Amrei Fürst ist keine gewöhnliche 16-Jährige
„Das Böse und Finstere begeistert mich“

"Malen ist für mich eine Therapie", sagt Amrei Fürst. Eine Therapie gegen das Mobbing, das die 16-Jährige auch schon in der Grundschule erlebt hat. Denn: "Ich war immer anders als die anderen. Ich hatte andere Gedanken, hab immer alles kritisch hinterfragt. Ich war der Außenseiter." Bild: ewt

Amrei Fürst ist keine gewöhnliche 16-Jährige. Sie braucht kein Handy und kein Facebook. Was sie braucht, ist die Kunst. Mit ihrem ganz eigenen Malstil verarbeitet sie nicht nur ihre Gefühle, sie hat auch schon Preise gewonnen.

Ihre Bilder sind düster, oft brutal. Blut, Rippen, Gedärme - das zu zeichnen, macht ihr Spaß. Federn, Fell und Muskeln - das kann man gut schattieren. "Obwohl ich glücklich bin, hab ich immer düstere Gedanken. Das Böse und Finstere begeistert mich", sagt Amrei. Je brutaler die Bilder, desto besser kann sie ihre Emotionen und Probleme verarbeiten. "Malen ist für mich eine Therapie", findet Amrei. Es ist eine Therapie gegen das Mobbing.

Anders als die anderen


Gemobbt wurde Amrei vor allem in der Grundschule und in der ersten Zeit am Gymnasium. "Ich war immer anders als die anderen. Ich hatte andere Gedanken, hab immer alles kritisch hinterfragt. Ich war der Außenseiter", erinnert sich Amrei. Sie zieht nicht das an, was im Trend ist. Sie zieht an, was sie will. Das tut sie auch heute noch.

"Wenn ich ganz schwarz gekleidet rausgehe oder einen Zylinder aufhabe, dann schauen die Leute und dann kommen auch blöde Sprüche. Aber ich fühle mich wohl und deshalb ist mir heute egal, was die Leute denken und sagen. Ehrlich, kritisch, künstlerisch - das bin nun mal ich."

Zum Thema Mobbing, genauer gesagt Cyber-Mobbing, hat Amrei einen Comic gemalt: Ein Mädchen steht weinend vor einem Chaos von negativen und beleidigenden Kommentaren, Nachrichten und Aussagen. Im Hintergrund hängt ein Strick mit Schlaufe. Dafür gewann Amrei eine bayerische Urkunde und den europäischen Wettbewerb - gerechnet hat sie damit überhaupt nicht. Zwei Tage vor Einsendeschluss hat sie angefangen zu malen. Vier Stunden hat sie dafür gebraucht. "Ich wusste nicht mal, ob mein Bild noch rechtzeitig angekommen ist und kann es heute noch nicht fassen, dass ich gewonnen habe mit einem so schnell geschusterten Bild."

"Ich bin Künstler"


Weil ihre Bilder negativ und düster sind, wird sie oft gefragt, ob sie ein Emo oder ein Gothic ist. Darauf sagt sie immer: "Nein, ich bin Künstler. Und das ist viel mehr als nur malen. Das ist ein Lebensstil." Zu diesem gehört für Amrei auch, dass sie kein Handy und kein Facebook hat. "Ich sehe die Leute, die ständig auf ihr Handy glotzen, sogar, wenn sie mit jemanden reden. Und auch wenn sie das nicht zugeben, aber ein Handy ist Stress. Unnötiger Stress", findet Amrei. Wenn ihre Freunde per WhatsApp einen Ausflug planen, dann kann es schon sein, dass für sie im Auto kein Platz mehr frei ist. Denn Amrei konnte nicht online gehen und zusagen oder mitplanen. Das findet sie schade, aber das ist für sie kein Grund, ein Handy zu kaufen. "Handy plus Vertrag kosten Geld. Geld, mit dem ich mir lieber neue Stifte kaufe."

Ohne Happy End


Amrei zeichnet viele Porträts. Oft Gesichter von Sängern und Bands oder von den Handelnden ihrer Kurzgeschichten und Mangas. Denn Amrei schreibt auch. Vor allem Kurzgeschichten und Mangas, irgendwann mal einen Roman. Ihre Geschichten sind wie ihre Bilder: düster, nachdenklich, ohne Happy End.

In einer ihrer Lieblingsgeschichten geht es um einen Mann, der geklont wurde und versucht, mit den Folgen fertig zu werden. Einmal hat sie alle bekannten Märchen umgeschrieben - aus der Sicht des Bösen. "Danach war ich traurig. Die Bösen sind eigentlich nett, sie werden nur missverstanden", sagt Amrei. Denn der Wolf in Rotkäppchen hat eigentlich nur Hunger. Und der Mensch isst doch auch das Tier, wenn er Hunger hat. "Es ist normal, dass Rotkäppchen der Oma einen Kuchen bringt, weil die Hunger hat. Aber es ist nicht normal, dass der Wolf die Oma isst, weil der auch Hunger hat. Das ist doch alles ein Absurdum."

In zwei Jahren macht Amrei ihr Abitur. Dann heißt es erst mal: Work and Travel. In Neuseeland und Irland. Sie will die freie Zeit genießen, Inspiration sammeln, sich auf sich selbst konzentrieren: "Ich möchte einfach mal Zeit haben, mich in eine schöne Stadt zu setzen und einfach drauf los zu malen." Danach will sie studieren: Kunst oder Grafikdesign oder Gamedesign - oder eine Ausbildung zur Tätowiererin machen.

Eines weiß sie heute schon mit 16: "In zehn Jahren möchte ich meine erste Geschichte, hoffentlich ein Manga, veröffentlicht haben. Auf jeden Fall sehe ich mich in einem kreativen Beruf."

Steckbrief
  • Name: Amrei Fürst
  • Alter: 16 Jahre
  • Lieblingsfarbe: Schwarz
  • Traumberuf: freischaffende Künstlerin
  • Lieblingstier: Krähe
  • Lieblingsfach: Kunst
  • Musikrichtung: Metal, Hardrock
  • Letzte Kunstnote: 1
  • Lieblingskleidungsstück: ein schwarz-goldenes Korsett
  • Lieblingsserie: Supernatural
  • Hobbys: Zeichnen, Geschichten schreiben, Singen, mittelalterliche Geschichte
  • Schönster Ort: Irgendwo in der Nähe des Schliersees - eine Landschaft mit einer Ruine und einem alten Baum, dessen Wurzeln die Ruine umarmen
  • Vorbild: Gibt es nicht
  • Größter Wunsch: Jeder sollte so sein dürfen, wie er ist und fühlt
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