1700 Pfeifen wollen von Staub und Schmutz befreit werden
Großreinemachen in der Orgel

Tief ins Innerste der Orgel muss Baumeister Dominik Friedrich steigen, um alle Fehler zu finden und zu beheben. Bilder: swt (2)
 
Die Mitarbeiter der Orgelbaufirma reinigen die langen und schweren Pfeifen für die nächsten Jahrzehnte.

Sie liegen auf Holzböcken und erinnern im ersten Moment an Leitungsrohre. Doch beim genauen Hinsehen am Auerbacher Kirchplatz erkennt der Besucher: Hier werden kostbare Instrumententeile gereinigt.

Die Orgel der Pfarrkirche St. Johannes wird derzeit von Grund auf instand gesetzt. 2008 begann die umfangreiche Sanierung des Gotteshauses innen und außen. Seit dem vergangenen April steht es wieder für Gottesdienste zur Verfügung. In wenigen Wochen wird auch die Königin unter den Instrumenten wieder zum Lob Gottes erklingen.

Register teils schon älter


Das Orgelwerk entstand 1971 als Opus 2252 der Werkstätte Steinmeyer & Co. aus Oettingen in Bayern. Sie konstruierte das Instrument als mechanische Schleiflade mit elektro-pneumatischer Registertraktur und 25 klingenden Registern. Viele wurden aus der Vorgängerin übernommen. Der Orgelprospekt von Johann Konrad Brandenstein aus dem Jahre 1755 ist noch original erhalten.

In erster Linie gilt es, den Staub und Schmutz der vergangenen Jahrzehnte zu beseitigen. Das erledigt die Orgelbau-Werkstätte aus Oberasbach. Firmenchef Dominik Friedrich erläutert das Vorgehen: "Dazu wird das Instrument auseinandergebaut. Alle etwa 1700 Pfeifen der Orgel müssen gründlich gereinigt und Beschädigungen beseitigt werden. Einige Pfeifen im Prospekt, die sichtbare Pfeifenfront, müssen an den Füßen stabilisiert werden. Diese sacken durch ihr Eigengewicht zusammen."

Schimmel muss weg


Im hinteren Bereich wurde Schimmel entdeckt. Diese Stellen müssen gesäubert und anschließend imprägniert werden. Weitere Schwerpunkte sind die klangliche Nachintonation der Pfeifen, also die klangliche Abmischung der Register aufeinander und in sich: "Viele Töne sprechen zu langsam an, bilden keinen schönen Klang aus oder funktionieren gar nicht."

Anschließend muss jede Pfeife neu gestimmt werden; das nennt der Fachmann Einrichtung auf die richtige Tonhöhe. Komplett überarbeitet wird die Klaviatur. Die Tastenbeläge werden neu mit Ebenholz belegt, eine Neuaustuchung der Tasten an den Führungspunkten folgt. Dann werden die Windladen überarbeitet und Dichtungen ausgewechselt. Auch eine neue Winddrossel wird eingebaut.

Enge erschwert die Arbeit


"Eine Besonderheit in Auerbach ist, dass die einzelnen Reihen mit ziemlich genau 1700 Pfeifen extrem eng stehen. Größtenteils kommt man an die mechanischen Bauteile erst heran, wenn die Pfeifen ausgebaut sind. Durch die Enge wird der Aus- und Einbau erschwert", erläutert Dominik Friedrich. Insgesamt geht er von etwa 700 Arbeitsstunden aus, verteilt auf acht Wochen. Die Kosten belaufen sich auf rund 38 000 Euro.

Dominik Friedrich ist selbst kein Organist, hat aber lange Zeit Klavier und später Schlagzeug gespielt. Für seinen Beruf brauche es "schon eine gewisse musikalische Grundeinstellung und vor allem ein gutes Gehör", erklärt der 29-Jährige. Das Abhören der einzelnen Register und deren klangliche Abmischung am Spieltisch übernimmt Wolfram Wittekind, ein Kirchenmusiker mit A-Examen. Um die Nachintonation an der Pfeife und die Hauptstimmung kümmert sich der Orgelbaumeister selbst.

Hintergrund1987 übernahm Orgelbaumeister und Restaurator Benedikt Friedrich die seit 1950 bestehende Orgelbauwerkstatt in Oberasbach. 22 Jahre lang leitete er den Betrieb, bis er Anfang Juni 2009 starb. Sohn Dominik Friedrich trat in seine Fußstapfen. Seine Ausbildung hatte er als Bundessieger im Leistungswettbewerb 2008 abgeschlossen; die Meisterprüfung folgte.

In den vergangenen 28 Jahren hat die Firma 40 Orgelwerke unterschiedlicher Größe neu angefertigt und noch eine wesentlich größere Zahl von historischen Instrumenten überarbeitet bzw. restauriert. Zu den Auftraggebern gehörten Kirchengemeinden in Nürnberg wie St. Lorenz und St. Sebaldus, aber auch für städtische Einrichtungen wie die Meistersingerhalle und das Opernhaus. In knapp 400 Gemeinden führte Orgelbaumeister Friedrich Arbeiten aus. (swt)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.