Vergleich von Islam und Christentum
Wenn Religion zu Politik wird

Sprach sich für Sachlichkeit und Besonnenheit in der Bewertung des Islams aus: CSU-Kreisvorsitzender Harald Schwartz. Bild: hfz

Der Westen schien auf die Frage nicht vorbereitet, weil er sie für überwunden hielt: Was passiert, wenn die Grenzen zwischen Religion und Politik verwischen?

"Islam und Christentum - zwei Weltreligionen im Vergleich", lautete deshalb das Thema der Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung auf Einladung des CSU-Kreisverbandes. Wäre da vor einigen Jahren vermutlich nur einen kleinerer Kreis von Interessierten zusammengekommen, erwies sich der Saal im Auerbacher Kolpinghaus nun laut einer Pressemitteilung fast als zu klein. Referent war der Politologe Karst Pfeifer, der seine Ausführungen mit Grafiken und Bildern untermauerte.

CSU-Kreisvorsitzender Harald Schwartz hob in seiner Begrüßung hervor, dass dieses Thema derzeit von starken Emotionen überlagert werde. Sachliche Information und Besonnenheit seien deshalb gefordert, das solle und wolle dieser Abend leisten. Pfeifer erläuterte zunächst die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen, die durchaus Parallelen auch im Judentum finden würden. Das sei vor allem der Glaube an nur einen Gott, der Monotheismus als die wichtigste Brücke zwischen den Religionen.

Des Weiteren seien der Glaube an die Existenz von Engeln als Gottes Boten, die Anerkennung gemeinsamer Propheten, Gebet und Glaube an das Jüngste Gericht und Jerusalem als Heilige Stadt Gemeinsamkeiten. Alle drei Religionen, so der Referent, würden zuguterletzt als "Buch-Religionen" gelten, da sie sich auf ein heiliges Buch, die Thora, Bibel oder den Koran, berufen.

Die Trennlinien


Bei all diesen Gemeinsamkeiten gebe es aber ebenso gravierende Unterschiede. Für den monotheistischen Islam stelle etwa die christliche Dreifaltigkeit (Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist) eine Art der Götzenanbetung dar, was für den Islam die schlimmste Sünde überhaupt bedeute. Für Moslems gelte Jesus lediglich als ein Prophet, nicht aber als der Sohn Gottes. Mohammed dagegen stelle "das Siegel" der Propheten dar, nach ihm gebe es keine mehr, weil mit ihm die Religion im Islam ihren Abschluss gefunden habe. In der weiteren Konsequenz heiße das: Für den Moslems ist der Koran das authentische Wort Allahs.

Keine Relativierung


Für das westliche Demokratieverständnis, so Pfeifer, sei sehr bedeutend, dass es im Islam keine Trennung zwischen Staat und Religion gebe. Mohammed sei sowohl geistliches Oberhaupt, als auch Staatsmann und Feldherr. "Alles, was er tat, gilt als unverrückbar und begründet die Verschmelzung von Religion und staatlicher Herrschaft. Das Christentum hingegen akzeptiert die Trennung von Staat und Religion, abgeleitet vom Wort Jesus: 'Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gott ist. '"

Der Referent betonte nachdrücklich, dass dieses islamische Staatsverständnis in keiner Weise mit den westlichen Vorstellungen von einem säkularen Rechtsstaat vereinbar sei. Als weiteren Unterschied nannte er den Dschihad, was gemeinhin mit "heiliger Krieg" übersetzt wird. Ein Moslem sehe darin üblicherweise in erster Linie den Kampf gegen die Versuchungen des Teufels, das eigene Ringen um gottgefälliges Tun und erst zuletzt den Kampf mit dem Schwert gegen die Ungläubigen. Mohammed habe zwischen Anders- und Ungläubigen unterschieden und damit Juden und Christen durchaus Akzeptanz entgegengebracht, da sie ebenfalls an einen Gott glauben. "Ungläubig" seien für ihn lediglich Polytheisten. Militanten Islamisten würden diese Sichtweise aber auch auf Juden und Christen beziehen, weshalb sie mit dem Schwert zu bekämpfen seien.

Lediglich gleichwertig


Pfeifer ging auch auf das Verhältnis des Islam zu Frauen ein. Nach der Sure 4,34 seien Männer den Frauen überlegen, vor Allah die Geschlechter jedoch gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt. Die Vorschrift, dass ein Mann bis zu vier Frauen heiraten dürfe, sei auch eher eine Frage der sozialen Absicherung gewesen. Dass beispielsweise das mit unserer Rechtsordnung in unüberbrückbarem Widerspruch stehe, betonte Pfeifer mit Nachdruck. "Bei uns gilt das Primat der Politik und des Grundgesetzes und nicht das des Koran oder der Scharia". Sein Fazit: Religionen können dem Wohl der Menschheit dienen, aber auch zu machtpolitischen Zwecken missbraucht werden.
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