Auerbacher Kommandant sagt, was bei gefährlichen Einsätzen künftig besser laufen muss
Keine US-Geheimnisse mehr

Ehrensache ist für die Feuerwehr Auerbach und ihren Kommandanten Sven Zocher der Einsatz im Gefahrenfall. Dass man dabei aber über gesundheitsgefährdende Bedingungen vor Ort zunächst bewusst im Unklaren gelassen werde, das könne nicht sein, sagt Zocher. Bild: swt

Der Absturz einer US-Militärmaschine vom Typ F 16 nahe Creußen am 11. August 2015 beschäftigt die Einsatzkräfte der Feuerwehr Auerbach noch immer, wie Kommandant Sven Zocher bei der Jahreshauptversammlung sagte. Ehrenamtliche Helfer seien hier über die Gefahr im Unklaren gelassen worden, man habe in Kauf genommen, ihre Gesundheit zu gefährden.

So waren die Auerbacher unter anderem mit ihren Kameraden aus Pegnitz und anderen Wehren an vorderster Front zur Personenrettung und Brandbekämpfung eingesetzt, ausgerüstet mit Chemikalienschutzanzügen und Atemschutz. "Die unklare Einsatzlage, ist Gefahrstoff ausgetreten, wenn ja, welcher?" - diese Fragen stellten sich die Feuerwehrleute vor Ort. Und Fehlinformationen zogen eine Odyssee nach sich, die Zocher nicht kritiklos stehenließ. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert er die Lage.

Herr Zocher, wie sind die Auerbacher Feuerwehrleute am Absturztag mit den Gefahren konfrontiert worden?

Zocher: Beim Eintreffen der Feuerwehr Auerbach mit dem LF 24 und neun Mann Besatzung hatten sie den Befehl, verletzte Personen aus dem Gefahrenbereich zu transportieren. Anschließend wurden die Löscharbeiten in Verbindung mit der Feuerwehr Pegnitz unter Atemschutz und CSA Form 2 durchgeführt. Die Kräfte, die in einem Abstand davon standen, den man für sicher hielt, - etwa der Maschinist - hatten diese Schutzausrüstung nicht an. Der Gefahrenbereich wurde im Zuge der Löscharbeiten von 250 auf 500 Meter und danach auf 1000 Meter ausgeweitet. Die Kräfte der Feuerwehr Auerbach sowie alle anderen an der Absturzstelle befindlichen Kräfte wurden zurückgezogen und dekontaminiert. Im Gefahrenbereich verblieben die Einsatzmittel sowie das LF 24 bis zur Freigabe durch die Einsatzleitung.

Wie wurde nach dem Einsatz die Kleidung entsorgt oder dekontaminiert?

Zocher: Die Einsatzkleidung wurde in dieser Phase in speziellen Säcken aufbewahrt und verschlossen. Nachdem bekannt geworden war, dass "kein Gefahrstoff ausgetreten ist", wurden die wieder an die Einsatzkräfte ausgegeben. Im Zuge der Einsatzstellenhygiene wurde die Kleidung im Kloster Michelfeld gereinigt und wieder an die Feuerwehrdienstleistenden ausgegeben.

Wann und von wem erfuhren Sie über die Gefahren für Ihre Gesundheit und dass Hydrazin ausgetreten war?

Zocher: Am 30. September wurde eine Stellungnahme durch den örtlichen Einsatzleiter des Landkreises Bayreuth, Kreisbrandrat Schreck, rausgegeben, die ich am 1. Oktober von Kreisbrandinspektor Peter Deiml erhalten habe.

Wer hat die arbeitsmedizinischen Untersuchungen angeordnet und durchgeführt?

Zocher: Bei der Besprechung am 5. Oktober mit Bürgermeister Joachim Neuß, Kreisbrandrat Fredi Weiß, Kreisbrandinspektor Peter Deiml und mir wurde festgelegt, dass jeder eingesetzte Feuerwehrmann die Möglichkeit erhalten sollte, kurzfristig an einer arbeitsmedizinischen Untersuchung teilzunehmen. Die erste Untersuchung fand nach Klärung mit der Kommunalen Unfallversicherung Bayern am 19. November statt. Die zweite Untersuchung war am 7. Januar.

Gab es bisher konkret bei jemandem Grund zur Sorge?

Zocher: Nein.

Was wünschen Sie sich für künftige Einsätze dieser Art?

Zocher: Schnelleren Informationsfluss über die Landkreisgrenzen hinweg. Keine Geheimnisse der US-Army, sondern die lückenlose Wahrheit vor Ort.
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