Freigeist erleidet gerechte Strafe

Barbara Puppa Hennerfeind vom Duo Agua y Vino tanzt temperamentvoll zu Flamenco-Klängen und Sinti-Melodien. Bilder: aja (4)

"Sie dürfen gespannt sein. Heute geht es um Don Juan, das Sinnbild für den Mann, der die Frauen bezirzt", kündigte Intendant Jan Burdinski vom Fränkischen Theatersommer auf der Maffei-Freilichtbühne an. Eine Frage stand den Zuschauern förmlich ins Gesicht geschrieben: Welche Sahneschnitte wird wohl in die Rolle des Don Juan schlüpfen?

. Das Gelände des alten Bergbauwerkes bildete eine traumhafte Kulisse für das Stück "Don Juan - seine Liebesabenteuer und Träume", frei nach Molière interpretiert. Mit nonchalanter Arroganz verkörperte Marc Borchert die Titelfigur - ein junger Adeliger, der sich "berechtigte Ansprüche auf die Herzen von Frauen nicht rauben lässt".

Zusammen mit seinem Diener Sganarell (Jan Burdinski) lebt er auf Sizilien und schenkt einer Frau nach der anderen sein Herz. Kurz nach der Eroberung lässt er sie wie eine heiße Kartoffel wieder fallen und "riecht den nächsten Frauenrock, noch eh er um die Ecke schwebt".

Sein aufmüpfiger Diener redet ihm stets ins Gewissen und scheut sich nicht vor Moralpredigten. Sganarell führt sogar Buch über die Eroberungen und stellt fest: "In Deutschland waren es 231, in Italien 640 und in Spanien bisher 1001. Und alle paar Monate eine neue Heirat. Wie könnt ihr nur so mit dem heiligen Sakrament spielen?"

Tabak für die kleinen Leute

Leidenschaftlich frönt er selbst dem Schnupftabakgenuss und bietet dem Publikum auch immer eine Prise an. Sei die Verführung der Frauen den reichen Herren wie Don Juan vorbehalten, so sei der Tabak etwas für die kleinen Leute wie ihn. Don Juan hingegen findet das eigene Verhalten einwandfrei und verteidigt die schelmische Tricks, die er anwendet.

So auch bei den beiden Bauernmädchen Charlotte (Bettina Wagner) und Mathurine (Clarissa Hopfensitz), die er gegeneinander ausspielt, um beide rumzukriegen. Sein Plan scheint aufzugehen: Sie beschimpfen sich, es kommt zur Rauferei. Sganarell kann das Elend nicht mit ansehen und macht ihnen klar, welch unlautere Absichten sein Herr hegt.

Als besonders harte Nuss stellt sich Donna Elvira heraus, die Don Juan aus einem Kloster entführt hat, um sie zu heiraten. Nachdem er auch sie fallen gelassen hat, kreuzt ihr Bruder Don Carlos (Benjamin Bochmann) auf Sizilien auf, um die Kränkung seiner Familie zu rächen. Das selbstgefällige, herablassende und verlogene Wesen von Don Juan macht auch nicht vor einem Bettler und nicht mal vor seinem eigenen Vater (beide von Stephan Bach gespielt) halt.

Doch in Alpträumen suchen ihn die Menschen heim, denen er übel mitgespielt hat. Und letztlich kommt es, wie es kommen muss: "Brausend sank der Traum auf den, der träumte und sich säumte, und so starb Don Juan." Und alle schienen glücklich, bis auf Diener Sganarell, der schrie: "Meinen Lohn, meinen Lohn!"

Nach einem kurzen Umbau kam das Würzburger Duo Agua y Vino auf die Bühne und nahm die Gäste mit auf eine Reise in die Welt des Flamenco. Romantisch und leidenschaftlich sang Barbara Puppa Hennerfeind über das Leben und die Legenden von spanischen Zigeunern sowie unvergessene Lieder der großen Sinti-Musiker Titi Winterstein oder Schnuckenack Reinhardt. Mit im Programm auch Rumbas der Camargue, darunter bekannte Melodien der Gipsy Kings. Mitreißende Gitarrenmusik, leidenschaftlicher Gesang, temperamentvoller Tanz und Kastagnetten ließen Erinnerungen und Sehnsüchte aufleben.

Feuer und Frühschoppen

Der Höhepunkt der spanischen Nacht kam mit dem Höhenfeuerwerk, welches das alte Bergwerk in schillernde Farben hüllte. Und am Sonntagmorgen gab es dann noch den traditionellen Jazz-Frühschoppen zu den Maffei-Spielen mit der Jean Baptistes Jug Band.
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