Heiner Geißler wandelt seine Lesung in Auerbach in einen Votrag um
Mit Dogmen tut er sich schwer

Mit seinem Buch "Was müsste Luther heute sagen?" wolle er Haltung und Lehre des Reformators logisch weiterführen, erklärte Heiner Geißler bei seinem Auftritt im Auerbacher Kolpinghaus. Bild: sck

Angekündigt war eine Lesung, aber Heiner Geißler legt sein Buch beiseite. Er bevorzugt das freie Wort, als er zu den Auerbachern spricht. Ihre Stadt findet er aus einem ganz bestimmten Grund sympathisch.

Einen prominenten Gast hatte Auerbach am Mittwochabend: Der ehemalige CDU-Generalsekretär und Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit, Heiner Geißler, machte auf Einladung von Bürgermeister Joachim Neuß auf der Promotiontour für sein Buch "Was müsste Luther heute sagen?" in der Bergstadt Station.

In den wenigen Stunden seines Aufenthalts fand er Zeit für den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und für seinen Vortrag im Kolpinghaus. Anschließend signierte er sein im vergangenen Jahr bereits in zweiter Auflage erschienes Buch.

Absage an ein Ordensleben


Der 1930 in Oberndorf am Neckar geborene Geißler musste in der Endphase des Zweiten Weltkrieges noch Kriegsdienst leisten. Im Kolleg St. Blasien im Schwarzwald, einer von Jesuiten geleiteten Eliteschule, machte er 1949 Abitur und trat als 19-jähriger Novize in den Jesuitenorden ein. Vier Jahre später, als er vor der Frage stand, die Ordensgelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam auf Lebenszeit abzulegen, entschied er sich dagegen. Er studierte noch bei den Jesuiten in München Philosophie. Es folgte das Studium der Rechtswissenschaften in München und Tübingen, das er mit den beiden Staatsexamen beendete. Danach promovierte er zum Dr. jur.

Als Gründungsmitglied des Kreisverbands Rottweil der Jungen Union wurde er ihr Landesvorsitzender in Baden-Württemberg. Damit war der Weg in die Bundespolitik vorgezeichnet. In seiner Freizeit ist der verheiratete Vater von drei Kindern ein passionierter Bergsteiger.

Ein Grenzgänger


Bei der Lesung aus seinem aktuellen Buch im Kolpinghaus bekannte er sich als Katholik, der fest an Jesus Christus glaubt und betonte: "Was Jesus gesagt hat, war das Beste, das ich kenne." Er selbst sei politisch wie religiös ein "Grenzgänger". So tue er sich auch manchmal mit dem Glauben an Gott etwas schwer, und sein kritischer Geist habe Probleme mit den katholischen Dogmen.

Grenzgänger zu sein scheint ihm - aufgewachsen nahe dem Elsaß in Frankreich - in die Wiege gelegt worden zu sein. Sympathisch war ihm deshalb auch das oberpfälzische Städtchen Auerbach an der Grenze zu Mittel- und Oberfranken.

In religiösen Dingen und Angelegenheiten lässt er dies ebenfalls anklingen. Jesuitische Erziehung bis zum Abitur, Noviziat beim Jesuitenorden bis vor die ewige Profess und Philosophiestudium prägten seine kritische Geisteshaltung. Offenheit für die Ökumene und die Neuevangelisierungsbewegung der katholischen Kirche lassen den Grenzgänger und Denker Heiner Geißler in beide Richtungen der christlichen Konfessionen schauen. Beide Seiten hätten ihr Gutes, auch wenn manches wie etwa die Dogmen aus seiner Sicht eine "geistliche Belastung" darstelle.

Mit freien Worten zum Buch machte er aus der angekündigten Autorenlesung einen Vortrag. Ähnlich wie bei seinem Bestseller "Was würde Jesus heute sagen?" versuchte er Historisches in die heutige Zeit zu übersetzen und zu transponieren. Nun wolle er eben Luther, seine Haltung und seine Lehre logisch weiterführen.

Für Befreiung der Frau


Geißler postuliert nach kritischer Analyse auch hier Konsequenzen. Er plädiert dafür, aus der Vergangenheit zu lernen: "Macht nicht dieselben Fehler wie damals!" Gegen die Trennung der Kirchen setzt er ein: "Redet miteinander." Er greift zurück auf Jesus, der Frauen und Männer als Apostel hatte, und plädiert für die Befreiung der Frau.

Für weltweit zwei Milliarden Christen stellt er fest, dass jeder Getaufte auch Christ ist. Und dem Problem des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes aus dem ersten Vatikanischen Konzil stellt er die Empfehlung eines Konzils mit Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche gegenüber.

Konsequent kritisiert er die Global Player, für die allein die Geldgeschäfte entscheidend sind - Geld, Geiz, Gier - und fordert schließlich eine eine humane Friedens- und Wirtschaftsordnung, ebenso eine gemeinsame geistige Führung.
Was Jesus gesagt hat, war das Beste, das ich kenne.Heiner Geißler
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