Der Kinderchor der Pfarrei St. Johannes der Täufer, Ain Karem, steht vor dem Aus
Kein Nachfolger für die Chorleiterin in Sicht

Agathe und Maria Schriml lieben die Musik. Sie wünschen sich, dass der Kinderchor Ain Karem eine neue Leitung erhält und auch der Kirchenchor weiter bestehen kann. Bild: swt

Wieder geht ein Stück musikalische Geschichte in Auerbach zu Ende: Der Kinderchor der Pfarrei St. Johannes der Täufer, Ain Karem, steht vor dem Aus. Ungewiss scheint auch die Zukunft des Kirchenchors.

Über vier Jahre hat Maria Schriml den Kinderchor ehrenamtlich geleitet. Während ihres Musikstudiums in Regensburg kam die 26-Jährige nahezu jedes Wochenende in ihre Heimat, um ihren Schützlingen die Vielfalt der kirchlichen Chormusik näher zu bringen.

"Ich versuchte, meinen Stundenplan so zu koordinieren, dass mir für Proben und Gottesdienste sowie das eine oder andere Konzert genug Zeit blieb", denkt sie an diese Zeit zurück. Die kleinen Sänger seien begeistert bei der Sache gewesen.

Im vergangenen Jahr machte die Musiklehrerin dann ihre Prüfungen und legte die Probenarbeit nieder. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sei sie gegangen, denn die Arbeit mit den Kindern habe ihr Spaß gemacht. Ein Problem dagegen: "Leider habe ich in den vergangenen Jahren nur wenig Unterstützung durch die Pfarrei erfahren."

"Genug fähige Musiker"


Vorübergehend sprang Marias Mutter Agathe Schriml als Leiterin ein. Zuletzt bereicherte der Chor das Krippenspiel an Weihnachten, das Bianka Deml mit Schülern einstudiert hatte. Das sei ein sehr schönes Erlebnis gewesen. Agathe Schriml hofft jetzt, dass sich die Pfarrei doch noch nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger umsieht: "Es gibt ja genug fähige Musiker und Musikerinnen in Auerbach."

Sorgen macht sich die Musikerin auch um die Zukunft des Kirchenchors, den sie seit gut 30 Jahren leitet. "Uns fehlt der Nachwuchs", gibt die 56-Jährige unumwunden zu. Es wolle sich niemand mehr so weit binden, dass er einmal wöchentlich die Chorprobe besucht und die kirchlichen Feste mitgestaltet. Früher war das selbstverständlich, meint Schriml: "Ich habe im Sopran zwei Frauen, die sind nach der Kommunion in den Kirchenchor gekommen. Jetzt sind beide über 80 Jahre alt."

Ein Experiment wagte Schriml vor Weihnachten. Sie rief zur Teilnahme an einem Projektchor auf, der für das Fest eine Orchestermesse einstudierte. Unterstützt wurde sie dabei vom Männergesangverein 1884 und dem Michelfelder Kirchenchor. Das Experiment gelang, der Weihnachtsgottesdienst war ein Erfolg.

Für ein ähnliches Projekt zu Ostern haben sich bisher aber keine neuen Sänger gefunden. "Wir proben deshalb auch etwas weniger als sonst", bedauert Schriml. Die musikalische Gestaltung der Ostergottesdienste wird etwas abgespeckt ausfallen. Schriml hofft, dass sich doch noch junge musikbegeisterte Menschen finden, die dem Kirchenchor etwas abgewinnen können. Sie macht sich aber nichts vor und meint: "Projektchöre sind die Zukunft. Den klassischen Kirchenchor wird es irgendwann nicht mehr geben." Auch erhofft sie sich Unterstützung durch Pfarrer und Gremien. Die habe sie bislang aber nur wenig gespürt.

Antworten stehen aus


Eine Anfrage dazu an Pfarradministrator Pater Markus Flasinski blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Auch der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Eugen Eckert hat auf eine telefonische Anfrage der SRZ bislang nicht reagiert.
Projektchöre sind die Zukunft. Den klassischen Kirchenchor wird es irgendwann nicht mehr geben.Agathe Schriml


"Es ist schade um die Kinder"Maria Schriml ist enttäuscht über den Rückhalt in den Gremien der Pfarrei. So habe sie etwa um ein neues Keyboard für Proben und Gottesdienste gebeten. Bis heute habe es der Chor nicht bekommen.

Sehr bemüht hätten sich die Eltern der Kinder: "Sie haben uns unterstützt, wo immer es ging." Die junge Frau berichtet von Versuchen, sie mit Naschereien und viel Überredungskunst umzustimmen. Maria Schriml entschied sich aber aus beruflichen Gründen dagegen, zumal sie nicht wusste, wo sie als Lehrerin landen würde. Der Einfluss einiger Choreltern im Pfarrgemeinderat sei eben nur begrenzt. Sonst habe niemand nachgefragt, wie es mit Ain Karem weitergeht.

Marias Mutter Agathe Schriml, langjährige Kirchenchorleiterin, sprang schließlich im September in die Bresche und übernahm interimsmäßig die Leitung von Ain Karem. "Eigentlich nur bis Weihnachten. Dann wurde es doch Februar", erzählt die eingefleischte Musikerin. Jetzt hat sie den Chor abgegeben; zum Teil auch aus gesundheitlichen Gründen. Eine Nachfolge sei immer noch nicht in Sicht.

Und auch bei Agathe Schriml hat bislang niemand nachgefragt, wie es denn weitergehen soll. "Es ist schade um die Kinder. Die meisten sind sehr gerne in die Chorprobe gekommen und haben begeistert mitgemacht." (swt)
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