Reaktionen auf den Rückzug des SV 08 aus der 3. Liga im Handball
Auerbach verliert ein Aushängeschild

2012 begann das Abenteuer 3. Liga mit einer Mannschaft, die fast ausschließlich aus Auerbacher Eigengewächsen bestand. Zuletzt wurden viele auswärtige Spieler hinzugekauft; nur einige wenige Auerbacher blieben in der 1. Mannschaft. Jetzt geht der SV 08 Auerbach Handball einen Schritt zurück, um der eigenen Jugend wieder eine Chance zu geben, wie er sagt. Bild: swt
Sport
Auerbach in der Oberpfalz
14.04.2016
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Das Handballmärchen in Auerbach findet ein jähes Ende: Hohe Wellen schlägt die Ankündigung des SV 08, für die kommende Saison keine Mannschaft zum Spielbetrieb der 3. Liga anzumelden. Unterschiedlich sind die Reaktionen auf diese Nachricht, die als Gerücht schon geraume Zeit die Runde machte.

Über die Gründe hörte sich die SRZ am Donnerstag um. Die Befragten äußerten sich unterschiedlich. SV 08 Auerbach-Vorsitzender Uwe Ditz nimmt schriftlich Stellung: "So schön das Abenteuer Dritte Liga auch ist, so klar muss uns bewusst gewesen sein, dass wir die Exoten in dieser Spielklasse waren und dass dieses Abenteuer auch irgendwann zu Ende geht."

Der SV 08 Auerbach sei in allen Sportarten als Amateurverein ausgerichtet, und dabei solle es auch bleiben. "Von daher muss jedes Jahr kritisch geprüft werden, ob wir die Ressourcen haben, um diesen Kraftakt zu stemmen", meint Ditz.

Dorfverein "irritierend"


Etwas irritiert zeigt er sich über die Formulierung in der Pressemeldung der Verantwortlichen, der SV 08 Auerbach sei ein "kleiner Dorfverein". "Wir waren und sind nicht professionell ausgerichtet", sagt er auf Nachfrage am SRZ-Telefon.

Weiter steht in seiner schriftlichen Stellungnahme: "Für den Verein brachten die Erfolge der vergangenen Jahre unheimlich viel Prestige. Deswegen schmerzt die Entscheidung natürlich ungemein, aber ich kann sie mittragen. Die mir bekannten anstehenden personellen Veränderungen in der Mannschaft erforderten eine kritische Analyse, und ich weiß, dass die daraus entstandene Entscheidung den Verantwortlichen in der Abteilung Handball nicht leicht gefallen ist. Aber sie ist vernünftig." Ditz dankt den Verantwortlichen für ihr Engagement. "Nun geht es eben in einer neuen Liga weiter, und zwar in einer, die zu unseren sportlichen und auch finanziellen Möglichkeiten passt. Vor allem: Es geht weiter."

Für Bürgermeister Joachim Neuß kommt die Entscheidung nicht überraschend. "Wenn zum Beispiel Coburger Spieler aus privaten und sportlichen Gründen zurück in die Heimat gehen, ist das nachzuvollziehen. Auch dass ein Tormann mit 38 Jahren sagt, jetzt ist Schluss, ist verständlich."

Sauer auf den Verband


Für "einen Wahnwitz" hält Neuß die Vorgaben des Deutschen Handballbunds bezüglich der Hallen. Er habe die Helmut-Ott-Halle nur begrenzt für die 3. Liga freigegeben. Jetzt fehlten 50 Zentimeter Abstand von der Zeitnehmerbank bis zum Spielfeld. "Wir hätten zwar umlinieren können - das wäre eine Investition von 3700 Euro gewesen - oder die Zeitnehmerbank auf die Tribüne verlegen." Die Vereinsverantwortlichen und die Stadt wollten dies aber nicht. "Hier macht der Handballverband seinen eigenen Sport kaputt!", kritisiert Neuß. Die Erste sei auch ein Aushängeschild für die Stadt gewesen, gibt er zu bedenken.

Cordula Raß, Trainerin der Handballminis, bedauert den Rückzug, sieht aber eine Chance für die fähige Jugend der Handballsparte. Der neue Spartenleiter Paul Rupprecht habe sofort nach Antritt seiner Aufgabe das Gespräch mit den Trainern, auch mit ihr, gesucht und sich informiert. "Wir haben in Bayern einen Namen. Die Fans werden auch kommen, wenn der SV 08 jetzt in den unteren Ligen wieder antritt. Und jetzt ist die Chance gekommen, auch unsere Jugend voranzubringen."

Immer in Bayern behauptet


Unglücklich findet sie die Bezeichnung "Dorfverein". Der SV 08 Auerbach sei zwar im Vergleich zu Coburg oder Erlangen ein kleiner Verein, habe sich aber immer behauptet und sich auch in Bayern manifestiert.

Der Sportbeauftragte der Stadt Auerbach, FW-Stadtrat Holger Eckert, zeigte sich von der Entscheidung überrascht. Allerdings habe auch er im Vorfeld die Diskussionen hinter verschlossenen Türen mitbekommen. Dass die Sparte diesen Schritt gehen musste, findet er bedauerlich.

