Junge Flüchtlinge beleben einen Leerstand
Neues Zuhause lernen

Im Haus Nummer sechs am Pferracher Berg ist nach langem Leerstand wieder Leben eingekehrt. Wochentags betreut, werden dort minderjährige unbegleitete Flüchtlinge von Mitarbeitern des Jugendhilfezentrums Schnaittach auf eine Berufsausbildung und das ganz normale Alltagsleben vorbereitet. Jetzt haben sie zu einem Kennenlern-Treffen mit Nachbarn und Michelfeldern eingeladen. Bild: eb

Wer gezwungenermaßen seine Heimat aufgibt, braucht eine neue. Besonders junge Menschen lässt eine Entwurzelung nicht selten in Orientierungslosigkeit abgleiten. Hier wird gezielt gegengesteuert.

Michelfeld. Lange stand es leer, das Haus Nummer sechs am Pferracher Berg. Nun ist in das ehemalige Bürogebäude mit vier afghanischen Flüchtlingen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren wieder Leben eingezogen. Betreut werden die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge vom Jugendhilfezentrum Schnaittach, das auch für eine Wohngruppe dieser Art in Auerbach zuständig ist.

Die Betreuung der Jugendlichen durch Mitarbeiter dieser Hilfestelle läuft unter der Woche von Montag bis Freitagabend. Es ist quasi eine Teilzeit-Unterstützung. Nachts und am Wochenende sind die jungen ausländischen Neu-Michelfelder auf sich selbst gestellt. Zu den Hauptaufgaben der Mitarbeiter des Jugendhilfezentrums gehört auch, die minderjährigen Flüchtlinge mit dem Alltagsleben in ihrer neuen Umgebung vertraut zu machen.

Was Politik oder Staatsbürgerkunde betrifft, wird den Jugendlichen aus einem völlig anderen Kulturkreis beispielsweise erklärt, wie in Deutschland Gesetze entstehen und wie die von der Gesellschaft getragene Demokratie funktioniert. Alle Vier besuchen zur Zeit in Sulzbach-Rosenberg eine Berufsschule, wo eine Deutsch-Klasse eingerichtet wurde. Dass sie fleißig und lernwillig sind, stellt sich bei an sie gerichteten Fragen schnell heraus. Ziel der Lehrer und Betreuer ist, die ausländischen Jugendlichen durch Sprach- und Allgemeinbildung auf das Erlernen eines Berufs vorzubereiten. Ein entsprechendes Praktikum haben sie bereits absolviert.

Anknüpfungspunkt Sport


Doch auch die Bewältigung des Alltags soll ihnen nahegebracht werden. Besondere Bedeutung kommt hier der möglichst zwanglosen Integration in das gesellschaftliche Leben im Ort oder in Vereinen zu. Die ausländischen Jugendlichen sind in der Regel für Sport zu begeistern, das kann erfahrungsgemäß helfen, psychische Belastungen als Folgen der Flucht und die Sorge um ihre zurückgebliebenen Familien zu mindern.

Die Betreuer, zu ihnen gehören auch als Gruppenleiterin die Heilpädagogin Lidde Bürte und der Theologe Wolfgang Klink sowie Thomas Fried, bemühen sich zudem um die Stabilisierung der Jugendlichen durch Gesprächsangebote. Am Freitag wurde von den Bewohnern des Hauses und ihren Betreuern zu einem Sommerfest am Pferracher Berg eingeladen. Teilgenommen haben Nachbarn. Auch einige andere Besucher zeigten Interesse an dem Treffen. Von den Hilfsvereinen waren Roland Löw als Vorsitzender des Arbeiter-Samariterbundes Auerbach sowie der stellvertretende Kommandant der Feuerwehr Michelfeld, Stefan Neukam, vertreten.

Einiges vorgenommen


Wenn nun Ferien angesagt sind, werden die jungen Afghanen mit ihren Betreuern zu einigen Ausflügen starten. Die Fahrten führen nach Nürnberg in den Tiergarten und nach Bayreuth zur Landesgartenschau. Auch Berlin wird angesteuert mit Besuchen von Kulturgütern wie Moscheen, Synagogen und der bekannten Marienkirche.
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