Erinnerungen an den Bahnhof Michelfeld, der 1978 abgerissen wurde
Lebende Krebse fürs Grandhotel

Das Bahnhofsgebäude von Michelfeld auf einer Aufnahme um 1880. Damals tat Reichsbahn-Oberexpeditor Johann Baptist Schneider aus Speyer dort Dienst. Auf dem Bild sitzt sein Hund neben ihm. Repro: eb

Michelfeld. An den früheren Bahnhof von Michelfeld und sein Umfeld kann sich nur mehr die ältere Generation erinnern. Das Hauptgebäude behauptete 100 Jahre und einige Monate seinen Standplatz, bevor es 1978 dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Was übrig blieb, ist die einstige Güterhalle, die heute noch an die Bahnstation Michelfeld erinnert. Dieses historische Gebäude aus roten Backsteinen ließ Dieter Hofmann von der Firma HD-Bau - er ist der Eigentümer der Lagerhalle und des umliegenden Geländes - äußerlich verschönern. Die Schriftzüge "Michelfeld/Opf." auf drei Seiten am Gebäude wurden aufgefrischt. Sie grüßen die Fahrgäste in den vorbeirauschenden Zügen in strahlend weißer Farbe.

Die Güterhalle, die etwas entfernt vom Hauptgebäude lag, wurde von den Beamten des Bahnhofes verwaltet. Die An- oder Auslieferung musste schnell gehen, denn der Zugverkehr hatte Vorrang.

Bei einem Heimatabend erzählte einmal Josef Deuchler von seiner Kindheit und Jugend, die er am Bahnhof Michelfeld verbracht hat. Die Buben hielten sich am liebsten an der Lagerhalle auf. Morgens um 9 Uhr kam der Zug. Dann wurde längere Zeit rangiert, um die Waren ein- und auszuladen. Holz von den örtlichen Sägewerken und landwirtschaftliche Maschinen standen zum Abtransport bereit. Ochsen, Schweine und Geflügel wurden verschickt; Waldbeeren, Pilze und lebende Krebse kamen ins Grandhotel nach Nürnberg. Bei der Michelfelder Kirwa wurde das Karussell mit dem Zug befördert. Das Bier für die hiesigen Wirte wurde auf den Schienen geliefert. Aber die meisten ankommenden Güter war für das Kloster bestimmt.

Fahrdienstleiter war am Bahnhof Michelfeld, mit einigen anderen Kollegen, auch Johann Haberberger. Er kam aus dem nahen Franken und baute dann für seine Familie ein Haus auf der Anhöhe unweit des Bahnhofs. Somit hatte er einen kurzen Weg zu seiner Dienststelle. Im Bahnhofsgebäude wohnten bis zu seinem Abriss ausschließlich Bahnbedienstete mit ihren Familien.

So war es auch um etwa 1880, als der Oberexpeditor bei der Reichsbahn, Johann Baptist Schneider aus Speyer, in Michelfeld seinen Dienst versah. Damals waren die Linden noch klein. Heute sind sie zu mächtigen Bäumen herangewachsen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.