Ein Monat bleibt Zeit, die Zukunft zu planenZahlreiche Reaktionen auf den Rückzug der SV 08-Handballer aus der 3. Liga gab es auch in den sozialen Medien. Holger Hess, langjähriger Trommler bei den "Sambatistas", ist traurig und enttäuscht. Mit seinen Kollegen unterstützte er die Mannschaft durch rhythmische Gesänge und trieb den sogenannten achten Mann, die Fangemeinde, zu Höchstleistungen an. Er dankte den "Jungs" für eine "geile Zeit" und hofft auf ein Wiedersehen mit den Blau-Weißen.

Auch viele Fans aus gegnerischen Clubs bedauerten die Entscheidung des SV 08 Auerbach. Und nicht zuletzt stellt Detlef Walkowski in Facebook die Frage: "Wie geht es weiter? Ohne Spieler und ohne Trainer?"

Manager Peter Hackenberg sagt dazu am SRZ-Telefon: "Wir haben jetzt einen Monat Zeit. Bis 15. Mai müssen wir melden, wo wir hin wollen. Derzeit laufen Gespräche in Richtung Trainer und Spieleraufstellung, Näheres kann ich dazu noch nicht sagen."

Auch für die 2. Mannschaft muss ein Trainer gefunden werden: Michael Werner, ein versierter ehemaliger Spieler und Coach, wechselt nach Bayreuth.

Hackenberg auf die Frage, warum die eigene Jugend nicht mehr gefordert wurde: "Wir spielen ja ohnehin schon in Spielgemeinschaften, da wir selbst die erforderlichen Jugendlichen gar nicht mehr hervorbringen." Einen bayerischen Meister aus den Jugendmannschaften hervorzubringen, sei eher unwahrscheinlich.

Die großen Favoriten wie Erlangen oder Coburg rüsten ihre Jugend aus ganz Bayern auf, da bliebe ein SV 08 Auerbach auf der Strecke. Hackenberg hofft aber, demnächst in einer Pressekonferenz gute Neuigkeiten verkünden zu können. (swt)
Nun geht es eben in einer neuen Liga weiter, und zwar in einer, die zu unseren sportlichen und auch finanziellen Möglichkeiten passt. Vor allem: Es geht weiter.Uwe Ditz, Vorsitzender des SV 08 Auerbach

Rechtzeitig ein Schritt zurück

Von Sabine Wiesent

Schon lange kochte die Gerüchteküche, wurde gemutmaßt, dass sich die Handball-Erste vor einem Umbruch befindet. Nun ist es also Fakt: Es wird in der neuen Saison keinen Drittligisten SV 08 Auerbach geben. Die Gründe hierfür sind vielfältig und zum Teil nachzuvollziehen. Bürokratische Vorgaben wie die Abstandslängen von Spielfeld zu Zeitnehmerplatz im Zentimeterbereich lassen den Kopf schütteln. Spieler, die nun bessere Einsatzchancen und vor allem auch Heimatnähe haben, sind dagegen zu verstehen. Doch nicht nur die 1. Mannschaft steht jetzt ohne Trainer da, auch die 2. Mannschaft muss sich nach einem neuen Trainer umsehen.

Den Fokus nun auf junge Talente aus den eigenen Reihen zu lenken, dieser Ansatz kommt für viele reichlich spät. Das Interesse der Verantwortlichen schien im Wesentlichen der 1. Mannschaft zu gelten; für die Jugend und die Kindermannschaften war wenig übrig. Sowohl männliche A- und B-Jugend sind in Spielgemeinschaft mit Pegnitz engagierte Teams, die tolle Erfolge aufwiesen. Auch die verbliebenen Mädchenmannschaften waren erfolgreich. Die Verantwortlichen der Auerbacher Handballsparte schien das wenig zu berühren. Hinzu kommt, dass nur wenige aktive Spieler bereit sind, ihre Erfahrung als Trainer an den Nachwuchs weiter zu geben.

Wenn aber die Verantwortlichen in der Pressemitteilung vom Mittwoch von einem "Dorfverein" SV 08 Auerbach zu sprechen, ist das ein Schlag ins Gesicht aller aktiven Spieler, Trainer, ehrenamtlichen Helfer vor und hinter den Kulissen und der vielen Eltern, die seit Jahren ihre Söhne und Töchter bei der Ausübung ihres Sports unterstützen. Und das gilt spartenübergreifend.

Nicht zuletzt hat auch die Stadt die Handballsparte enorm unterstützt - besonders finanziell. Hochmut kommt vor dem Fall, sagt der Volksmund. Gefallen ist der Handball nicht. Das Aushängeschild des Vereins und der Stadt tritt, wohl rechtzeitig, freiwillig einen Schritt zurück. Vielleicht eine Chance, jetzt wieder den vielen sportbegeisterten Jungen und Mädchen, den Zuschauern und den Helfern Unterstützung zu geben.

Nichts desto trotz: Danke den blau-weißen Jungs für viele spannende Momente und für einen Teamgeist, von dem manche leitenden Persönlichkeiten etwas lernen können. Bleibt zu hoffen, dass die Fans einer 1. Mannschaft auch in einer niedrigeren Klasse treu bleiben.

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