste ist lang, die die künstlerische Seite seines Dasein einnimmt. Aus rein praktischen Gründen ließ er sich aber vor Jahren auch zum Masseur und Physiotherapeuten ausbilden.

Studium in Hamburg


Geboren in Basel, aufgewachsen in Osnabrück, zog es den jungen Hans Walter schon früh in die Theater seiner Heimat. Zunächst nur im Publikum, aber nach Abitur und Zivildienst bewarb er sich an der Hochschule der Künste in Berlin mit einer Schauspielaufnahmeprüfung und in Hamburg für ein Studium von Musik, Theater und Regie. Beide Prüfungen bestand er und entschied sich für die Hansestadt, wo er in den 70er-Jahren professionell in die Welt des Theaters eintauchte. Hier lernte er auch seine erste Frau Dorothee Kimmich kennen, die vielen Auerbachern als Hebamme ein Begriff sein dürfte.

Nach dem Studium erhielt Bottenbruch Engagements in Deutschland und Europa. So war er als Regieassistent in Wiesbaden, aber auch an der Mailänder Scala tätig, ebenso an der Staatsoper in Ankara. Zwölf Jahre lang begleitete er Inszenierungen auf großen und kleinen Bühnen, hinter und vor dem Vorhang. Dann ließen die Engagements nach. Bottenbruch musste sich überlegen, wie es weitergeht. Seine damalige Frau Dorothee ermutigte ihn, sich als Masseur ausbilden zu lassen. Eine Weiterbildung zum Physiotherapeuten folgte. 1993 eröffnete er seine eigene Praxis in der unteren Vorstadt. Den Wohnsitz hatte das Paar inzwischen in Kemnath.

Nach der Trennung von Dorothee Kimmich heiratete Bottenbruch ein zweites Mal, aber auch diese Ehe hielt nicht. Mit Lebensgefährtin Petra hat Hans Walter Bottenbruch nun die Richtige gefunden. Seit vier Jahren arbeitet er nicht mehr nur in Auerbach, sondern hat auch den Wohnsitz hierher verlegt.

Keine Eingewöhnungszeit


Eingewöhnen musste sich der sympathische Therapeut nicht in der Bergstadt. "Ich kannte die Menschen, und die kennen mich. Außerdem mag ich den Menschenschlag hier sehr." Seit drei Jahren singt er im MGV 1884 mit. "Und wenn ich morgens aufstehe, dann freue ich mich auf die Arbeit in der Praxis und meine Patienten."

Ganz hat Bottenbruch der Kunst nie den Rücken gekehrt. Lesungen, unter anderem bei KIK im Saal des Goldenen Löwen oder im Dorfzentrum Welluck, sowie kleinere Engagements - etwa an der Studiobühne in Bayreuth - macht er nebenbei.

Lesung im Bürgerhaus am Tag des BuchesHans Walter Bottenbruch besitzt Humor, spitzbübischen Charme und eine ausdrucksvolle Stimme. Gelegenheit, sie zu genießen, bekommen die Auerbacher am Tag des Buches. Am Samstag, 23. April, liest er aus verschiedenen literarischen Werken zum Thema "Lieben - Hassen, Hoffen - Zagen."

Warum er sich ausgerechnet für dieses Thema entschieden hat erklärt er kurz: "Die vier Begriffe zeigen die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle, die möglich sind. Nicht schwarz oder weiß, sondern mit vielen Zwischentönen lässt sich hier das Leben finden." Bottenbruch liest aus Werken von Goethe, Heine, Wilhelm Busch, Theodor Fontane und Shakespeare.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Bürgerhaus. Der Eintritt ist frei; Spenden des Publikums kommen dem Archeladen zugute. Veranstalter der Lesung ist die Stadtbücherei St. Johannes, die nach der Lesung zu einem kleinen Imbiss einlädt. Dann haben die Gäste auch Gelegenheit, sich mit dem Künstler auszutauschen. (swt)
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