Lizzy Aumeier und die weißen Lilien auf Maffei
Die Oberpfälzer Enkelin der Queen

Lizzy Aumeier und die weißen Lilien boten viel Salonmusik und noch mehr Witz.
 
"Ich bin Sachse ... Angelsachse" sagt der Mann von Scotland Yard und schreitet unerzüglich zur Leibesvisitation. Bilder: Leinberger (2)

Es ist ein perfekter Sommerabend für einen nicht ganz perfekten Mord. Das Setting könnte von Agatha Christie stammen, die Umsetzung nur von einer: Lizzy Aumeier, berühmt-berüchtigt als gnadenlose Zotenqueen und mitreißende Entertainerin, präsentiert mit ihrem Damensalonorchester "Die weißen Lilien" einen kurzweiligen Abend voller schwungvoller Salonmusik von Edward Elgar über Mozart bis hin zu Johann Strauss. Gespielt von fünf klassisch ausgebildeten, vorzüglichen Musikerinnen aus Deutschland, Tschechien und Russland.

Ihr konzertanter Krimi "Mord im Salon" erzählt eine Geschichte wie sie im Krimi-Lehrbuch steht: Ein Mord geschieht in einem Schloss an der Westküste Englands. Das "übergewichtige oberpfälzische Hausmädchen Gretl", gespielt von Lizzy Aumeier selbst, wird ermordet. Alle sind verdächtig, keiner will's gewesen sein. Und doch ist der Täter der Scheinheiligste unter ihnen.

Erste Reihe sitzt gefährlich


Das Publikum, das an diesem perfekten Sommerabend zahlreich den Weg zu den Maffeispielen in der alten Bergwerksanlage gefunden hat, ist von Anfang an voll dabei, sobald die Anti-Diva Aumeier auf die Bühne kommt und erst mal die erste Reihe - es war im Übrigen freie Platzwahl - mit lustigem Beruferaten quält. Ihre Fans, überwiegend "Best-Ager 50plus", holt sie damit sofort ins Boot. Unterhaltsam erzählt und dramaturgisch elegant ineinander verwoben, werden die Protagonistinnen vorgestellt, Witze gerissen und die Handlung vorangetrieben. Hits der klassischen und Operettenliteratur ergänzen passend zum Handlungsverlauf das Programm und werden schwungvoll elegant von den fünf Vollblutmusikerinnen zum Besten gegeben.

Eine feine Familie


Da sind die Schlossherrin Lady Winterborn (Svetlana Klimova), die "Geige spielt, säuft und russische Witze erzählt", und ihre geldgeile, aufs Erbe und eine Hochzeit mit Prinz Harry fixierte, ansonsten aber gänzlich missratene Tochter Prudence alias Baronesse Irene von Fritsch. Der recht wortkarge und sexistische Sohn - "lieber breitbeinig als engstirnig" - Charles, dargestellt von Flötistin Gaby Athmann, und last but not least der unsäglich dämliche Pater Goodfellow, gespielt von "der Jüngsten und Dünnsten" (O-Ton Aumeier), Alice Graf am E-Piano.

Lizzy Aumeier selbst mimt erst das Opfer Gretl und später keine Geringere als Queen Elisabeth II., die im Übrigen Gretls Großmutter ist. Mit ihren filigranen Fingern streicht und zupft sie ihren Kontrabass, dass es eine reine Freude ist. Garniert mit Zoten, Sprüchen und nicht immer jugendfreien Witzen über Männer, Frauen, Briten, Geldgier und Sex gestaltet die Oberpfälzer Kabarettistin mit ihren Texten und einem stilsicher für Salonorchester arrangierten locker-flockigem Programm den Abend abwechslungsreich, vergnüglich und wie immer hemmungslos und ohne Berührungsängste vor Kalauern und Konfektionsgrößen.

Sie liebt ihr Publikum und bezieht es immer wieder in die Handlung mit ein, bis schließlich der Inspektor von Scotland Yard im grandiosen Kilt-Outfit kommt. In breitestem Sächsisch stellt er sich vor "Ich bin Sachse, Angelsachse" und beginnt mit einer ausführlichen Leibesvisitation der ersten Reihe und der Musikerinnen. Im richtigen Leben ist Andreas Stock Regisseur und seit 27 Jahren der Mann an Aumeiers Seite. Und da es sich um einen Familienbetrieb handelt, übernimmt auch die achtjährige Mimi als "Hund von Baskerville" in der Mitte der Bühne samt Körbchen eine tragende Rolle. Punktgenau und dramaturgisch einwandfrei lässt der Vierbeiner seine Augen rollen, schmachtet die virtuose Geigerin Klimova an oder zeigt dem Publikum am Ende des Abends demonstrativ sein Hinterteil. Das Publikum freut sich darüber - und lässt sich immer wieder zum Mitmachen animieren.

"Länger in EM als EU"


Die Aumeier liebt ihre Fans, wenn sie wie Wölfe heulen und mit Sturm-, Regen- und Gewittergeräuschen die Atmosphäre auf dem stimmungsvoll illuminierten Bergwerksgelände mitgestalten. Selbstverständlich kriegen die Briten im Laufe des Abends immer wieder ihr Fett ab: "halb Mensch, halb Porridge", die "länger in der EM als in der EU waren".

Zur Zugabe gibt es dann noch einen Cancan, den der Inspektor leider nur im Sitzen röckchenschwingend andeutet, und den Radetzkymarsch, bei dem alle noch einmal unter dem Dirigat von Scotland Yard mitklatschen dürfen. Bei Maffeibier, Zwiebelkuchen und Hugo lassen die Zuschauer einen sehr entspannten und amüsanten Abend ausklingen und dürfen sich aufs nächste Jahr freuen, wenn die preisgekrönte Kabarettistin und vortreffliche Kontrabassistin mit ihrem Soloprogramm "Ja, ich will" wiederkommt.
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