Vom Winde gedreht

Den Planungen nach liefern die beiden Windräder jährlich genug Strom für rund 4000 Haushalte. Bild: cs

Schon drei Monate vor dem geplanten Termin speisten die beiden Windräder bei Hagenohe im Oktober 2014 den ersten Strom ins Netz ein. Seit Freitagabend tun sie das nun auch mit dem Segen der Kirchen.

133 Gesellschafter aus Auerbach, Ortlesbrunn und Umgebung haben sich in der zur Bürgerwindenergie Hoher Weg GmbH zusammengeschlossen. Mit ihren Familien, den beteiligten Firmen und Investoren stießen sie auf das Projekt an. Sie erwarten sich davon mehr als 12 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Das deckt den Bedarf von rund 4000 Haushalten und vermeidet den Ausstoß von 10 000 Tonnen Kohlendioxid.

Auch Grundstückseigentümern und Nachbarn entlang der Trasse ("damit der Strom dort hinfließt, wo er gebraucht wird") galt das Willkommen von Erich Wust. Er ist Geschäftsführer der Wust-Wind & Sonne GmbH, die Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien projektiert und verwaltet. Nach seinen Angaben steuerten die Gesellschafter rund 30 Prozent der insgesamt investierten 10,6 Millionen Euro bei. "Wir hoffen, damit auch unseren Beitrag zur dezentralen Energieversorgung geleistet zu haben und einen Baustein zur Erhaltung unserer Umwelt", schilderte er die Beweggründe. Der Bau verlief nach Wusts Worten unfallfrei.

3. Bürgermeister Norbert Gradl vertrat zusammen mit den Ratsmitgliedern Herbert Appl und Maria Regn die Stadt Auerbach. Er übertrug die alte Weisheit "Einem jeden recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann" auf die Stromerzeugung. Spätestens nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima sehe eine breite Mehrheit in Deutschland in den erneuerbaren Energien den richtigen Weg: "Keiner weiß, wohin mit dem Atommüll." Umweltbelastend sei auch der Abbau von Braunkohle. Selbst die erneuerbaren Energien würden manchmal kontrovers gesehen - zum Beispiel, wenn es um Stromtrassen gehe. Die beiden Windkraftanlagen bei Hagenohe bewältigten den Spagat, mit Rücksicht auf Mensch, Kreatur und Natur wirtschaftlich Energie zu gewinnen.

Für die Voltgrün GmbH ließ Projektmanager Toni Frank den Werdegang Revue passieren. Die ersten Gespräche liefen im Juni 2012. Am 6. Dezember 2013 erteilte das Landratsamt Amberg-Sulzbach die Genehmigung. Im März 2014 begann der Bau, der so schnell vonstatten ging, dass die Anlagen im vergangenen Jahr noch etwa 3,5 Millionen Kilowattstunden Strom lieferten.

Die Verantwortung im Umgang mit der Schöpfung stellte Pfarrer Moritz von Niedner in den Mittelpunkt. "Wenn Menschen in 100 und 200 Jahren noch Energie gewinnen wollen, führt kein Weg an regenerativen Quellen vorbei", sagte er. Mit ihm sprach Dekan Dominik Sobolewski den Anlagen in einer ökumenischen Zeremonie den Segen zu.

Als Vorsitzender des Beirats der Bürgerwindenergie Hoher Weg wünschte sich Bernhard Krieger (Auerbach) immer guten Wind und wenig Ausfälle. Dem Gremium gehören außerdem Hans Lindner (Ohrenbach) und Wolfgang Feuerlein (Pegnitz) an. Bei der jährlichen Gesellschafterversammlung wird über die Ausschüttung abgestimmt; erstmals im kommenden Jahr für 2015. Durch den Sitz der Betreibergesellschaft in Auerbach fließt die Gewerbesteuer zu 100 Prozent in den Stadtsäckel.

Der Erlös aus dem Losverkauf für Gondelfahrten zum Aussichtspunkt will der Anlagenhersteller, wie er ankündigte, aufstocken. Das Geld soll dann einem gemeinnützigen Zweck zugute kommen.
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