775-jähriges Bestehen der Dillinger Franziskanerinnen in Michelfeld
Große Werke, reicher Segen

Die Dillinger Franziskanerinnen in Michelfeld am Gartenhaus im Kloster mit (von links) Oberin Madlen Kolbrand, Sigbalda Kormann, Elvina Schmitt, Viktoria Schuirer, Margrit Schuhmann. Bild: Buchfelder

Nach der Besichtigung der Asamkirche stellte eine Frau, die aus einer Diaspora kam, fest: "Ihr könnt Euch glücklich schätzen, ihr habt ein kunstvoll ausgestattetes Gotteshaus und ein Kloster, von dem viel Segen ausgeht." Dafür sorgen auch die Dillinger Franziskanerinnen, die seit 1885 hier wirken.

Michelfeld. Die Dillinger Franziskanerinnen gibt es seit 1241. Es waren einige Frauen, die mit einfachem Lebensstil, Gebet und Sorge für die Kranken sich sozial betätigten. Graf Hartmann schenkte ihnen in Dillingen ein Haus mit Hof und Krautgarten. Anfangs lebten 15 bis 30 Schwestern in der Gemeinschaft. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Klosterfrauen vom Ertrag des Grundbesitzes, ihrer Mitgift und den verpachteten Gütern.

Schwere Zeiten gab es für die Dienerinnen Gottes auch durch Kriegswirren. In Dillingen starben vier Schwestern an der Pest, die fünfte wurde verschont, weil sie als Aussätzige abgesondert lebte. Ab 1635 blühte das klösterliche Leben in Dillingen wieder auf, und 1736 wurde das baufällige Kloster mit Kirche erneuert. Laut bischöflichem Befehl stellten sich 1774 vier Schwestern für die Mädchenbildung zur Verfügung. Bei der Säkularisation 1803 wurde die Gemeinschaft der Dillinger Franziskanerinnen zum Aussterben verurteilt. Alle Güter wurden Eigentum des Kurfürstentums Bayern. Die Frauen durften aber unentgeltlich in den Staatsgebäuden wohnen. Sie gaben die Hoffnung nicht auf, und so konnte 1829 das Fest der Wiedererweckung mit Gelübdeerneuerung von fünf Schwestern und die Einkleidung von zwei Novizinnen gefeiert werden.

Schule für Taubstumme


Pioniere für einen karitativ-sozialen Frühling waren Geistlicher Direktor und Beichtvater im Frauenkloster, Regens Johannes Evangelist Wagner sowie die Dillinger Franziskanerin Theresia Haselmayr. Große Werke begannen 1847 mit der Eröffnung einer Taubstummenschule in Dillingen, denen 15 neue Regens-Wagner-Stiftungen folgten. Außer in Deutschland sind die Dillinger Franziskanerinnen auch tätig in Brasilien, USA und Indien. Mit neuestem Stand von anfangs 2016 begleiten 684 Schwestern kranke und behinderte Menschen in allen Lebensphasen. Insgesamt sind es über 8000 Menschen, die derzeit von über 6000 Mitarbeitern betreut werden.

Die Höchstzahl der Schwestern in der Kongregation war 1968 mit 2306 Mitgliedern in sechs Ländern mit 197 Niederlassungen.

Das 775-jährige Jubiläum der Dillinger Franziskanerinnen wurde im Mutterhaus in Dillingen auch mit der Öffentlichkeit groß gefeiert. Mit einem kleineren Gedenken schließt sich auch die Regens-Wagner-Einrichtung in Michelfeld an. So findet am Dienstag, 14. Juni, um 9.30 Uhr ein Wortgottesdienst mit Diakon Thomas Wiegel in der Sankt-Clara-Kapelle statt, begleitet von der Musik- und Instrumentalgruppe des Klosters (bei schlechtem Wetter in der Pfarrkirche.) Als franziskanisches Zeichen zur Bewahrung der Schöpfung wird in der Nähe des kleinen Gotteshauses ein Baum gepflanzt. Vor 25 Jahren fand diese Aktion im Klostergarten mit der Setzung einer Steineiche statt, die sich bereits zu einem mächtigen Baum entwickelte.

Ein Freudentag


Das Jubiläum soll auch ein Freudentag für die Behinderten sein. Mit verschiedenen Aktionen werden sie aufgefordert, ihr Können unter Beweis zu stellen. Eingeladen wird zum Bauen von Booten mit Boots-Regatta am Speckbach, zu Wasserspielen, Torwandschießen, Schubkarrenrennen, zum Bemalen von Tontöpfen, ebenso zu einem kleinen Theater mit der Michelfelder Puppenkiste. Den Abschluss des ereignisreichen Tages bildet dann der Tanz im Theatron am Sinnesweg.

Bei so einem Fest wird auch der Franziskanerinnen gedacht, die im hiesigen Kloster Gutes bewirkten. Oberinnen und Leiterinnen waren Alfonsa Stolz, Hermana Bräuner, Jolenta Schmidt, Neria Winkelmaier, Jesualda Lang, Miriam Dietrich, Alexis Ortner und Jolenta Maier. Schwester Madlen Kolbrand ist seit 2000 Oberin des Konvents.

Die Schwestern waren eingesetzt für die Pflege der Kranken, im Garten, in der Küche, der Landwirtschaft, der Näherei und im Sticksaal, in der Schusterei und, wenn es sein musste, auch als Hausmeister.

RückschauNach dem Krieg fanden die Auerbacher Schulschwestern für einige Zeit Aufnahme im Michelfelder Kloster. Von 1994 bis 2000 war Hans Frieß geistlicher Leiter der Einrichtung, 2010 folgte Hans Appel und zur Zeit ist es Rainer Remmele.

Im Jahre 1968 gab es noch an die 40 Schwester im Kloster Michelfeld. Mit Oberin Madlen Kolbrand, Elvina Schmitt, Sigbalda Kormann, Viktoria Schuirer und Margrit Schumann leben derzeit noch fünf Dillinger Franziskanerinnen hier, die sich immer noch ehrenamtlich beschäftigen.

Regens Wagner Michelfeld ist übrigens der zweitgrößte Arbeitgeber in der Großgemeinde Auerbach. (eb)
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