Museum 34 macht Christian Bauers historisches Auerbach-Modell jetzt zugänglich
Zurück aus dem Jahr 1839

Die Charakteristik des unteren Markts hat sich über die Jahrhunderte bis heute wenig verändert.
 
Überaus detailreich geht es im Modell der Auerbacher Vergangenheit zu. Auf dem Schlosshof läuft gerade eine Theatervorstellung.

Die Sonnenuhr am unteren Tor bestimmt den Lauf der Zeit. Am Schlosshof wird Theater gespielt, im Biergarten des Wilden Mannes sitzen die Bürger und zechen. Und auf dem Friedhof neben der Kirche findet gerade eine Beerdigung statt: Szenen aus dem Leben von 1839.

Sehen und nacherleben lassen sich diese und andere kleine Geschichten am neuen Stadtmodell im Bürgerhaus. Der Betrachter glaubt, mitten unter den Auerbacher Bürgern zu sein, die sich gerade zuprosten. Und die Kirchenglocken läuten.

In den Räumen des Museums 34 hat Christian Bauer nach vierjähriger Arbeit das Modell fertiggestellt und aufgebaut. Zwischen 3500 und 4000 Stunden hat er dazu gebraucht. Aus Kunststoffplatten mit drei Millimeter Stärke schnitt er Häuserwände, Kirchenmauern und Dächer aus. Im Maßstab 1:160 entstand das Modell anhand des ältesten Stadtplans, den das Archiv in Auerbach besitzt.

Respektvolle Verbeugung


Bauer gibt sich bescheiden, wenn man ihn nach seiner Intention fragt. "Ich habe schon immer gerne Modelle gebaut, interessiere mich für die Geschichte meiner Heimat. Und ich sehe das Modell als respektvolle Verbeugung vor den Männern, die sich Jahrzehnte mit der Stadtgeschichte beschäftigt haben. Rudolf Weber, Hans-Jürgen Kugler, und zu früherer Zeit Joseph Köstler, haben immense ehrenamtliche Arbeit geleistet."

Vor allem die Häuserchronik von Kugler war die Vorlage für das Stadtmodell. Hier holte sich der 31-jährige Sachbearbeiter, der im echten Leben bei den Eckart-Werken arbeitet, viele Anregungen und Ideen zur Umsetzung. Mit viel Geduld hat er die Häuschen aufgezeichnet, geschnitten, vier bis fünfmal gestrichen.

Er brachte liebevoll Details an wie Blumenkästen, Schilder von Wirtshäusern oder Handwerkern, hat Gärten gestaltet und mit Miniaturfiguren den Szenen Leben eingehaucht. Da kann man schmunzeln über den Mann, der auf dem Plumps-Klo sitzt und Zeitung liest. Oder über die Waschweiber, die am Brunnen ihren Tratsch halten. Viele kleine Geschichten sind zu entdecken. Und ein bisschen künstlerische Freiheit hat sich Bauer auch genommen.

Wer genau sucht, der findet vor einem Stadel ein Gefährt, das es 1839 noch gar nicht gegeben hat. Es ähnelt einem Automobil, ist aber eine Zeitmaschine in Miniaturausgabe - und zwar der DeLorean DMC-12 aus "Zurück in die Zukunft". "Das ist mein absoluter Lieblingsfilm. Aus der Zeitmaschine habe ich auch mein Wissen über die Geschichte," scherzt Bauer.

Ab Freitag für alle zu sehen


Im Sommer wurde das Modell dem Stadtrat vorgestellt, der dem jungen Geschichtsfan ein Budget von 10 000 Euro zur Verfügung stellte. Die Räte waren sprachlos und begeistert. Jetzt wird das Modell der Öffentlichkeit präsentiert. Ab Freitag steht es in einer Sonderausstellung bereit, ergänzt durch großartige Aufnahmen von einzelnen Szenen. Mario Bauer, Hobbyfotograf und Cousin des Modellbauers, hat über 400 Bilder geschossen. Rund 30 wurden für die Präsentation ausgewählt. Ergänzt werden sie durch Fotos aus dem Leben der Auerbacher früher.

Museum 34Wer auf Entdeckungsreise in die Vergangenheit en miniature gehen will, der sollte einen Blick in das Auerbach von 1839 werfen. Geöffnet hat das Museum 34, Unterer Markt 34, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr und Sonntag 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. (swt)
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