Hans Steger hofft darauf, einmal am Grab seines Onkels Alfons stehen zu können
Auf Spurensuche in Russland

Aufgewühlt über das sinnlose Sterben, erlebten die Reiseteilnehmer eine Umbettung mit. Dabei tauchen auch immer wieder persönliche Gegenstände der Gefallenen auf wie dieser Siegelring.
 
Die sterblichen Überreste von 284 deutschen Soldaten sind nach der Umbettung von Chlewitschtschi am Stadtrand von Nowgorod bestattet worden, unter ihnen wohl auch der Auerbacher Alfons Steger. Zwar noch nicht am Grab selbst, aber zumindest an einer der Namensstellen konnte sein Neffe Hans Steger einen Blumengruß niederlegen für den Onkel, den er nie kennengelernt hat. Repros: cs (3)

Es war von Jugend an ein Wunsch von Hans Steger (68), einmal am Grab seines Onkels Alfons zu stehen, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg starb. 74 Jahre danach ist der Neffe seinem Ziel in Russland sehr nahe gekommen.

Kennengelernt hat Hans Steger den Bruder seines Vaters nie. Nur Bilder und Unterlagen knüpften eine Verbindung zu ihm. Kürzlich meldete sich der Auerbacher dann für eine Reise des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach Weißrussland und Russland an. Zwei Wochen bevor er sie antrat, tauchte bei Renovierungsarbeiten im Elternhaus das von der Stadtverwaltung Auerbach beglaubigte Schreiben des Truppführers über den Tod von Alfons Steger auf. Dessen Mutter, die Witwe Barbara Steger, verlor mit ihm das jüngste ihrer elf Kinder.

Vergebliche Hoffnung


Der Büttnergeselle hatte gehofft, nicht in den Krieg ziehen zu müssen. Aber am 13. April 1940 flatterte der Einrückungsbefehl ins Haus. Alfons sollte nie in den elterlichen Betrieb zurückkehren, den sein Bruder Josef als Büttnermeister nach dem Tod des Vaters führte. Alle männlichen Nachkommen der letzten 150 Jahre übten dieses Handwerk aus.

Gerade einmal 30 Jahre alt, wurde Alfons Steger bei Abwehrkämpfen am Wolchow-Fluss am 13. Februar 1942 durch mehrere Granatsplitter schwer verwundet. Erst am nächsten Tag konnte er ins Lazarett gebracht werden - zu spät. Ohne noch einmal das Bewusstsein erlangt zu haben, starb er am 15. Februar 1942 gegen 2.15 Uhr und wurde auf dem Friedhof des Ortslazaretts begraben: So steht es im Brief des Oberarztes und des Truppführers an die Mutter. Grotesk nimmt sich die am 25. Juli 1942 verliehene Medaille Winterschlacht im Osten 1941/42 an den Toten aus. Sein Neffe Hans Steger hat die Familientradition als Büttner fortgesetzt und ist Meister dieses Handwerks. Auf der Suche nach dem Grab des Onkels führte ihn die Reise an die Kriegsgräberstätte in Nowgorod.

Gräberfeld für 11 500 Tote


Hierher wurde Alfons Steger als einer unter 284 deutschen Gefallenen von Chlewischtschi umgebettet. Auf dem großen Gräberfeld ruhen rund 11 500 Kriegsopfer; darunter auch Spanier, die in der sogenannten "Blauen Division" an der Seite der Deutschen kämpften.

Auswertung läuft noch


Nach Auskunft der Abteilung Gräberdienst der Bundesgeschäftsstelle des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge lagen für diesen Ort über 400 namentliche Meldungen vor. Eine erste Überprüfung ergab keinen Hinweis auf das Grab von Alfons Steger. Seine Erkennungsmarke wurde bei keinem Toten gefunden. "Die sorgfältige Auswertung der entsprechenden Unterlagen", heißt es in dem Schreiben vom 6. September dieses Jahres an den Neffen, "wird noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen." Um die Erinnerung an Alfons Steger zu bewahren, wurden dessen persönlichen Daten ins Gedenknamenbuch aufgenommen.

Was die genaue Ruhestätte seines Onkels angeht, muss sich Hans Steger in Geduld üben. Er hat die Zusage, sofort informiert zu werden, sobald sich ein konkreter Hinweis ergibt. Sollte dieser Tag kommen, ist Hans Steger fest entschlossen: Dann wird er noch einmal nach Russland reisen. (Mehr zum Thema)

Berührendes ErlebnisBesonders berührt hat die Reiseteilnehmer der Abstecher an 22 Soldatengräber zwischen Duchowschtschina und Beresnevo. Dort liefen gerade die Arbeiten zur Umbettung der Gefallenen auf einen Soldatenfriedhof.

Während der Grabungen kamen zwei Erkennungsmarken, ein Siegelring, zwei Stiefelreste und der Schädel eines Soldaten mit einem deutlich erkennbaren Kopfschuss ans Licht. Solche Grablagen zu finden, fällt dem Umbettungsdienst des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge zunehmend schwerer. In diesem Fall habe ein russischer Zeitzeuge den entscheidenden Hinweis auf dem Sterbebett gegeben. (cs)
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