Ausbrechendes Felsstück Ursache für Kletterunfall an der Maximilianswand
Wegen "Sanduhr" abgestürzt

Aus zerklüfteten Kalkfelsen besteht die bis zu 20 Meter hohe Maximilianswand im Krottenseer Forst, die eine Vielzahl von Kletterrouten aufweist. Deren Namen sind beim Einstieg mit roter Farbe aufgemalt. Die Wand liegt nördlich von Königstein an der Schotterstraße zwischen der Maximiliansgrotte und der B 85, etwa auf halbem Weg. Bild: ll

"Sonnenkönig" heißt die Kletterroute an der Maximilianswand, auf der sich am Mittwochabend ein 44-Jähriger aus dem Gemeindebereich von Neuhaus/Pegnitz schwerste Verletzungen zuzog, unter anderem einen offenen Schädelbruch (AZ berichtete). Er schwebte am Donnerstag noch in akuter Lebensgefahr. Nach Auskunft von Jörg Kaduk, bei der Auerbacher Polizei Sachbearbeiter für Kletterunfälle, hat diese Route den Schwierigkeitsgrad 6, was geübte Kletterer nicht überfordere. Der Sonnenkönig gelte als "ein Klassiker und zählt zu den Urrouten aus dem Klettersport".

Laut Kaduk gibt es dort zwei Felsformen, die bei Kletterern "Sanduhr" heißen. "Dahinter kann man was durchschlingen." Der Routenbauer habe dort Reepschnüre (dünne Seile) angebracht, in die man beim Klettern Expresskarabiner einhänge. Als der 44-Jährige etwa auf Höhe der oberen Sanduhr in der Wand nicht mehr weitergekommen sei, habe er nach unten signalisiert, dass er abgelassen werden möchte. Er habe sich dann ins Seil gesetzt und von der Wand weg belastet. Durch diesen Druck sei das Gestein der oberen Sanduhr ausgebrochen. Der Neuhauser fiel dadurch etwa vier Meter in die Tiefe und prallte gegen die Felswand. Das Seil fing sich dann zwar noch in der unteren Sanduhr, aber das Gewicht des fallenden Körpers ließ auch hier den Kalkstein ausbrechen. Insgesamt fiel der 44-Jährige elf Meter, bis er auf dem Boden aufschlug.

Typischer Kletterunfall


Dass Sanduhren ausbrechen können, gehört nach Kaduks Einschätzung zum Risiko beim Klettern. "Jeder, der da hochsteigt, weiß das." Fremd- und Eigenverschulden könnten deshalb ausgeschlossen werden. "Der Kletterer hatte hier einfach nur Pech." Es handle sich um einen typischen Kletterunfall. Heuer sei zwar in der Oberpfalz noch kein Sanduhr-Bruch gemeldet worden, doch gebe es wohl eine hohe Dunkelziffer.

Die Auerbacher Polizei wird laut Kaduk den Betreiber der Kletterseite www.frankenjura.com kontaktieren und ihn bitten, Hinweise auf die ausgebrochenen Sanduhren in die Beschreibung der Sonnenkönig-Route aufzunehmen. Dort findet man bisher die Angaben: "Länge: 15 m ... Absicherung: Schlecht ... Charakter: Technisch anspruchsvoll ... Erstbegehung: Uwe Ibscher (1980)".

Die Begleiter des Verunglückten waren am Mittwoch ein 45-Jähriger aus Neuhaus sowie ein 42-Jähriger aus Auerbach und dessen 13-jährige Tochter. Sie verständigten den Rettungsdienst. Feuerwehr, Rotes Kreuz und Bergwacht bargen gemeinsam den Verletzten in dem schwierigen Gelände und brachten ihn zu den Rettungsfahrzeugen am Schotterweg, rund 100 Meter von der Absturzstelle entfernt. Dort versorgte zunächst der Notarzt den 44-Jährigen, ehe dieser mit dem bei Krottensee gelandeten Rettungshubschrauber in die Uniklinik Erlangen gebracht wurde.

Die rund 30 Feuerwehrmänner aus Auerbach und Ranna leuchteten die Unfallstelle sowie den Landeplatz für den Hubschrauber aus. Dazu mussten sie Aggregate in den Wald tragen, wie Kreisbrandinspektor Peter Deiml sagte. "Aber das war kein Problem, dafür sind wir ausgerüstet. Die Zusammenarbeit mit der Bergwacht hat auch tadellos geklappt."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.